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Zehnter Band.
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Baiern unter den Übergangsministerien von 1847^-49.

zeit hat bewiesen, wie vollkommen genau jene Zeitungen unterrichtet waren, obgleichdie „Neue Münchener Zeitung" und andere intime Blatter von „absoluten Lügen"sprachen.

Konnte nach all diesen Vorgängen überhaupt kaum noch ein Zweifel..darüberobwalten, daß Baiern jetzt seine separatistischen Tendenzen im Schlepptau Östreichsverfolge, so sprach auch das Verhalten derjenigen bairischen Parlamentsabgeordnetenbei der Oberhauptsfrage dafür, welche als psrsonss gratas des Hofs oder der Ca-marilla oder der Ultramontanen bekannt waren. Lassaulx und Phillips dcclamirtcnfür den Rotenhan'schen Antrag auf ein Reichsdirectorium und nannten das preu-ßische Kaiserthum den unmittelbarsten Weg zur Republik. Herr Edel, der Candidatfür das bairische Cultusministerium, spann die Gedanken seines Freundes Beislerweiter aus. Herr von Herrmann kokettirte zwar mit der äußersten Linken, dochwährend sein Auge schalkhaft an dem königlich bairischen Portefeuille des Handelsund der Gewerbe haftete. Fast ausschließlich Stahl aus Erlangen sprach für dieEinherrschaft, indem er die Stellung Baierns und seiner Bevölkerung zu dieserFrage treffend charakteristrte: „Baiern, Würtemberg und Baden haben zusammenmehr Stimmen im Staatenhause als Preußen. Eben in diesem neuen Deutschlanderst wird Baiern den würdigen Platz einnehmen, welcher ihm gebührt. Wo warbisjetzt sein politischer Einfluß? Künftig aber gibt es mit Preußen den Ausschlagin den deutschen Angelegenheiten, sowie es bei einem Vordrängen Preußens dieRechte der kleinern Staaten gegen etwaige Beeinträchtigungen zu vertreten imStande ist... Baiern ist aus verschiedenartigen Bestandtheilen zusammengesetzt,einige seiner Landschaften stehen seit Jahrhunderten unter demselben Fürstcnhause,andere sind erst kürzlich hinzugekommen. Ich bin in München geboren; ich darf michdaher mit Recht einen echten Baicr nennen, und ich versichere, daß selbst in Alt-baiern das Widerstreben gegen eine deutsche Gestaltung mit Hülfe Preußens mehrkünstlich erregt als natürlich ist. Man spiegelt diesem Volksstamme erlogene Nach-theile vor, man verschweigt ihm die einen Thatsachen, die andern verfälscht man,um eine feindselige Stimmung gegen die Einheit hervorzubringen" u. s. w.

Solche Stimmen wogen mindestens ebenso schwer als jene der Gegner. Dieoben angedeuteten Thatsachen belasteten namentlich den letzten Satz Stahl'S mitvollem Nachdrucke. Die Täuschung, die absichtliche Täuschung des Volks über dieWahrheit erbitterte tiefer als selbst das Princip der Regierung. Eine Aufregungdurchwogte die Massen, welche wol selbst die prcußenfeindlichen Elemente zu offenenDemonstrationen für das erbliche Kaiserthum im Bundesstaate hingerissen habenwürde, wenn nicht die Führer und Leiter mäßigend und beschwichtigend dem ebenzusammentretenden Landtag allein die Führung der nationalen Sache gegen denfeindseligen Sinn des Ministeriums zugewiesen hätten. Die Mitglieder des Land-tags versammelten sich rasch und zahlreich. Vornehmlich die Neichsräthe hatten sicham 15. Jan. schon beinahe vollzählig eingefunden; sie erfuhren, daß Graf Gicch,vom Könige zum ersten Präsidenten ernannt, die ihm zugedachte Ehre bestimmt zu-rückgewiesen habe. Jedermann wußte zugleich, daß darin ein entschiedenes Mis-trauensvotum des selbständigen fränkischen Edelmanns (den freilich die demokratischeFraction zu Frankfurt mit wohlfeilem Witz „altfränkisch" nannte) gegen das Mini-sterium Bray-Beisler lag — in um so edlerer Form gehalten, als Giech von Frank-furt gekommen war, um die formellen Geschäfte des Präsidiums zu leiten, bis derkönigliche Wille sich für einen andern Präsidenten entschieden haben würde. SeineWeigerung war ein schweigsamer, aber harter Schlag für den neuen Kronrath,weil man die streng conservaiiven Ansichten Giech's kannte und seinen Abwcis nochmehr als moralische, denn als politische Misbilligungserklärung deuten mußte. Zu-gleich erfuhr man, daß die unmittelbare Veranlassung dafür eine soeben verfügteUmgestaltung der vom Minister Lerchenfcld vorbereitet hinterlassenen Gesetzentwürfegewesen war. Auch die neue Kammer der Abgeordneten war bereits am 16. Jan.beschlußfähig vertreten. Ganz andere Elemente als die der alten Ständewahlen bil-