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Zehnter Band.
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86 Baiern unter den Übergangsministene» von 1847—49.

beten die Versammlung. Man fand darunter 23 bäuerliche und nur 3 adeligeLandeigenthümer, 14 Handwerksmeister, ebenso viele (meist kleinere) Fabrikanten undKaufleute, 10 Brauer, 6 Wirthe, 4 Lehrer, 3 Privatleute, 13 katholische und 2 lu-therische Geistliche, 13 Staatsdicner (darunter den einzigen activen Minister Bray,die beiden Exminister Lerchenfeld und Abel, den ehemaligen Bundestagsgesandtenvon Obercamp), 6 Advocaten, 2 Journalisten u. s. w. Noch etwa 14 Tage vorherhatten die intimen Blätter höhnend geäußert: die große Masse der „Verfechtergegen Verkürzung.von Sonderinteressen " werde staatsrechtliche nnd höhere staats-wirthschaftliche Interessen gähnend anhören und es fehle ihr der „Hetman" für ihreAbstimmungen. Dagegen vereinte sich die Mehrzahl der am 16. Jan. bei der Ein-weisungscommission Angemeldeten bereits am 17. zu der Erklärung: den , verfas-sungsmäßig vorgeschriebenen Abgeordnetcneid nur unter der ausdrücklichen Überzeu-gung leisten zu wollen, „an der Anerkennung der Gültigkeit der Neichsgesetze, ins-besondere der die Grundrechte betreffenden, hierdurch nicht gehindert zu sein". Au-ßerdem sollte ein Antrag auf sofortige Verkündung der Grundrechte im Gesetz- oderRegierungsblatte den ersten Thätigkeitsact der Kammer bilden. Man wußte aber,daß der König der Verkündung der Grundrechte entschieden entgegen sei, daß Beis-ler auf Vereinbarung bestehe. Niemand fürchtete dessenungeachtet das Wagniß einerAuflösung, weil man zu genau wußte, daß weder Entschlossenheit noch Thatkraftvorhanden war; dagegen betrachtete Jedermann Herrn von Beisler als gewissesOpfer der ersten parlamentarischen Stürme. Diesen Stand der Dinge kannte na-türlich das Ministerium ebenso als das Publicum. Neun volle Tage mußten alsodie Kammern auf die feierliche Eröffnung ihrer Sitzungen warten. Allein anstattden Eifer abzukühlen, hatte dieser lange Zeitraum den Parteien Gelegenheit gegeben,sich schon bei den Constituirungsgeschästen zu sondern, und ihre Kampflust gesteigert.An die Stelle des Grafen Giech hatte der König unterdessen den Freiherr» vonStauffenberg, einen der entschiedensten Aristokraten, zum ersten Präsidenten der Ncichs-räthe ernannt; zum Vicepräsidenten schlug hingegen die Kammer drei vormärzliche Mi-nister vor: von Zu-Rhein, Graf Reigersberg, Graf K. Seinsheim. Andere Wahlenhatten gleichzeitig bewiesen, daß hier die sogenannte Opposition nur vier Mitglieder zäh-len werde. In der Abgeordnetenkammer hatte nun zwar die Centralpartei beider Wahl der Präsidentschaftskandidaten ebenfalls gesiegt, aber man wußte, daß siedazu bestimmter Transackionen mit der Linken bedurft. Baron Lerchenfeld, GrafHegnenberg-Dux, Willich waren aus dem ersten, Ministerialrath Feder, Stockinger,Dr. von Scheuert aus dem zweiten Scrutinium hervorgegangen. Daneben hatte»69 Mitglieder (19. Jan.) dem Ministerium des Innern die oben erwähnte Erklä-rung über ihren vorbehalilichen Verfassungseid überreicht. Der König bestätigte denBaron Zu-Nhein als Vicepräsidenten der ersten, Lerchenfeld als ersten, Hegnenberg-Dux als zweiten Präsidenten der Abgeordnetenkammer. Die erste öffentliche Stadt-gerichtssitzung in Strafsachen (18. Jan.) schien gleichsam als Versicherung für dieDurchführung der Märzverheißungen noch in die Tage vor der Kammereröffnunggelegt worden zu sein; die vermuthete Absichtlichkeit erregte indessen mehr Verstim-mung als Zuversicht. Denn auf solche bereits selbstverständliche Dinge kam es jader Stimmung des gegenwärtigen Moments nicht an. Dagegen hatte Beisler derDeputation, welche ihm die Verwahrung gegen die Eidesleistung überbrachte, denausweichenden Bescheid gegeben: es schiene ihm kein Grund zu einer solchen vorhan-den zu sein, darum müsse er das Aktenstück als ein Mistrauensvotum betrachte»;und einer Deputation des Märzvereins, welche ihn über die Gründe der noch nichterfolgten Publicirung der Grundrechte befragte, hatte er entgegnen ohne Zustimmungder Kammern könne kein Gesetz promulgirt werden, auch nicht die Grundrechte, ohneihn der Gefahr einer Anklage wegen Eigenmächtigkeit auszusetzen. Unterdessen wurdehinwieder von der Regierungspartei verbreitet, die Thronrede werde sicher allenWünschen entsprechen, die Erwartungen Aller übertreffen. Um so gespannter harrteman ihr entgegen. Endlich erfolgte (22. Jan.) die feierliche Landtagseröffnung un-