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Zehnter Band.
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Barern unter den Ubergangsministerien von 1847—4S. 87

ter dem üblichen Gepränge. Allein der Inhalt der Thronrede entsprach selbst denbescheidensten Erwartungen nur in geringem Maße. Vorangestellt war die Hoff-nung, daß das Land auf die Monate seit dem Schlüsse des letzten Landtags mitZufriedenheit zurücksehen dürfe. „Nicht Weniges ist in dem kurzen Zeiträume ge-schehen; die meisten der vereinbarten Gesetze sind ins Leben getreten oder in derAusführung begriffen." Der Verwandlung der Ständeversammlung in eine Volks»Vertretung wurde mit keiner Sylbe gedacht, der Wirksamkeit der neuen Organe desLandes kein Hoffnungswort gewährt. Einer trockenen Aufzählung der Vorlagen folgteder Schluß, welcher, rücksichtlich der deutschen Verfassungsfrage so unbedeutend alsmöglich, in Beziehung auf die allgemeinen Zeitverhältniffe auch für die Zustände desalten Bundestags passend gewesen wäre. „Treu und gewissenhaft", hieß es, „habeich die bei meiner Thronbesteigung ertheilten Verheißungen gehalten und werde siehalte», als konstitutioneller König im Geist und Sinne der Verfassung regierend:diese ist der Grundbau, der Boden, auf dem wir stehen, den wir nicht verlassendürfen. Wahrheit wird die Grundlage meiner Regierung sein und bleiben; Rechtund gesetzmäßige Freiheit soll herrschen im Gebiete des Staats wie der Kirche. DieAnarchie werde ich mit aller Kraft bekämpfe» und zähle dabei auf Ihre Mitwirkung.Alle deutschen Stämme bewegt der Drang nach einer lebenskräftigen, das gesammteDeutschland umfassenden Einigung. Auch mich beseelt dieses Streben, und vereintmit Ihnen hoffe ich dieses schöne Ziel zu erreichen; die nothwendig werdenden neuenGesetze und Verfassungsabänderungen werden an Sie gelangen. Bessern konnte nichtunberührt bleiben von den Stürmen der Zeit; aber auch in diesen gab es rühmendesZeugniß seiner ehrenhaften, biedern, treuen Gesinnung. Möge der Allmächtige auchferner schirmend seine Hand über uns ausstrecken, den König wie das Volk seinenWillen erkennen lassen und den Weg, der allein zu dauerndem Heil und Segen führt."

Die tiefste Enttäuschung war somit der noch einmal aufgetauchten Hoffnungaus offene, rückhaltlose Erklärungen über das Verhältniß zur Centralgewalt wie überdie Anerkennung der Grundrechte gefolgt. Allerwa'rts verlauteten ungünstige Be-urtheilungen des Documents, als dessen Redacteur sogar Herr von Abel bezeich-net wurde. I» der Abgeordnetenkammer sagten sich sofort neun Abgeordnete vomProgramm des Centrums los, um zur Linken zu treten.*) Die Wahlen für dieAdreßcommission ernannten fast lauter Mitglieder der Opposition, auch in allen an-dern Ausschüssen trug die linke Seite des Hauses den entschiedensten Sieg davon.Das Prognostikon für das Ministerium ward immer ungünstiger; aber freilich stiegauch sofort die Frage auf: werden seine Mitglieder nicht dem nackten System desParticularismus und der Reaction angehören?

Am 30. Jan. gelangte die Abgeordnetenkammer zu ihrer ersten Sitzung. Un-terdessen waren die Erklärungen der preußischen Regierung vom 20. Jan. bekannt

*) Zm Centralprogramm, welches 76 Unterschriften (15 — 20 linkes Centrum, Führer:Meyer aus Ansbach; 31 rechtes Centrum, Führer: Lerchcnfcld), also die absolute Mehrheit derKammer hatte, hieß es betreffs des Verhältnisses zur Nationalversammlung und Centralgewalt:„Wir erachten als unsere Pflicht die-Bethätigung des entschiedensten Anschlusses an die deutscheNationalversammlung und deren von der Centralgewalt bereits publicirten Beschlüsse; wir ver-langen, daß unsere Staatsregicrung, den von der Versammlung in Frankfurt selbst angebahn-ten Weg der Verständigung einschlagend, die rasche Vollendung einer Deutschlands Einheit undStärke fest begründenden Reichsverfassung kräftig unterstütze und auf Grund derselben, unterMitwirkung der Kammern, die bairische Berfaffungsurkunde einer Revision unterstelle." DasProgramm der Linken, von 56 Mitgliedern unterzeichnet, verwarf die Vereinbarung und foderteunbedingte Unterwerfung unter die Beschlüsse der Nationalversammlung. Eine Rechte eristirtedamals noch gar nicht, und selbst als ihr Programm am Schlüsse des Monats erschien, schloßes sich in der deutschen Verfassungsfrage der Vereinbarungsthcorie des Centrums an, hielt sichaber in der specifisch bairischcn Frage „ constitutionell-monarchisch und konservativ-liberal",foderte selbst „Festhalten an den Märzcrrungenschaften, Bekämpfung jeder Reaction ", u. s. wAppellationsrath !>,. Hopf war der nominelle Führer; von Abel, von Obercamp, Graf Laroste,Oberst Kratzeisen, Schlossermeister Widemann und sonstige Gewerbmeister bildeten das geringeHäuflein von 23 Mann.