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Zehnter Band.
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Baiern unter den Übergangsministerien von 1847—49.

Region in dieser wie in allen „brennenden" politischen Fragen; man wußte, daßselbst der Staatsrath noch zu keinem feste» Entschlüsse gelangt sei. „Ich werde michnicht mediatisiren lassen", hatte zwar vor sechs Monaten der König geäußert; aberman war doch überzeugt, daß der König es nicht auf das Äußerste ankommen,daß selbst die erklärungsfertigen Minister nach Vertragungen mit der Kammer suchenwürden, da voraussichtlich durch eine Auflösung und Neuwahl die Verstärkung derLinken bevorstand. Man begnügte sich also vorläufig mit der Vertheilung der litho-graphirten Erklärung und überließ die Entscheidung der Adreßdebatte.

Unterdessen waren jedoch die Gegner des nationalen und liberalen Elements inund außer der Abgeordnetenkammer gleichfalls allcrwärts thätig. Die ultramontanenBlätter eiferten in maßlosem Ingrimm gegen die „Grundverderbungsrechte" und ihreVertheidiger. Die pfälzischen Abgeordneten, welche als eigentlicher 8piritus regsusder Opposition galten, wurden von Verdächtigungen und Aufreizungen der gemein-sten Art verfolgt, ja sogar den nächtlichen Vandalisnius ungezogener Buben gegeneine Statue (Kreitmayer's auf dem Promenadeplatz) gaben kleine Schmuzblättlcinihnen schuld. Über die Privatverhältnisse anderer Mitglieder der Opposition wurdenin ähnlichen Organen die gräulichsten Dinge erzählt, während die ofsiciöse Pressesich vorzugsweise an die Gewerbmeister wendete, um den gänzlichen Ruin ihrer Ge-schäfte durch das Jnslebentreten der Grundrechte zu beweisen. Mit einer bisherunerhörten Geschäftigkeit betrieben ferner die sogenannten Conservativen aller OrtenAdressen gegen die Grundrechte; und die officielle „Neue Münchener Zeitung" regi-striere dieselben gewissenhaft numerirt in ihren Spalten, während die gleichzeitigenAdressen gegentheiligen Sinnes, sowie eine lange Reihe nachfolgender Gegenerklärun-gen wider die grundrechtsfeindlichen Kundgebungen unerwähnt blieben. Ja ihreNaivetät ging selbst bis zur Behauptung des Satzes, daß die Grundrechte in Baiernnicht eingeführt werden könnten, „solange nur noch eine einzige Gemeinde des Lan-des sich dagegen erkläre". Trotzdem gingen in der Adreßcommission der Abgeordne-tenkammer die Ansichten über den Passus betreffs der Grundrechte nur formell, nichtmateriell auseinander. Dieser „Hartnäckigkeit" gegenüber steigerten sich die Wuth-ausbrüche der intimen und ultramontanen Organe, vermehrten sich die Agitationender Vertreter beider Richtungen im Publicum. Plötzlich trat Schweigen ein. DieHerren Reichsräthe hatten in geheimer Sitzung eilends ihre Antwvrtsadresse auf dieThronrede berathen, und die gegengrundrechtlichen Fraktionell glaubten sich der em-phatischen Beistimmung dieser Bevorrechteten so gänzlich sicher, daß sie den Athemfür einen Augenblick einhielten, um nachher in desto lauteres Triumphgeschrei aus-zubrechen. Am 1. Febr. wurde die Adresse dem Könige überreicht, über welchedie Standesherren die Amtsverschwiegenheit mit gewohnter Gewissenhaftigkeit be-wahrt hatten. Doch welche Überraschung! Nachdem die Adresse für die künftigedeutsche Verfassung den Wunsch ausgesprochen, daß sie „unter dem Ausschluß allerSonderinteresscn die mit der Einheit und Kraft des Ganzen vereinbarliche, durchden deutschen Nationalcharakter gebotene Selbständigkeit der Einzelstaaten bewahre",hieß es bezüglich der Einführung der Reichsverfassung: „Wir überlassen uns derfreudigen Hoffnung, daß das große Werk bald gelingen werde, und erwarten diehierauf bezüglichen Eröffnungen der Krone und die deshalb angekündigten Gesetzeund Vcrfassungsabänderungen, insbesondere jene hinsichtlich der Grundrechte, um in-nerhalb unsers Wirkungskreise- auf dem verfassungsmäßigem Wege an dieser Lebens-frage aller Deutschen theilzunehmen." Das war keine Protcstation, wie sie vonden Gegnern der Centralgewalt mit größter Zuversicht erwartet wurde, da ja diestandeshcrrlichen Privilegien den in Kraft tretenden Grundrechten unterliegen muß-ten. Während jetzt die particularistischm Parteien die Rcichsräthe der Zaghaftigkeitbeschuldigten, ward denselben von den Progressiven ihrer Selbstverleugnung wegen ge-dankt. Unterdessen war jedoch auch der Adreßentwurf vertheilt worden, wie er aus derCommission der Abgeordnetenkammer hervorgegangen. Namentlich auf die diplomatischeUnbestimmtheit, womit die Thronrede die deutsche Frage umgangen hatte, gab dieser