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Zehnter Band.
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Barern unter den Überganqsministerien von 1847—49.

than" habe; theils damit den neueintretenden Ministern die Möglichkeit werde, „diedem Landtag vorzulegenden Gesehentwürse vorzubereiten"; theils ferner „weil Se.Majestät diejenigen Mitglieder dieser hohen Versammlung, welche zugleich Mitgliederder Nationalversammlung in Frankfurt sind, bei den in Aussicht stehenden, fürBaiern höchst wichtigen Beschlüssen ihrer dortigen Wirksamkeit nicht entziehen wol-len; theils endlich weil die Frage über das Verhalten Baierns zur Neichsgewaltsich weit klarer wird beurtheilen lassen, wenn diese Beschlüsse, die in nächster Zu-kunft in Frankfurt in Aussicht stehen, gefaßt sind". Für jetzt werde dagegen derLandtag noch eine kurze Zeit beisammen bleiben, „weil derselbe noch einen Gesetz-vorschlag über die Matricularbeitrage zur Reichsgewalt, namentlich zur deutschenFlotte, in Berathung und Beschlußfassung zu bringen haben wird". Allein zweiTage nach dieser Erklärung cursirte auch bereits das Gerücht, daß die angekündigteVertagung wieder zurückgenommen werden solle. Freilich, unterdessen hatte der Kö-nig von Preußen die Thronrede vom 26. Fcbr. gesprochen und damit die Hoffnun-gen der Verfechter des deutschen Bundesstaats von neuem aufgerichtet. Zugleichwar das der bairischen Politik in der deutschen Verfassungsfrage durch seine reser-virende Diplomatik so hülfreiche sächsische Ministerium Braun - Pfordten endlich(24. Febr.), nach mehrmaligen Versuchen, sich zu halten, vor dem Andrängen derradicalen Demokraten nach Publication der Grundrechte gewichen und von einemKronrath gefolgt worden, welcher in seinem Programm die Erfüllung dieser Foderungzugesagt hatte. An eine Erhaltung des Ministeriums Beisler konnte also jetzt wiederweniger gedacht werden, und es mochte allerdings bedenklich erscheinen, während derVorgänge in Frankfurt alle Verantwortlichkeit dem nur verwesenden Kronrathe auf-zubürden, um nachher den wieder einberufenen Landtag mit vollendeten Thatsachenzu empfangen, zu denen er vielleicht Amen sagte, gegen die er aber möglicherweiseauch energisch Protestiren konnte.

Die Vorlegung des Gesetzes über die Matricularbeiträge vor der Vertagungkonnte dagegen möglicherweise der separatistischen Politik neue Freunde gewinnen.Der Vorschlag war nämlich dahin gerichtet, Baierns Antheil an den Kosten derdeutschen Flotte sowie an sämmtlichen Matricularbeiträgen durch eine Erhöhung derdirekten 'Steuern aufzubringen. Er war also ganz geeignet, die Steuerpflichtigen ge-gen die Nationalversammlung und die bairische Linke zu stimmen; und die ultra-montanen Blätter versicherten ja überdies, daß das Landvolk blos ,des Rufs harre,um die „republikanische Kammer" mit Gewalt zu vertreiben. Übrigens stammteselbst dieser (anscheinend wohlberechnctc) Gesetzentwurf nicht etwa aus den letztenWochen: er erschien vielmehr der jetzigen Rathlosigkeit nur als glückliches Residuumfrüherer Zeit im gelegenen Moment. Lange vor Eröffnung des Landtags, noch un-ter dem vorigen Ministerium, zufolge einem dem Reichsministerium gegebenen Ver-sprechen für baldigste Flüssigmachung der betreffenden Gelder ausgearbeitet, hatte ihndie Scheu vor Annäherung jedes mit einem neuen Deutschland in Verbindung ste-henden Gegenstandes unerledigt im Cabinet gelassen. Über den nachfolgenden Adreß-stürmen und Cabinetsschwankungen war er vergessen worden, bis die Angelegenheitvom Reichsministerium abermals in Erinnerung gebracht wurde. Nun zog manihn hervor und verkündete ihn gleichzeitig mit der Vertagung. Aber freilich hakteman ganz andere Folgen als die wirklich eintretenden erwartet. Während schon inden öffentlichen Sitzungen seit der Vorverkündung der Vertagung die Minister mitden unangenehmsten Interpellationen geplagt, während sogar bei den Reichsräthender Antrag gestellt wurde, daß die ministeriellen Vollzugsinstructionen aller neuenGesetze den Kammern vorgelegt würden (weil durch solche die Bestimmungen desvom letzten Landtag herrührenden Zagdgesetzes geradezu in ihr Gegentheil verkehrtworden waren), während die allgemeine Währung wegen der noch nicht geendetenMinisterkrists immer höher stieg, während die dadurch herbeigeführte Hemmung deLallgemeinen Geschäftsganges alle innern Angelegenheiten immer chaotischer durchein-Die Gegenwart. X. 7