Band 
Zehnter Band.
Seite
100
JPEG-Download
 

100 Barern unter den Übergangsministerien von 1847 — 49.

Unentschlossenheit vor der Ernennung von Männern zurück, deren Abel'sche Präce-dentien ihrer Wahl einen entschiedenen Charakter aufgeprägt haben würden. Manfragte endlich bei dem augsburger Regierungsdirector von Förster a». Dieser zö-gerte mit der Annahme, und im Momente der Vertagung standen die Dinge fol-gendermaßen : Gras Bray, der Minister des Äußern, Handels und königlichen Hau-ses, sowie der Kriegsminister von Lesuire blieben auf ihren Posten; Beisler wurdevon neuem „Ministerverweser" des Innern und des Cultus; Kleinschrod befand sichauf dem Wege nach München, um die Justiz zu übernehmen. Zugleich verlauteteder Plan, das Cultusministerium wieder selbständig herzustellen. Erst mehre Tagenach der Kammervcrtagung erklärte sich indessen Herr von Förster für die Übernahmedes Ministeriums des Innern, und damit ward Gelegenheit gegeben, Ningelmannmit dem Portefeuille des Cultus für das verlorene der Justiz zu entschädigen. Un-terdessen hatte jedoch das östreichische Ministerium Schwarzcnberg den kremsierer Reichs-tag aufgelöst und die Verfassung vom 4. März proclamirt. An die Stelle der Be-rufung auf die Verpflichtungen des Kaisers gegen Deutschland und Ostreich (Note vom4. Febr.) hatte es in einer neuen Erklärung an die Centralgewalt (9. März) ge-sagt: „Östreich, auf sein eigenes Recht und Verfassung gestellt, kann seine deutschenProvinzen nicht aus dem innigen Verbände reißen, der die Monarchie zur Einheitgestaltet; wenn Deutschland dieses Bedürfniß nicht anerkennt, wird die k. k. Regie-rung es beklagen, aber deshalb ihre Lebensbedingung nicht aufgeben." Wer konntedamals wissen, daß Ostreichs Ministerium diese Lebensbedingung, diese Verfassungniemals einführen, nach kurzer Zeit für unbrauchbar erklären lassen werde? Nein,es sah aus, als wolle es nun Deutschland vergewaltige», wie man es früher vonPreußen geglaubt hatte. Dagegen sträubte sich die bedrohte Souveränetät. Preu-ßen dagegen schien durch seine neuen Erklärungen dem Bestehen dieser Souveräne-tät bessere Garantien zu bieten. Zugleich deutete das frankfurter Horoskop im-mer unzweifelhafter auf eine für Preußen günstige Entscheidung der Oberhauptsfrage,und mögMherweise konnte abermals eine neue Politik der Mittclstaatcn nöthig wer-den. „Unter diesen Verhältnissen machte sich das Bedürfniß geltend, einen Ministerdes Äußern aufzustellen, welcher keine bindenden Antecedcntien hatte. Graf Lerchen-fcld-Köfering, früher Gesandter in Berlin, seit Closen's Rücktritt Bevollmächtigterbei der Centralgewalt, erschien bei den eben auftauchenden Stimmungen in denHofkreisen als geeignet. Zugleich befand sich der sächsische Exminister von der Pford-ten in München, wie man behauptete, um sich persönlich für das Vertrauen zu be-danken, womit man ihm während der verflossenen Ministerkrisis zwei mal das Porte-feuille des Innern angetragen habe, und um seine Bereitwilligkeit zum Rücktritt inden bairischen Staatsdienst zu erklären. Indessen erschien von der Pfordten, dereben in Sachsen seinen Ministerpostcn niedergelegt, vor der Hand doch nicht zumEintritt in den bairischen Kronrath geeignet, und so blieb wieder Graf Bray. SelbstHerr von Herrmann, welchem man bei seiner Rückkehr von Wien in München einenÄugcnblick das Portefeuille des Handels zugedacht, mußte als Reichscommissar undköniglich bairischer Ministerialrath die Weiterreise nach Frankfurt fortsetzen.

Das Aufarbeitungßministerium.

Niemand ahnte damals, daß dieses Ministerium schon einige Elemente desjeni-gen Kronraths enthalten könnte, welcher vom Mai 1849 an Baiern jahrelang zuregieren haben würde. Von Herrn von Förster wußte man nur, daß er ein äußerstfleißiger Actenarbeiter sei. Herr von Kleinschrod war nur in engern Kreisen alstüchtiger Justizbeamter wie als Richter durch dje Unbestechlichkeit seines Urtheilshochgeachtet, sowie durch die Strenge seiner Entscheidungsgründe und als eifrigerVertheidiger der Todesstrafe (welche indessen auch an Heintz ihren Fürsprecher ge-funden hatte) bekannt. Herr Ringelmann, ehemals Professor in Würzburg, nachherfortwährend Mitglied der Gesehgebungscommission, galt für einen Mann ohne poli-tische Änschauung, doch gelehrt, tüchtig im Arbeiten, bemüht im Staatsdienst cm-