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Baiern unter den Übergangsministerien von 1847—49.
vorzukommen. Derselbe war indessen von vornherein den Ullramontanen ein Dornim Auge, weil sie behaupteten, noch sein Vater habe dem Judenthume angehört, unddie Ernennung eines, wenn auch gelausten Judenkindes zum Cultusminister sei un-ter allen Umstände» ein Affront und eine Gefahr für den christlichen Staat. Sol-chen, Geschrei gegenüber fand Ringclmann einen um so schwerern Stand, als Herrnvon Beisler's ministerielles Testament, die Unterzeichnung des Ncactivirungsdecretsfür die Professoren von Lassaulx und Phillips, die „Partei" wieder einigermaßenmit dem abtretenden Kronrathe versöhnt hatte.
Indessen konnte bei diesem Ministerium von einem im Allgemeinen politischschwierigern oder leichtern Standpunkte, namentlich in der ersten Zeit, kaum eineRede sein. Seine Mitglieder selbst mochten sich kaum einen andern Beruf als dendes Aufarbeitens der in letzter Zeit liegen gebliebenen laufenden Geschäfte und kaumden der definitiven Vorbereitung jener Gesetzentwürfe zuschreiben, welche die Thron-rede verheißen und der Kronrath den Kammern nicht vorgelegt hatte. Für keckeParteien war dagegen mit einer derartigen Verwescrschaft, welche trotzdem die Mög-lichkeit definitiver Einrichtungen bot, ein willkommenes Feld eröffnet. Mit einerPckulanz, welche selbst die Pessimisten nicht für möglich gehalten hatten, traten so-fort die Machinationen der Ultramonkancn im Bunde mit dem rcactionaren Parti-cularismus in den Vordergrund. Die Reactivirung der Herren von Lassaulx undPhillips ward von ihnen keineswegs als persönlicher Aussöhnungsversuch Beisler's, aufgefaßt; sondern sie glaubten darin vielmehr eine Geneigtheit in den oberstenRegionen für Wiederherstellung der alten Regierungsprincipe zu entdecken. Diesum so mehr, als neben Herrn von Abcl jetzt auch Jarcke und Professor Bluntschliein gewichtiges Wort in Nymphenburg sprechen mochten, der einzige Unterschiedzwischen Sonst und Jetzt aber darin zu bestehen schien, daß ehemals die unverant-wortlichen Cabinetssecrctäre als Kronrath wirkten, während nun die verantwortli-chen Minister als Secretäre eines unverantwortlichen Cabinets amtircn sollten. Ent-schiedener müsse auf dem angebahnten Wege vorgeschritten werden, riefen ihre Or-gane alltäglich; nur dann könne Baiern seine Souveränetät retten und die gebüh-rende Stellung im neuen Deutschland einnehmen, wenn es sich energisch an dieSpitze des Katholicismus stelle. Während das eigentliche Publicum, überrascht undverblüfft von diesem plötzlichen Verbrechen, noch schweigend staunte, scharte sich inbeispielloser Bereitwilligkeit die Schar der Privilcgirten und Beamtenwclt um dasneu aufrauschende Banner. Mit einer merkwürdigen Anmaßung behandelten dieseIrenen Genossen plötzlich alle Progressiven, alle Freunde deutscher Einheit und vollendsdie Vertreter einer bundesstaatlichen Gestaltung als Vaterlandsverräther, geheimeRepublikaner, verkappte Revolutionärs u. s. w. Der „Verein für religiöse Frei-heit und constitutionclle Monarchie", in seinem Wesen das Widcrspicl seines Na-mens, machte sich zum Hauptorgane dieser Richtung. Präsidirt war er von einemfanatischen Priester; an der Vorstandstafel saßen weiter Graf Arco-Valley undHerr von Hörman», der ehemalige Inquisitor in den Tendcnzprocessen unter demersten Ministerium des Fürsten L. von Ottingcn-Wallcrstein. Fast keine Sitzungverging ohne einen Aufruf an den „katholischen Geist" der altbairischen Bevölke-rung. Die Reden vor dem meist von, Klcinbürgcrthum gebildete» Auditorium er-gingen sich in schreienden Schilderungen der Gefahren für den Katholicismus unddas Gewerbelcben, welche von jeder organischen Gestaltung einer deutschen Einheit,nanienklich aber von den Grundrechten kämen. Der Liberalismus jeder Richtungwurde mit communistischen Tendenzen identificirt, und der Monitcur dieser Partei,der in 6 — 8000 Exemplaren großentheils gratis im Lande vertheilte „Volksbote"bezeichnete z. B. einen gegen einen katholische» Priester (Schwarz in München) ver-übten Raubmord geradezu als „Folge der liberalen Demonstrationen". Um aberdoch nicht durchaus vom crassestcn Ingrimm gegen jede Zcitcrschcinung beherrscht zuscheinen, wurde Ostreichs Verhalten in der deutschen Frage, namentlich der Schwar-zenberg'sche Vorschlag zur Vernichtung des Volkshauses im zukünftigen Parlamente,