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Zehnter Band.
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Baiern unter den Übergangsministerien von 1847—49. 103

suchen wollte, kam es zu Thätlichkeiten. In Würzburg aber hatte schon früher daßgesammte Gremium der akademischen Lehrer gegen Phillips' Wiederansiellung remon-stritt, und jetzt mußte man ihn trotz abermaliger Proteste dennoch dulden. So kames auch in diesen Schichten der Bevölkerung nicht zur Ruhe, zu keinerlei Frieden.

Wie wenig mau in den Umgebungen des Hofs den eigentlichen Charakter dergesammte» Aufregung zu würdigen verstand, erhellte am deutlichsten daraus, daßman ihn, soldatische Drohungen entgegenstellte und sich mit Truppendetachemcntsgegen allerlei Handstreiche schützen zu müssen meinte. Fortwährend durchzogen nochstarke Reiterpatrouillen die nächtlich stillen Straßen Münchens; in Nürnberg wurdenGeschütze in den Thorthürmen aufgestellt; in Augsburg, Bamberg u. s. w. war manfortwährend gerüstet, als harre die Erneute ihres Losbruchsignals. Im Gegensatzdazu blieb jedoch einer zügellosen Presse freier Lauf; Unordnungen auf dem Landeließ man gewähren, solange sie nicht in Forstfrevel übergingen. Und um die derBelehrung Zugänglichen mit der sogenannten deutschen Ministerialpolitik auszusöh-nen, deducirte die „Neue Münchener Zeitung", das von Ostreich zugestandene Skaa-tenhaus mit berathender Stimme sei ein vollkommenes Neichsparlamenk. Östreichselbst dagegen flocht seine Verbindungen wieder enger mit Baiern. In der Persondes Grafen Thun-Hohenheim war sofort nach Octroyirung der Märzverfassung einneuer Gesandter nach München gekommen. Gleichzeitig suchte bairischerseits GrafMontgelas das Cabinet von Hannover für die bairisch-östreichischen Plane zu gewin-nen. Graf Bray, der Minister des Äußern, lud zu den Gesellschaften der deutschenDiplomaten am regelmäßigsten den russischen Gesandten, Herrn von Sevcrin. Of-fenbar gingen alle Bemühungen dahin, die deutsche Frage wenigstens im engernKreise vorläufig als europäische zu präjudiciren, um in jedem Falle die Möglichkeiteiner Berufung auf ihre pentarchische Entscheidung offen zu erhalten. Als aber diesteifen Deduktionen der „Neuen Münchener Zeitung" weder Leser noch Gläubigefanden, glaubte man endlich zu peremtorischen Kundgebungen des gvuvernemcntalenWillens übergehen oder wenigstens darauf vorbereiten zu müssen. Man wählte, wiefrüher, die „Allgemeine Zeitung" (Nr. 84) zum Herold. Ein halbamtlicher 'Artikelbenutzte die Gelegenheit einer Adresse mit 600 Unterschriften aus Germersheim ge-gen die Grundrechte, um von „der drohenden Sprache und der entschiedenen Hal-tung" zu sprechen, welche sich in den „Adressen gegen das Verfahren der Linkenaus allen Theilen des Landes, jetzt selbst aus Städten der Rheinpfalz" kundgebe.Würden die Liberalen in der bisherigen Weise fortfahren, drohte der Artikel, sokönne eine Contrerevolution nicht ausbleiben, und wer sie hervorgerufen, möge auchderen Folgen tragen. Einem solchen Unglück müsse die Krone vorbeugen. Consti-tutionell regieren, heiße mit der Kammermehrheit regieren; ein Ministerium der Mehr-heit der Volkskammer werde nie die Majorität der Reichsräthe für sich haben, da-gegen besitze diese ein Ministerium der Bureaukratie, wie es jetzt an der Spitze desLandes stehe. Dieses werde für jetzt von einer Einführung der Grundrechte, soweitsie vom Wille» der Krone abhängig, gänzlich absehen; ebenso könne unter den jetzi-gen Verhältnissen an eine Erfüllung der Märzverheißungen nicht mehr gedacht werden.

Daß ein solches Manifest gerade im gegenwärtigen Momente aufs höchste über-raschen und die weitesten Kreise erbittern mußte, braucht kaum erwähnt zu werden.Man glaubte darin mit Bestimmtheit den Vorläufer einer Auflösung der Kammernund Octroyirung eines Wahlgesetzes zu erblicken. Wirklich schienen auch solche Planein der obersten Region sehr lebhaft in Anregung gebracht und ihrer Ausführungnahe gewesen zu sein, als die Hiobspost von den Parlamentsbeschlüssen über dieKaiserwahl und die frohe Botschaft vom entscheidenden Siege Östreichs bei Nvvaraan ein und demselben Tage herangcstürmt kamen. Eine so rasche, so gründlicheEntscheidung der Dinge in Frankfurt und Italien hatte außer den Berechnungengelegen. Ostreich schien durch diesen Waffenerfolg mit einem Schlage dahin gekom-men, bairischer Vorarbeit und Bedingung bei Verfolgung seiner deutschen Planeentbehren zu können; Frankfurt hatte sich von den Hinderungen und Einreden