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Zehnter Band.
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Baiern unter den Übergangsministerien von 1847—40.

glaubten, auf solche Weise das legitime Princip und die absolute Kraft des Monar-chismus zu erschüttern. Inwieweit jedoch solche Kundgebungen selbständig oder ein-gegeben waren, ließ sich damals nicht erkennen; man behauptete, sie seien ein Echoder militärischen Hofkreise. In den streng particularistischen Kreisen dagegen warfman sich vorzugsweise auf die numerischen Abstimmungsergebnisse im Parlament,um zu erweisen, daß der König von Preußen seiner monarchischen Ehre zunahe-tretcn würde, wenn er eine von Frankfurt gebotene Krone annehme, eine Krone,die ihm nun angeboten werde, nachdem die Nationalversammlung vor kaum 14 Ta-ge» den für Preußen ehrenvoller» Wclcker'schcn Antrag abgelehnt habe und jetztblos aus Furcht vor ihrem Bankrott factikch dahin zurückgekehrt sei. Die Ultra-montancn endlich verkündeten die preußische Kaiserwahl als den vernichtenden Siegdes Protestantismus über den Katholicismus, als die Vergewaltigung Süddcutsch-lands durch den Norden. Im Königreich selbst suchten sie den confessionellen Ha-der dadurch neuerdings anzufachen, daß sie darauf hinwiesen, wie von den bairischenParlamcntsabgeordneten die Mehrzahl der protestantischen für den König von Preu-ßen, die Mehrzahl der katholischen aber gegen die Kaiserwahl überhaupt gestimmt habe.

Alle solche und ähnliche Äußerungen, ob sie auch Wahres mit Falschem misch-ten, reichten doch nicht im entferntesten an die Maßlosigkeiten der Wuthausbrüche,welche die osficielle „Neue Münchener Zeitung" am 1. April in einer außerordent-lichen Beilage, also gleichsam als officiclles Programm darbot. „Es versteht sichganz von selbst", hieß es darin, „daß Baiern eine Verfassung nicht anerkennenwird, durch welche es aus dem Centrum Deutschlands zu einer Grenzprovinz Klein-deutschlands gestempelt wird; es versteht sich von selbst, daß Baiern auch eine Wahlnicht anerkennen wird, durch welche über Baiern wie über eine eroberte Provinzverfügt, sein altes, freies, den Hohenzollern nicht unterthäniges Könighaus zu erb-lichen Vasallen eines erblichen preußischen Obcrhcrrn herabgewürdigt, die bairischenVölker zur Erniedrigung unter die preußischen Stämme verdammt und ganz Süd-deutschland zerrissen und dem nordischen Einflüsse erblich unterworfen werden soll."Noch sei Baierns Aufgabe die Vermittelung. „Damit dieselbe wirksam sei, darfvon Anfang an kein Zweifel darüber sein, daß Baiern, sowie es dem östreichischenCabinet gegenüber die Nothwendigkeit und das Recht einer Volksvertretung nebendem Staatenhause zu vertreten berufen ist*), die neuesten Beschlüsse der frankfurterVersammlung in keiner Beziehung als gültig ansehe." Aber mit dieser Annahmeder Principien der äußersten Demokratie, welche bekanntlich ebenfalls nur die ihrgefälligen Beschlüsse der Nationalversammlung anerkannte und deren Verhalten bei derReichsverweserwahl den nunmehrigen Deduktionen des bairischen StaatSanzeigers zumVorbild gedient zu haben schienen, begnügte sich das Hofblatt keineswegs. Es sagtevielmehr weiter: „Völker, Fürsten und Regierungen kommen nun ans Sprechen...Die wichtigen Fragen, welche nun entschieden werden, müssen, wenn es noththut, mitdem Schwert entschieden werden." Die Erinnerung an Heinrich den Löwen, dessenEntthronung dem Hause Wittelsbach den bairischen Herzogstuhl verschaffte, warntetrotzdem vor der Erneuung des Kampfes der Welsen und Ghibcllinen. „Die Be-schlüsse Frankfurts", hieß es weiter, „sind ein Hohn gegen die Freiheit; soviel istgewiß, wer jetzt noch von einer unbedingten Unterwerfung unter die frankfurter Be-schlüsse sprechen kann, ist entweder unzurechnungsfähig, oder er handelt gegen daseigene Land in einer Weise, für welche die Qualifikation nicht schwer zu finden seindürfte." Alle Freiheit beruhe aus der Theilnahme (wessen?) an Staats- und Re-gierungsgcwalten; der neue Kaiser aber regiere „absolut". Endlich — um keinenStand von der Haßerregung unberührt zu lassen — beklagt die osficielle Zeitungnoch tief, daß nunmehr auch preußische Reichsmilitärinspectoren nach Baiern kom-men würden.

*) Kaum acht Tage vorher hatte dieselbe Zeitung erörtert, daß das östreichische Staaten-haus eine wirkliche Nationalvcrtretung sei, jetzt machte man eiligst die neue Schwenkung aufdie Seite des liberalen Constitutionalismus.