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Baiern unter den Übergangsministerien von 1847— 49.
Doch sprach nicht blos das wenig verbreitete Hofblatt in diesem Sinne. Eswar bekannt, daß noch in den letzten Tagen mehre andere Organe eigens für denZweck der Agitation gegen Preußen gewonnen worden waren. Die „fliegendenBuchhändler", deren schon vorbereitetes Verbot ebenfalls vor der Ankunft der frank-furter Beschlüsse vertagt schien, durften ungestört die giftigsten, lügenhaftesten, ge-meinsten Pamphlete auf die Person des Königs von Preuße» an den Straßeneckenausbieten und in den öffentlichen Localen colportiern. Der „Volksbote" appellirtegeradezu an die Gewalt der Waffen, an die Furie des Bürgerkriegs. „Im bairi-schen Volke lebt noch die alte Kraft, die ihr verachtet, weil ihr sie nicht kennt; derbairische Löwe ist heute noch so furchtbar wie vor Alters, und ihr 290 Kaisermacherwerdet ihn nimmer zähmen." Dazu versicherten Männer, die sich genauen Wissensrühmten und es nach ihrer Stellung haben konnten: der König habe erklärt, nimmer-mehr werde er den König von Preußen als deutschen Kaiser anerkennen, niemalsein „preußischer Präfect" werden, sondern sich eher an die Spitze des bairischcnHeeres und Volks stellen. Und gleichzeitig ging die Sage, bereits am 2. April seiin einer großen Staatsrathssitzung eine förmliche Protestakion Baierns gegen dieKaiserwahl genehmigt, dann an alle deutschen und auswärtigen Höfe versandt wor-den. Natürlich glaubte man dies um so eher, als der ofsicielle Artikel der „NeuenMünchener Zeitung" auf einen solche» Schritt vorbereitet hakte und die Übersendungdes königlichen Hausordens vom heiligen Hubertus an Radetzky als ein Zeichen auf-gefaßt wurde, auf welche Kräfte man zur nachdrücklichen Durchführung des Prote-stes sich zu verlassen gedenke.
Da erfolgte die Antwort des Königs von Preußen an die Deputation der Na-tionalversammlung und langte die Circularnote der preußischen Regierung an, welchedie Erklärungen der einzelnen Staaten über die Reichsverfassung und die Wahl ein-foderte. In den staatsmächkigen Kreisen war mau außerordentlich befriedigt. Diepreußische Wendung legte ja die ganze nationale Angelegenheit aus den Händen derNationalversammlung in die der Diplomatie, und die bairische ward überdies vongroßen augenblicklichen Verlegenheilen befreit. Die Verhinderung jenes königlichenManifestes an das bairische Volk, welches im Werke gewesen, konnte nunmehr vomMinisterium dem Staatsoberhaupte gegenüber als ein wesentlicher Dienst bezeichnetwerden. Die bereits fertige bairische Protestnote gegen die Verfassung, den Erb-kaiscr und namentlich ein hohenzollernsches Kaiserthum ließ sich mit einigen Redac-tionsänderungen in die abverlangte Erklärung umformen, und wurde es auch. DemAndringen des östreichischen Cabinets, daß auch Baiern seine Abgeordneten aus derNationalversammlung abberufe, ließ sich entgegnen, daß dies vor der Hand ein we-der nöthiger noch weiser Eclat sein würde, ohne daß man doch damit in principiellenZwiespalt mit der olmützer Diplomatie zu gerathen und ohne baß man die Hoffnungauf spätere Willfährigkeit auch in diesem Punkte abzuschneiden brauchte. Alle dieseHinhaltungen und Zögcrungcn wurden aber für Baiern noch um so wichtiger, alsdas preußische Ministerium in der That für den Augenblick nicht einmal eifrigeWünsche für den Beitritt der Mitteikönigreiche zu hegen schien, während die östrei-chischen und russischen Vertreter an deren Höfen zu einer gemeinsamen Entwickelungihrer Politik rathen mochten, und für Baiern, als den größten dieser Staaten,hierbei neue Hoffnungen zu winken schienen. Diese Hoffnungen wurden vorzüg-lich noch durch eine Agitation der bairischen Abgeordneten in Frankfurt unterstützt.Wenn Preußen ablehne, sagten sie, sei der Moment für Baiern, das katholische,gekommen. Es müsse dann im Handumwenden die Neichsverfassung anerkenne».Der Zorn über die preußische Ablehnung werde ihm die Reichskrone zuwerfen;Westfalen und das Rheinland würden sofort dem Reiche zutreten; Preußen würdedadurch in den Nordosten zurückgeschleudert. Chimärisch war der Plan allerdings.Aber was erschien denn in jener Zeit unmöglich? Gab man auch den Parlaments-abgeordneten, welche in dieser Angelegenheit anfragend nach München kamen, keinenbestimmten Entscheid, konnte man doch jedenfalls eine Weile hinwartcn, und, wenn