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Zehnter Band.
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Baiern unter den Übergangsministerien von 1847— 49.

das Glück günstig war, mochten sich überschwängliche Hoffnungen über Nacht er-füllen, ohne daß irgendwie und irgendwo Verdacht und Gefahren einer Usurpationberechtigt hervortreten konnten. Inwieweit nun das damalige bairische Ministeriummit diesen Ideen befreundet war, oder ob neue Einflüsse aus den obersten Willenwirkten, sodaß das Ministerium wenigstens den Gang solcher Dinge nicht hindernzu müssen meinte — dies Alles läßt sich heute noch nicht feststellen. Wenn manauch in die Archive des bairische» Ministeriums des Äußern dringen könnte, würdensich vielleicht wenig aufklärende Documente vorfinden. Nur beiläufig mag bemerktsein, daß eben um jene Zeit von der Pfordten aus der Diplomatenlvge der Pauls-kirche nach München oder vielmehr nach Nymphenburg zurückgekehrt war und dortso regelmäßig zu den intimsten Berathungen gezogen wurde, daß das Gerücht anVerbreitung und Sicherheit zunahm, er sei zum Nachfolger des Grafen Bray be-stimmt, welcher, die factische Beseitigung seines Raths und die Umgehung der Beam-ten seines Ressorts bei den Verhandlungen mit Olmütz erkennend, bereits zwei malsein Entlassungsgesuch eingereicht hatte.

Noch geschah allerdings dieser Schritt nicht ; aber die Vorzeichen dafür mehrtensich. Vorerst ward Graf Lerchenfeld-Köfcring nicht zurück nach Frankfurt, sondernzu den Berliner Conferenzen gesendet. Die Stelle eines bairische» Bevollmächtigtenbei der Centralgewalt blieb unbesetzt, obschvn die östreichische Note (vom 5. April)die Fortführung der Neichsverweserschaft durch den Erzherzog Johann gefedert, da*gegen die Nationalversammlung, also den andern Factor der Centralgewalt, als fort-existircnd nicht mehr anerkannt hatte, weil sie durch ihre Beschlüsse vom 28. Märzden Weg der Vereinbarung verlassen habe. Gleichzeitig wurde der bairische Landtagnoch vor dem Ablaufe seiner Vertagungsfrist abermals, und zwar bis 15. Maivertagt. Motivirt war diese Entschließung dnrch die „fortdauernde Ungewißheit überdie Lösung der deutschen Frage und den Einfluß der letzter» auf mehre wichtigeGesetzvorlagen". Diese feste Entschlossenheit, bei den Entscheidungen über die deutscheFrage die Landesvertretung gar nicht mehr hören, sondern ihr nur unabänderlicheEntschlüsse, vollendete Thatsachen vorführen zu wollen: sie stammte nicht von denbis da leitenden Principen und Persönlichkeiten. Das war ein »euer Geist — dassagte sich Jeder; und man wollte allerdings Herrn von der Pfordten darin erken-nen. Endlich fiel auch noch eine andere Signatur» tewpnris in denselben Moment,ob auch nicht aus denselben Regionen stammend, doch schwerlich ohne einigen Sei-tenblick auf ihre Stimmungen hervortretend. Am 14. April kam nämlich der obersteGerichtshof zu München in den Fall, sich über die Gültigkeit der Grundrechte aus-zusprechen. Der Staatsanwalt bekämpfte sie und der Gerichtshof schloß sich dieserAnsicht an. *) Dem gegenüber mehrten sich jedoch im ganzen Lande die Adressenund Demonstrationen für die Anerkennung der Reichsverfassung. Während dereigentliche Demokratismus auf die Wunden höhnend hinzeigte, welche sich das dn-nastische Princip in Baiern durch seine Haltung in der deutschen Frage geschlagen,grollte das reactionäre Baiernthum über dieselbe Scheu vor energischen Entscheidun-gen — nur aus entgegengesetzten Gründen. Das liberale, doch specifische Baiern-thum aber verwünschte die immer haltlosere Hingabe an die olmützer Politik. Alleandern Parteien vereinten sich im Rufe nach der Verfassung. Aus den fränkischenStädten zumal erhoben sich die lautesten Stimmen; von den konstitutionellen Ver-einen ergingen die dringendsten Bitten; um die deutschen Vereine scharten sich auchdie politisch Parteilosen, jetzt von der offenen Nothwendigkeit gedrängt. Wieaber von den gouvernementalcn Elementen alle diese Stimmen aufgenommen wur-den, dafür zeugte unter Andern die Bemerkung der officiellen „Neuen MünchenerZeitung", daß eine Adresse des gesammten crlangcr Senats in jenem Sinne „hier

Appellationsgerichte Baiernß sprachen sich sofort bei ähnlichen Fragen ingleichem Sinne aus. Die „Neue Münchener Zeitungwelche dies triumphirend verkündete,wagte dieselben doch nicht namentlich aufzuführen.