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Zehnter Band.
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108 Barern unter den Übergangsministerien von 1847—49.

viel Heiterkeit" erregt habe. Mochten auch von allen Seite», aus allen Kreisenimmer neue Stimmen für die Reichsverfassung sich erheben: man stellte ihnenhartnackig das Verhalten entgegen, als seien dies nur für Kundgebungen Einzelner,denen ebenso die Wahrhaftigkeit der eigenen Überzeugung wie die Majorität derjeni-gen Elemente fehle, als deren Gesammtausdruck sie sich gaben. Früher hatte manjedoch ähnliche Kundgebungen als Resultate einzelner Volksagitatoren hingestellt, vondenen die Massen zur Beistimmung für etwas verleitet worden seien, was sie nichtrecht verständen, wovon sich die „Einsichtsvollen im Lande, die echten Patrioten, diewahren Träger der Bildung" u. s. w. ausgeschlossen hätten. Dagegen jeht, wokommunale und wissenschaftliche Corporationen im Namen der ihrer Leitung anver-trauten Gesammtheiten sprachen, nannte man die Autoritäten selbst getäuscht, vomModetaumel hingerissen, und vermißte die energischen Kundgebungen „des eigentlichenVolks, des unbefangenen, von Doctrincn nicht misleiteten Publicums". Beinaheschien es, als federe man, anstatt der erlaubten und gesetzmäßigen Offenbarungendes Willens und Wunsches der Majoritäten, ungesetzliche und gewaltsame Demon-strationen heraus. Allein gleichzeitig drohten militärische Vorbereitungen, zahlreicheStreifwachen und Wachbereitschaften an allen Orten jeder leisesten Gassenbewegung.Belagerungszustand und Standrccht schwebten überall an einem Haare über denStädten und Landschaften, dies mußte Jedermann erkennen. Die bisherige Ratlo-sigkeit und Zaghaftigkeit der öffentlichen Gewalt schien verschwunden und an ihreStelle, ohne vorausgegangenen Staatsstreich, jene Kraft der Regierung getreten zusein, zu welcher man in andern Staaten durch die sogenannten rettenden Thaten ge-langt war.

Endlich ward officiell bekannt gemacht, was factisch eingetreten. Herr von derPfordten hatte am 19. April, vorläufig unter dem Titel eines Ministers des Äußern,des königlichen Hauses und des Handels, die Präsidentschaft des Ministeriums ange-treten. Daß Letzteres nicht ebenfalls in seinem Ernennungsdecrete ausgesprochenwar, hatte nur formelle Gründe. Herkömmliche Sitte gestattete nicht, den jüngstenMinister sofort mit dem Titel einer Stellung zu schmücken, welche unbetitclt bishernur die erprobtesten Kronräthe als vortragende Minister eingenommen hatten. Da-gegen wußte man sofort im ganzen Publicum, daß Pfordten die Übernahme seinerPortefeuilles an zwei Bedingungen geknüpft hatte: Herstellung einer Ministcrpräsi-dentschaft, Auslösung der gegenwärtigen Volkskammer. Nur mit Mühe war vonihm erlangt worden, daß namentlich die letztere Maßregel noch hinausgeschoben undihre Ausführung seiner eigenen Verantwortlichkeit anheimgestellt werde. Die aber-malige lange Vertagung war sonach offenbar nur eine Vorbereitung auf diesenSchritt; die Fernhaltung des Beiraths der Volksvertreter im wichtigsten Momenteder bairischen Geschichte mußte gewiß als geeignetes Mittel erscheinen, alle parla-mentarischen Leidenschaften so sehr zu reizen, daß sie im ersten Momente, wo ihnendie Möglichkeit ihrer Kundgebung ward, der vorbereiteten Regierung auch formelleVorwände für eine solche Maßregel boten. Alle Adressen und Bitten aus allenTheilen des Landes um Aufhebung der Vertagung und sofortige Einberufung derKammern blieben also ebenso fruchtlos und unerhört als die Demonstrationen fürdie Einführung der Ncichsverfassung. Der neue Minister stand fest, während ander-wärts das Andrängen der Kammern und des Volks die Rathgeber an höchster Stellein die größte Verwirrung setzte. Diese Festigkeit imponirte den eines solchen Verhaltensungewohnten Baiern, und obschon Pfordten keine einzige Sympathie für sich hatte, er-wartete man doch wirklich von ihm eine neue, selbständige bairische Politik, vor allemeine Emancipation von auswärtigen Einwirkungen. Daher die allgemeine, beinahefieberhafte Spannung aus die officiclle Kundgabe des Standpunkts seiner Politik inder deutschen Frage; daher auch die Bedeutungslosigkeit, in die seit seinem Eintrittdie andern Mitglieder des Ministeriums getreten waren. Eben weil keine einzige Par-tei von vornherein mit der Erwählung Pfordten's einverstanden, weil jede von ihmVoraussetzte, daß ihm keine einzige Consequenz seiner bisherigen politischen Laufbahn