Band 
Zehnter Band.
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124 Die deutsche Flotte.

schen auf den Kopf mit jährlich insgesammt 119524 Thalern 18 Silbergroschen ge-währt, so stelle sich ein Gesammtbetrag von jährlich 927834 Thalern 18 Silber-groschen heraus, welcher für die Unterhaltung von 4 Segelschiffen (2 Fregatten,2 Corvctten) und 4 Kriegsdampfcrn genüge. Bei den Verhandlungen des Congres-ses selbst stellte sich sogleich eine schroffe Meinungsverschiedenheit heraus. Hannover,in hartnäckigem Festhalten an dem östreichischen Plan der dreitheiligen Flotte, welcherdoch längst gescheitert war, wies die Anerbietungen Preußens kurz und ohne Dankzurück. Dabei wurde es von Baiern und Sachsen unterstützt. Baiern machte dieNichttheilnahme Preußens geradezu zur Bedingung seines Eintritts, und beide Kö-nigreiche präludirten schon mit der Darmstädter Coalition. Dagegen Sachsen-Wei-mar, Sachsen-Altenburg, Anhalt-Bernburg, Schwarzburg-Sondershausen und Lippestellten den Eintritt Preußens theils als Bedingung ihrer Betheiligung, theils fan-den sie ihn höchst wünschenswerth. Aus dieser Haltung der Mittelstaaten kann manermessen, ob es sich hier wirklich nur um eine nationale Schöpfung handelte, undob die von „Hoffnungen und Wünschen der ganzen Nation" hochtönende Rede deshannoverschen Commissars wirklich der ganze Ausdruck der Gesinnung der hannovcr-schen Regierung war. Unter solchen Verhältnissen konnte es nicht fehlen, daß am24. März der Congreß resultatlos auseinander ging, und daß schon am 2. April derBundestag die Auflösung der Flotte beschließen mußte.

. Die Auflösung.

Am 7. April wurde der Militärausschuß, unter Berücksichtigung der Vorschlägedes Marincausschusses, mit Vollziehung dieses Beschlusses beauftragt. Zugleichwurde die „Gefion-Eckernförde" für 262500 Gulden und „Barbarossa" für 451200Gulden Rheinisch definitiv an Preußen überlassen. Nach einer Schätzung derMarineabtheilung betrug der Ankaufspreis sämmtlicher Schiffe und Kanonenboote3,946400 Gulden und nach Abzug dreijähriger Abnutzung am 8. März 1852 noch3,121765 Gulden. Als Commissar zur Auflösung der Flotte wurde an« 7. Aprilder großherzoglich oldenburgische Staatsrath a. D. Dr. Lorenz Hannibal Fischer er-nannt. Er ging sogleich nach seiner Ankunft in Bremerhafen mit Entlassung derMannschaft und Verkauf des Materials vor. Für die Schiffe wollten sich keineKäufer finden, so sorgfältig auch die Versteigerungsanzeigen in alle Erdtheile ver-breitet wurden. Den Grund für diesen Mangel an Concurrenz fand Dr. Fischer infolgenden Verhältnissen: «) Zum bestimmungsmäßigen Gebrauche für Kriegsschiffefindet sich kein Bedürfniß; b) als Fracht- und Transportschiffen gebricht es denDampfschiffen an Raum; o) Packetschiffe sind äußerst selten gesucht; 6) die Schiffeunterliegen zur Hälfte dem zerstörenden Einfluß der Trockenfäule; e) die bessern sindalt und erfodern ansehnliche Reparaturen. Kaufanträge der brasilischen und östrei-chischen Regierung, englischer und nordamerikanischer Schiffahrtsgesellschaften führtenzu keiner Einigung. Endlich erhielt die General-Steam-Navigation-Company durchBeschluß vom 1. Dec. sechs Dampftorvetten: „Ernst August", „Großherzog vonOldenburg" und die vier nach den Freien Städten genannten für den Preis von238000 Thalern, d. h. für 40 °/o des Taxwerths oder den Werth der Maschinen!Die Segelfregatte „Deutschland" wurde um 9200 Thaler oder 15°/», die 27Kanonenboote um 11058 Thaler oder 4"/» des Kostenprcises verkauft! Nicht ein-mal ein Siegeszeichen, die Ankerkette des dänischen Linienschiffs „Christian VIII."das am 5. April 1849 von der nassauischen Strandbattcrie bei Eckernförde in Brandgeschossen wurde, fand in einem deutschen Zeughause ihre Aufbewahrung: sie wurdeals altes Eisen um einen Spottpreis verkauft und später von der dänischen Regie-rung wieder erworben. Dagegen fand im Februar 1854 das Gallionbild des genann-ten Linienschiffs nebst andern Trophäen eine Stätte auf der Feste des ritterlichenHerzogs von Sachsen-Koburg-Gotha. Am 16. Juli wurde Dr. Fischer als Bun-descommissar entlassen und das übrige Verkaufsgeschäft dem Hauptmann Weberübertragen, welcher dasselbe im October, bezeichnend genug, mit Versteigerung eines