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Ostreich.
Macchiavellismus zu brandmarken. Namentlich konnte ihm die nationale Partei die ^ gefEilfertigkeit nicht vergeben, mit welcher er im Namen des Kaisers die Robot im der
April 1848 aufgehoben. Diese Partei hatte bereits durch Emissäre den Landleuken Ge
die Schenkung der Robot durch die Edelleute ankündigen lassen, und gehofft, da- pol
durch den Bauernstand für die nationale Politik zu gewinnen. Nun aber mußte sie sch<
zusehen, wie das östreichische Gouvernement dieses Verdienst ihr entriß und außer- un!
dem durch das Versprechen einer billigen Entschädigung aus Staatsmitteln Viele des
der Berechtigten sich verpflichtete. Eine Deputation wurde nach Wien geschickt, dem den
Ministerium eine förmliche Anklage des Gouverneurs unterbreitet, die wiener Presse Ec
zur Mitwirkung gezogen. Stadion legte zwar im Juni seine Stelle nieder, aberschon war die Gefahr eines polnischen Aufstands beseitigt, die Ruhe in dieser wich- »ich
tigen Provinz gesichert. Welche Wendung hätte wol der Kampf genommen, wenn wel
an Stadion's Platz ein anderer, schwächerer Mann, etwa sein Bruder, der Gouver- gen
neur von Böhmen war, Galizien verwaltet hätte! Der Krieg zwischen Adel und Sä
Bauern und die persönliche Klugheit Stadion's bildeten die beiden Hindernisse, an We
welchen sich die nationale Bewegung festrannte. Zugeständnisse mußte freilich auch ten
Stadion machen. Als die Nachricht von den Vorgängen des 15. März in Lemberg mer
anlangte, ließ er eine Adresse an den Kaiser, die Wünsche des galizischen Volks ent- und
haltend, ungehindert circuliren. Er hob ferner die Censur auf und gab die politi- unv
scheu Gefangenen frei, während ein Gleiches die Bevölkerung von Krakau dem kai- rer
serlichen Commissar Grafen Dcym abgetrotzt hatte. Ehe aber in Wien das Anine- es j
stiedecret erlassen war, duldete er nicht die Errichtung einer ländlichen Nationalgarde, die
lähmte er erfolgreich die Thätigkeit des lemberger Nationalraths, und als am Bei
22. März ein demokratischer Aufstand versucht wurde, hielt er diesen energisch nie- Ma
der. Ein Führer der nationalen Partei, Redacteur Dobrzanski, der auf der Univer- men
sität Reden hielt, wurde festgenommen und ihm als einem „Narren" zur Ader ge- nach
lassen. Die improvisirte Volksbehörde ward auf dem Nathhause aufgelöst, und mit Vol
Hülfe der brennenden Lunten, mit welchen die Kanoniere neben den aus allen rum
Hauptplähen .aufgefahrenen Geschützen standen, war bereits am Abende die Ruhe wieder Iah
hergestellt. Der März verlief ohne ernste Ruhestörung. Vielleicht mag auch die Ent
große Nussenfurcht, die im ganzen Lande herrschte und stets den Einmarsch der Ko- wie
sacken- vor Augen hatte, dazu beigetragen haben. cine>
Bei allem Eifer für die Restauration der alten nationalen Gerechtsame, trotz Czec
des regen Stammgefühls zeigte» sich dennoch die Polen der eigentlichen slawischen Pra
Politik nichts weniger als zugethan. Gerade das Hauptelement derselben, der Geist der Zwe
Verbrüderung mit allen Slawenstämmen, widerstrebt den in Polen herrschenden Tra- Stu
ditionen, und auch der Stolz der Polen fühlte sich durch die Foderung der Pan- der
slawisten, jeder einzelne Slawenstamm solle sich als Glied des großen Slawenreichs dem
fühlen, gekränkt. Das alte Polenreich, das Ideal ihrer Wünsche, war geradezu einPfahl im Fleische des Panslawismus, die Sympathien und Antipathien hier und erwc
dort im grellsten Widersprüche. Die Polen lehnten sich an die Magyaren an und Bur
predigten Russenhaß; in der slawischen Politik galt der Krieg gegen die Magyaren, mit
die Zuversicht auf Rußlands künftige Größe als erster Glaubensartikel. Desto grö- über
ßer war der Anklang, welchen die slawische Politik in Böhmen fand. Aus guten Wei
Gründen entsagte sie zwar den eigentlichen panslawistischen Ideen — man konnte ja Rat
nicht über Rußland verfügen; mit beharrlicher Consequenz wollte sie aber den Au- alle
stroslawismus zu politischer Geltung bringen, Östreich in einen Födcrativstaat um- Geis
wandeln, in welchem das natürliche Übergewicht auf die Seite der Slawenstämme auf
fiele. An einen centralisirendcn Slawenstaak zu denken, verbot die traditionelle Bc- Pro
deutung des germanischen Elements als des gemeinsamen Bodens, wo sich alle na- und
tionalen Differenzen Östreichs begegnen und aufheben. Die deutsche Sprache ist in Fori
Östreich überall — die italienischen Provinzen ausgenommen — zu Hause und des- Moi
halb das Bindemittel für die mannichfachen Völker, die hier leben, etwa in der„Weise, .—
in welcher die lateinische Sprache im Mittelalter galt. Keines der andern in Ostreich *)