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Zehnter Band.
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180 Die Vereinigten Staaten von Nordamerika.

scits hat Vertreter für den Einzelstaat zu wählen und außerdem noch Kongreßmit-glieder für die Union.„ So wird Jeder auch Staats- und Unionspolitiker, und willer seinen Ansichten, Überzeugungen und Interessen Geltung verschaffen, so muß ersich rühren, weil er sonst der Gegenpartei den Sieg in die Hand spielt. Wie wich-tig schon die Wahl in der Gemeinde ist, mag an einem Beispiel crläntcrt werden.Will man in einem beliebigen Staate einen Senator der demokratischen Partei inden Congreß bringen, so muß die Partei nothwendig zuvor über die Mehrheit inder gesetzgebenden Versammlung des Staats verfügen; das kann sie aber nur, wennsie auch in der Mehrzahl der Gemeinden und der Counties die Majorität besitzt.Mit Recht ist übrigens von Seiten der Amerikaner oft darauf aufmerksam gemachtworden, daß ihr ganzes Wahlsystem, weil es so außerordentlich versplittert und ver-einzelt sei, und weil jeder Bürger an den Angelegenheiten der Union nur als Bür-ger eines beliebigen Staats theilnehmcn könne, eine Bürgschaft gegen eine allge-meine Störung der Ruhe und des öffentlichen Friedens in sich trage. Jeder Staat,jeder Bezirk und jede einzelne Gemeinde ist ein Wellenbrecher, welcher die Aufre-gung in tausend verschiedene Kanäle ablenkt. Es ist eine eigenthümliche, aber auchleicht erklärbare Erscheinung, daß dieselbe, mag sie auch noch so heftig sein und dasganze große Land vorn obern Mississippi bis zum Mexikanischen Meerbusen ergriffenhaben, doch binnen wenigen Tagen, für einige Zeit wenigstens, verschwunden ist,sobald einmal die Entscheidung über eine bestrittene Maßregel getroffen worden ist.Die besiegte Partei beruhigt sich im Augenblicke bei der vollendeten Thatsache, wohl-verstanden solange nicht eine wichtige Wahl in naher Aussicht ist; denn alsdann ver-steht es sich von selbst, daß der Fcldzug wieder beginnt, die Agitation aufs neuemit der frühern Heftigkeit wieder anhebt. Ging das vorige mal der Sieg verloren, sowird er vielleicht beim nächsten male gewonnen werden. In den Vereinigten Sraa-ten aber kann niemals eine große Partei völlig unterliegen, nie ist sie ihren Gegnerngänzlich preisgegeben. Ist zum Beispiel gegenwärtig die Demokratie im Besitz derPräsidentschaft, so sind doch in vielen Staaten die Whigs in der Mehrheit undhaben Gouverneure aus ihren Reihen an die Spitze gebracht. Und eben weil diegroßen Parteien mit ihren Richtungen und Interessen über kurz oder lang sichersein dürfen, abwechselnd an das Staatsruder der Bundesregierung zu gelangen, be-ruhigen sie sich um so leichter, und Alles lenkt wieder in das gehörige Geleise ein.Übrigens ist das Parteiwesen ganz außerordentlich entwickelt und so mamüchfach ge-gliedert wie in keinem andern Lande. Auch der Präsident der Vereinigten Staatenist ganz eminent ein Mann seiner Partei, aber darum doch nicht immer Werkzeugderselben. Jackson zum Beispiel, obwol nicht eigentlich Politiker, stand doch aufseinen eigenen Füßen. Mit der Masse seiner Partei k.-nn aber der Präsident nichtleicht in Zwiespalt gerathen, da sie vor der Wahl ein Programm, eine sogenanntePlatform ausstellt, welche der Candidat ohne Rückhalt angenommen haben muß,bevor überhaupt davon die Rede sein kann, daß man ihn zum Amt ernenne. Manumgeht bei Präsidentenwahlen insgemein die angesehensten Häupter der Partei, undvon den Whigs wurden daher so ausgezeichnete Staatsmänner wie Clay oder Web-ster niemals zu Präsidenten erhoben; man begnügt sich damit, ibnen einflußreicheStellen im Cabinet des Präsidenten zu übertragen, welcher auf diese Weise tüchtigeRathgeber im Sinn und Interesse der Partei erhält.

Bei allen Präsidentenwahlen handelt es sich darum, wichtige Parteifragen, welchealle Theile der großen Union umfassen, zur Entscheidung zu bringen. So gab mehrals einmal die Ausdehnung der Befugnisse, welche der Bundesgewalt zustehen, An-laß zu den heftigsten Kämpfen zwischen Föderalisten und Demokraten. WährendWashington als Präsident durch Wahl der ganzen Nation dastand, war Adamsjener der Föderalisten, Jefferson nach ihm jener der Demokraten, gleich Madison,Monroe, Jackson, van Buren, Polk und Pierce; Whigs dagegen waren der jün-gere Adams, Harrison, Tylcr, Taylor und Fillmore. Die Whigs waren für dieAufrechthaltung der Vereinigten Staaten-Bank und gegen ein besonderes Staats-