Die Vereinigten Staaten von Nordamerika. 209
pclagus festen Fuß zu gewinnen, und ihre Späher und Agenten sind den Hollän-dern so zudringlich erschienen, daß mehre derselben, namentlich ein Capitän WalterEibsou, gefangen genommen und in Weltevreden bei Batavia längere Zeit in Haftgehalten wurden.
In den chinesischen Hafenplätzen haben amerikanische Kaufleute schon längstfesten Fuß gewonnen, und neuerdings trachten sie danach, das seit länger als zweiJahrhunderten den Ausländern beinahe ganz verschlossene Jnselreich Japan ihremVerkehr zu eröffnen. Amerikanische Walfischjäger besuchen die japanischen Gewässer;hin und wieder litten Fahrzeuge an der Küste Schiffbruch, deren Mannschaft überharte Behandlung von Seiten der japanischen Behörden Klagen erhob. Diese gabeneine äußere Veranlassung zu einer Schiffsexpedition nach Japan, die, seit längerer Zeitvorbereitet, am 3. Juli 1853 unter dem Commodore Perry von den Lutschu-(Lieu-kieu-)Jnseln nach Japan absegelte, am 8. Juli dort ankam, am 11. Juli denBeamten ein Schreiben des Präsidenten Fillmore an den Kaiser abgab, die Buchtvon Jeddo sorgfältig aufnahm und abpcilte, und dann mit der Erklärung fortfegelte,daß sie 1851 wieder kommen wolle, um die Antwort in Empfang zu nehmen. Injenem Schreiben heißt es: „Religiöse Bekehrungszwecke hat die Mission meines Ge-sandten nicht; er bringt dem Kaiser meine Grüße und besten Wünsche für die Be-festigung der Freundschaft und Beförderung des Handels zwischen beiden Ländern."Nachdem darauf hingewiesen worden, daß ununterbrochen viele amerikanische Schiffezwischen Californien und China fahren, von denen einige an die Küsten Japansverschlagen werden, heißt es weiter: „Wir erbitten und erwarten von Ihrer Freund-schaft und Größe gütige Behandlung unserer Leute und Schutz unsers Eigenthums.Wir wünschen, daß es unserm Volke gestattet sei, mit dem Ihrigen Handel zu trei-ben, werden aber,, nie gestatten, daß Amerikaner die Gesetze Ihres Landes übertreten.Ihr Reich hat Überfluß au Kohlen, deren unsere Dampfschiffe auf ihren Reisenzwischen Californien und China bedürfen. Es wäre uns demnach sehr angenehm,wenn Sie einen passenden Hafen Ihres Landes bezeichneten, nach welchem Kohlenaus dem Innern geschafft würden, damit unsere Dampfer solche dort kaufen undeinnehmen könnten. Aus vielen andern Rücksichten wäre eine Handelsverbindungzwischen Ihrem Reiche und unsern Staaten wünschenswerth und nützlich." In An-betracht der japanischen Absperrungsmaxime zweifelte man freilich, daß diese Be-mühungen Erfolg haben würden. Indessen lieferte die Expedition des Commodore! Perry schon insofern ein wichtiges Ergebniß, als die Amerikaner auf einer der Bonin-(Arzobispo-)Jnseln und zwar im Peelshafen eine Station errichteten, welche sowolJapan als China gegenüber dieselbe vorthcilhafte Seelage einnimmt, wie die Hawai-gwppe gegenüber Californien. *)
' Revolutionäre Propaganda und politische Flüchtlinge.
Mit den politische» Angelegenheiten Europas haben die Nordamerikaner sichweniger befaßt, weil bisher der Grundsatz galt: sich, in dieselben jeder thätigen Ein-mischung zu enthalten. Nur die Irrungen mit Östreich machen eine Ausnahme.Die Tausende von politischen Flüchtingen, welche infolge der verschiedenen mislunge-
*) Inzwischen sind Nachrichten eingetroffen, daß Commodore Perry mit seinem Geschwaderam 12. Febr. 1854 abermals in der Bucht von Jeddo anlangte, unter Darbringung reicher Ge-schenke, welche die industriöse Cultur der Bereinigten Staaten veranschaulichten, gut aufge-femmen ward, und mit den Commiffaren der japanischen Regierung in der That die Prä-liminarien zu einem Vertrage zustande brachte, wonach den Nordamerikanern nach Ablaufames Jahres zwei Häfen (Matsmai, eine Handelsstadt an der Südwestspitzc von Jeso, undThodima, etwa 70 Meilen südlich von Jeddo) eröffnet, sowie die Anlegung einer Kohlen-ßation gestattet werden soll. Andere Nachrichten behaupten die völlige Abschließung des Ber-,« llags, was jedoch weniger wahrscheinlich ist. Auch ging das Gerücht, daß es zwischen denßremden und den Japanern bereits zu Irrungen gekommen sei. D. Red.
Die Gegenwart. X. 14