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Zehnter Band.
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Die Vereinigten Staaten von Nordamerika.

gegeben ist, erscheinen die Neste der alten Weltcultur und ihrer privilcgirten Classenals leicht zu beseitigende Überbleibsel, die dem gewaltigen Dränge eines jugendlichen,in der Bahn seiner Entwickelung unaufhaltsam fortstürmenden Volks, wie das ame-rikanische ist, weichen werden, wie die Spreu vor dem Hauche des Windes. Bereitetdie Nationen vor für jene Eröffnung des großen Weltdrama, in dem das Volk derVereinigten Staaten die Heldenrolle, d. h. die Rolle der geschichtlichen Entwickelungder Welt, haben wird. Amerika ist das Land der Verheißung, das Land der Zu-kunft; in seiner Zukunft liegt die Zukunft der Welt!" Diese Äußerungen sindeinem deutsch-amerikanischen Blatte vom Jahre 1852 entlehnt. In einer andernErklärung heißt es: „Mit der Idee: Anknüpfung der ganzen Welt an Amerika, istder Schwerpunkt und der praktische Rückhalt gefunden, welcher die phantastisch-schwcifenden rathlosen Politiker auf das praktische Gebiet reeller Beziehungen zurück-führt. Das amerikanische Princip wird seinen Donnergang über das Erdenrundantreten, nicht dem Joche eines Fremden die Nationen unterwerfend, sondern sie an-nexirend dem Principe der Freiheit." Aus jener Anknüpfungsidee wird dann dieWeltrepublik hergeleitet! Bezeichnend für diese Bestrebungen erscheint noch folgenderSatz: „Rußland ist das Rückgrat des europäischen Despotismus, an welches sichalle verwandten Elemente anlehnen. Amerika ist bestimmt, ein zweites Rußland,aber ein Freiheitsrußland zu werden." Zu Ende 1853 bildete sich in Neuyork der„Verein des universellen demokratischen Ncpublikanismus", in welchem der italienischeFlüchtling Forcsti eine Rolle spielt und der Abolitionistenhä'uptling Hale und andereRepräsentanten socialdemokratischer Vereine vorragenden Einfluß üben. Der Zweckdes Vereins geht dahin, den Nepublikanismus möglichst schnell über die Welt zuverbreiten und eine Universaldemokratie zu schaffen. „Die Äufgabe soll sein, Alle,gleichviel ob Amerikaner oder Fremde, welche den Triumph der Universaldemokratiewünschen, zu vereinigen und zu befreunden, durch jedes in ihrer Macht stehende undvon den Gesehen der Vereinigten Staaten nicht verbotene Mittel jedes Volk zu un-terstützen, welches sich erhebt, um dieses Princip zu erreichen."

Es ist erklärlich, daß bei solcher Stimmung der Gemüther Gottfried Kinkel aufseiner revolutionären Rundreise durch die Vereinigten Staaten großen Anklang fand,ohne übrigens irgend erhebliche Geldsummen zur Verfügung seiner Zwecke erhaltenzu können, und daß Kossuth sich einer enthusiastischen Aufnahme gewärtigen konnte.In der neuesten Zeit hat der Streit um die Türkei die Flüchtlinge und Universal-demokratcn zu gesteigerter Thätigkeit veranlaßt. Die Polen feierten in Neuyork am29. Nov. 1855 den Jahrestag ihrer Revolution unter dem Vorsitze amerikanischerUniversaldemokratcn; die Ungarn hielten Versammlungen, in welchen sie ihre Sym-pathie „für die stammverwandte türkische Nation" erklärten, mit den, Versprechen,derselben mit den Waffen zu dienen. Johannes Ronge erließ als „Vorsitzender deSDeutschen Volksvereins in London" unterm 29. Nov. 1855 einen langen schwülsti-gen Äufruf an die Deutschen in den Vereinigten Staaten über den „Vorabend desVölkerkampfes", in welchem der adlerkühne Geist des türkischen Feldherrn Omer-Pascha gepriesen wird. „Wie ein Eiskoloß vor den Strahlen der Frühlingssonne,so wird der Kosackenschwarm vor dem Andränge der revolutionären Heerscharen zer-stieben. Der Völkerkrieg ist losgebrochen und mit dem Siege der Türken über dieRussen hat die Revolution ihren Triumphzug begonnen. Wir wollen handeln, undwir werden es. Wo die Revolution ist, da ist jetzt unser Vaterland; DeutscheAmerikas, steht uns bei!" Aber schon einige Wochen vorher hatte sich unterWillich's Leitung eine Militärcvmmission gebildet, welche der Ungeduld vieler jungenDeutschen, die durch den russisch-türkischen Krieg erregt worden sei, entgegentratund vor einem abenteuerlichen Zug nach dem Orient warnte. Sie sollten ihre Kräftenicht einzeln im Orient verzetteln, sondern zu gelegener Zeit in Deutschland selbstdie Revolution mit den Waffen unterstützen. Zu diesem Behufe sollten sie von Wil-üch, einem vormaligen Offizier, sich einüben lassen. Der Gang der Dinge in der

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