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Zehnter Band.
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Ostreich.

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tionalgarde war alarmirt, die Stadtthore geschlossen, die Kanonen der Bürgerartil-lcrie auf die Wälle gebracht. Da der wiener Gemeinderath daS allgemeine Ver-trauen nicht genoß, das Ministerium aber keineswegs durch eine Berufung an denSicherheitsausschuß die Macht des Letztem steigern wollte, so nahm es die Exekutiv-gewalt unmittelbar in die Hand und sehte sich als Localpolizei und Localmagistratein. Der Sicherhciksausschnß, über diese Mißachtung beleidigt, erklärte an denMaßregeln gegen die Arbeiter nicht theilnehmen zu wollen, und hob seine Sitzungenauf. Nichts konnte dem Ministerium erwünschter kommen als dieser Schritt. ESnahm auf den Beschluß des Ausschusses, sich auf unbestimmte Zeit zu vertagen,keine Rücksicht, sondern erklärte den Sicherheitsausschuß für ausgelöst, und befahlzum Ersähe die Neuwahl des Gemcinderaths auf einer volksthümlichcn Basis. DieArbeiterunruhen selbst, welche zu diesem Zwischenspiel die Veranlassung gegeben hat-ten, dauerten noch am 22. und 23. Aug. fort. Der Prater, die Brigittenau unddas Bründelfeld waren die Hauptschauplätze. Fanatisirtc Weiber- machten Puppen,denen sie Fünfkreuzerstücke in den Mund steckten, Fünferlfresscr, wie sie dieselbennannten, und aushandelten dieselben symbolisch. Die Sicherheitswache, welche diesenUnordnungen steuern wollte, wurde insultirt und zurückgewiesen; am Nachmittage des23. ward ein Zug in die Stadt mit den Waffen in der Hand versucht. Dabei kames zu einem Zusammenstoß mit der Sicherheitswache und Nationalgarde, sodaß sechs Todteam Platze blieben und gegen 50 Verwundungen erfolgten. Der energische Wider-stand der Garden brachte die Arbeiter zum Rückzüge, und ein heftiger Regen, deram nächsten Tage sich einstellte, machte den Zusammenrottungen ein Ende.

Zum ersten male seit den Märztagen war die Regierung vor einer Volksbewe-gung nicht zurückgewichen, hatte sie Kraft und Consehucnz bewiesen. Es war ver-geblich, daß die Linke im Reichstage diese Vorgänge vor das Forum der Versamm-lung ziehen wollte. Die Antworten der interpellirten Minister lauteten kurz und be-stimmt, und die Mehrheit zollte ihnen Beifall. Auch nach einer andern Seite warendiese Tage von bedeutsamen Folgen. Sie zeigten und erweiterten die Kluft zwischenden Studenten und der Bürgerschaft. Während die letztere, der stetigen Geschäfts-störungen müde, mit Energie gegen die Arbeiter verfuhr, blieb die Studentenlegionunthätig in der Aula versammelt. Gegen die Arbeiter, war die Meinung, darf keinDemokrat zu Felde ziehen. Die Folge dieses Zwiespalts war eine gegenseitige Er-bitterung, die Verkchernng der Bürger als Anhänger der Reaction, der Vorwurfgegen die Studenten, sie begünstigten anarchische Bestrebungen und hegten republika-nische Gesinnungen. Die Nationalgarden weigerten sich die Skudenteuwachen abzu-lösen, sodaß z. B. die von der Legion gestellte Wache am Nothenthurmlhore dreimal 24 Stunden auf dem Posten ausharren mußte, und der Wunsch machte sichrege, die Legion das Schicksal des Sicherhciksausschuffes theilen zu lassen. Nochhatte sich aber das Ministerium zu einer solchen Kraftäußerung nicht erhoben. Alsder Abgeordnete Umlauft am 25. Aug. den Minister Doblhof interpellirte, ob dasMinisterium die Aufrechthaltung der akademischen Legion als Grundsatz seiner Po-litik anerkenne, antwortete der Minister: „Fragen Sie die akademische Legion selbst,wie wir miteinander stehen." Dagegen blieb der Sicherheitsausschuß definitiv aufge-löst. Er veranstaltete am 25. Aug. seine eigene Leichenfeier, ließ sich von weißge-kleideten Jungfrauen bekränzen, von Deputationen des Arbeiter- und Dcmokraten-vereinS beweinen und zog dann zur Universität, wo ihm Professor Füster die Lei-chenrede hielt. Die radicalstcn Mitglieder traten in den Dcmokratenverein, welchervon diesem Tage an, unter Tausenau's Führung, sich an die Spitze der Bewegungstellte, nach französischem Muster die wiener Vereine centralisirte, und höchst wahr-scheinlich (die Papiere und Protokolle sind sämmtlich in den Octoberkagen verbranntworden) neben seiner öffentlichen Wirksamkeit auch eine geheime Thätigkeit — l»magyarischer Richtung — entwickelte. Vorn demokratischen Vereine ging der Fackel-zug aus, niit welchem Borrosch dafür beehrt wurde, daß er die Sanctionsfrage zumGegenstand einer Interpellation gemacht hatte, sowie jener, welchen Kudlich am