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24. Scpt. als Antragsteller auf die Aufhebung der Unrcnhanslasten erhielt. DieserVerein nahm an der gegen die „schwarzgelbe" Partei und ihr Organ, die „Geißel",gerichteten Agitationen theil, billigte es, als das Bureau der „Geißel" (9. Scpt.)gestürmt, die hier aufgesteckte schwarzgelbe Fahne herabgcriffen und als Trophäe nachder Aula getragen wurde. Der Demokratenverein hatte auch an den September-unruhe» und den magyarischen Demonstrationen in Wien den größten Antheil.
Dieser Concentration der demokratischen Partei gegenüber mußte eine kräftigereUnterstützung des Ministeriums durch den Reichstag und eine größere Einigkeit imSchosse des letzter» wünschenswerth erscheinen. Indessen geschah von Beidem dasGegentheil. Die Sanctionsfragc hatte eine tiefe Kluft zwischen der Majorität undder protestirenden Linken ausgewiesen und diese vorzugsweise dahin gebracht, ihreStütze außerhalb des Saales in den Vereinen und aus der Straße zu suchen. Wiescharf aber die Trennung zwischen der Linken und den übrigen Kammcrparteicn war,so bildete sich dennoch aus den letztern keine compacte Regierungspartei. DenKern der Majorität bildete die czechischc Rechte, und gerade diese hatte jetzt einProgramm aufgestellt, welches der Regierung, wie sie in Ostreich bestand, wennmöglich noch feindseliger entgegentrat als alle radicalen Gelüste der Linken. DieLinke griff nur die Regicrungsform an; die Czechen wollten die Grundlagen desStaats verändern und das slawische Element zum herrschenden erheben.
Am 11. Sept. kamen die Berichte des Petitionsausschusses zur Verhandlung.Es lag eine Petition der dalmatinischen Abgeordneten vor des Inhalts: Es möchtendie Vortrage, Amendcmcnts und Verhandlungen in daß Italienische überseht undden Deputirten von Südtirol, Jstrien und Dalmatien mitgetheilt, es möchte fernerden Bittstellern gestattet werden, ihre Anträge durch einen Vertrauensmann in derKammer vorzubringen. Dazu kamen die Anträge der Abgeordneten Hawliczek undBodnar: Aus den Antrag von zehn Mitgliedern sollen stets die Abstimmungsfragenin polnischer, ruthemscher und romänischer Sprache ausgerufen werden. Borroschbegann den Kampf: „Es gibt keine Staatsreligion, wol aber eine parlamentarischeStaatssprache. Diejenigen, die nicht deutsch verstehen, mögen statt ihrer des Deut-schen kundige Männer wählen lassen. Auch der Kostenpunkt muß berücksichtigtwerden." Unter zunehmender Opposition hatte Borrosch seine Rede fortgeführt.Als er aber, gegen die Rechte gewendet, von „Nationalitäkslicbhabercien" zu sprechenbegann, bedeckte ein furchtbarer Sturm seine Stimme. Die Rechte hatte sich vonihren Sitzen erhoben und verlangte mit geballter Faust den Widerruf. Rieger griffden Handschuh auf, welchen Borrosch den Slawen hingeworfen. Mit unbesonnenerLeidenschaft enthüllte er die geheimen Versassungsplane seiner Partei: „Das Recht,in unserer Nationalsprache hier zu reden, steht uns ebenso sehr zu als den Deut-schen. Nur dem Slawen kann es geboten werden, daß man ihm zumuthct, in die-sem Staate die Herrschaft einer Nationalität, die sich in der Minorität „befindet,über sich zu dulden. Wir Slawen bilden bei weitem die größere Macht Ostreichs.Durch unser Geld, durch unser Blut wird es erhalten, nur solange wir wollen,wird es bestehen, wir aber wollen es."
Versöhnend wirkte die unmittelbar darauf folgende begeisterte Rede Löhner's.Wie die meisten seiner Improvisationen, so war es auch diese Beschwörung an dieKammer, nicht sich jetzt, wo der Gegenstrom gegen die Mä'rzbewegung immer mächtigeranschwelle, durch nationalen Streit zu spalten, die seinen Ruf als ersten Redner desReichstags rechtfertigte: „Wenn ich euch erinnere, was sich seit wenigen Tagen kundge-geben, zweifelt ihr dann noch, daß der Kalender mehr als die Jahreszeiten geänderthat, glaubt ihr, daß nur fünf Monate seit dem März vorüber sind? Wartet noch undin wenigen Tagen werdet ihr erfahren, daß Menschenalter seitdem dahingegangensind, daß wir nur die Kinder jener Niesen sind, die im März die Freiheit erkämpf-ten. Lassen Sie uns die Discussion wegwerfen, wie eine zwischen uns gekrocheneSchlange, lassen Sie uns, was heute vorgefallen, vergessen, denn wir würden in un-serm eigenen Blute wühlen, wenn wir diesen Kampf fortsetzten." Mit dieser pro-