Ostreich.
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Verhandlung über den Nutzen oder Schaden der Permanenz ausgefüllt hatte, er-schien Minister Schwarzer mit der Kunde: Der Abgeordnete Füster an der Spitzeeiner zahlreichen Deputation, den erwähnten Zettel auf den Hüten, verlange vomMinisterrakhe die Wiedereinsetzung des Sicherhcitsausschufses. Nnn erschien diePermanenz, von deren Aufhebung bereits die Rede gewesen, wieder allgemein reich-lich. Sie wurde also aufrechterhalten und die Debatte über Sierakowski's Antrag,den Sichcrheitsausschuß betreffend, eröffnet. Kaum hatte derselbe aber begonnen, alsLöhner mit der Nachricht hereinstürzte: Das Militär marschire gegen die Aula, derBarrikadenbau habe begonnen. Ein polnischer Abgeordneter ruft: Es lebe die Frei-heit! Im Saale, auf den Galerie» herrscht eine unbeschreibliche Verwirrung. Nunüberstürzen sich die Gerüchte. Der Eine hat die Barrikaden bereits geschaut. EinBrief des Ministers Bacy meldet: Abends um 8 Uhr will die Aula die Republikproclamiren. Der Abgeordnete Klaudi stellt den Antrag, nur mit einem Bayonnetan-griffe gegen die Barrikaden vorzugehen und kein Feuer gegen dieselben zu eröffnen.Da erscheint ein conservativer Abgeordneter und betheuert, daß Niemand an einenBarrikadenbau denke. Bon sich kreuzenden Gerüchten geanstigt, beschloß die Versamm-lung, eine Commission dem Ministerrath beizugeben, welche dem Reichstage über dieVorgänge berichten solle, und eine andere in die Aula zu senden, um genauere Er-hebungen zu Pflegen. Beide brachten nach einiger Zeit die beruhigendsten Nachrich-ten mit. Auf der Aula legte sich die Aufregung. Das Ministerium gab, demWunsche des Reichstags entsprechend, den Befehl zum allmaligeu Rückzüge derTruppen. So schien jeder Grund für die Fortdauer der schon 12 Stunden wäh-renden Sitzung gehoben; auch wurde der Antrag auf ihren Schluß gestellt und an-genommen. Die Linke sah nun alle Anstrengungen gescheitert, die sie den Tag übergemacht hatte, um das Ministerium zu stürzen oder wenigstens zu schwächen. Sieunternahm nun durch den Abgeordneten Goldmark einen letzten Versuch, um dochetwas zu erringen. „Ich bestehe darauf", beantragte Goldmark, „daß wir nichteher auseinandergehcn, als bis das Militär in die Kasernen eingerückt ist. Wennes sich nicht zurückzieht, kann durch ein paar Schusterbuben ein Krawall entstehen."Auch diese echte wiener Anschauungsweise von dem Gewichte der Schusterbuben fandbei der Majorität keinen Anklang. Nachdem sie ihr Gewissen durch den Beschlußbeschwichtigt hatte: eine Commission möge im Ministerrakhe dafür sorgen, daß derBefehl zum Rückzüge der Truppen vollständig zum Vollzüge gelange, ging derReichstag um 10'/. Uhr Abends auseinander.
Am nächsten Morgen, der die Ruhe wiederhergestellt sah, verkündigten diewiener Blätter: „20000 Bauern ständen in Bereitschaft, auf ein gegebenes Zeichenzum Schuhe der Aula hcrbeizustürzen." Diese Worte fanden Glauben und äußertennamentlich ihre Wirkung auf die Vereine.
Die ungarische Frage im Reichstage.
Die ungarischen Wirre» hatten im Laufe der letzten Monate zu wiederholtenmalen an die Pforten des Hauses geklopft. Es lag in dem Kampfe unter gleichenFahnen und im Namen desselben Fürsten allzu viel des Empörenden, als daß nichtauch die constituirende Versammlung in Wien sich davon berührt hätte fühlen sollen.Und überhaupt, wie konnte an eine stetige Entwickelung des constitutionellen Lebensin Ostreich gedacht werden, solange gleichzeitig neben dem demokratischen Reichstagein Wien das absoluteste Militärregiment in Italien waltete und in der größtenProvinz des Reichs zwei Regierungen, beide gestützt auf gleiche Rechte, beide imNamen des Kaisers und Königs thätig, sich befehdeten. Schrecklich war zuvörderstdie Lage der k. k. Beamten und Offiziere in Ungarn, welche, zum Gehorsam gegendas ungarische Ministerium angewiesen und vor dem Hochverräther Zellachich gewarnt,dennoch diesen in höchster Gnade bei dem Könige, jenes aber von der wiener Re-gierung verurtheilt und verdammt wußten. Die Verzweiflung über solch zwiespältigeLage war bei loyalen Gemüthern so groß, daß sogar Selbstmorde vorkamen, um