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Östreich.
lichen Ban von seinem hohen Posten. Im Octobermanifeste wurde nun die außer-ordentlichste Gewalt auf Jellachich übertragen, -seinen Angriffen auf die ungarischeVerfassung die kaiserliche Sanction ertheilt, seine Sache mit jener des Kaisers iden-tisicirt. Der Ernennung des Banus zum kaiserlichen Stellvertreter ging die Auslo-sung des ungarischen Reichstags zur Seite.
In Wien hatte bereits Lamberg's Sendung eine große Aufregung hervorgeru-fen, seine schnöde Ermordung aber so wenig in den Vereinen als in der Presse eine be-merkliche Mißbilligung gefunden. Zm Gegentheile machte dieser Vorgang die wienerBevölkerung mit Blutgedanken vertraut. Man darf zuversichtlich behaupten, daßohne den vorangegangenen Mord Lamberg's das Leben Latour's verschont geblieben wäre,daß nur die noch im Gedächtniß haftende That der pesther Fanatiker den Impulszur Nachahmung bei den wiener Arbeitern weckte. Den höchsten Grade erreichte dieAufregung und politische Leidenschaft nach der Bekanntmachung des Manifestes vom3. Oct. Jellachich war den Wienern doppelt verhaßt: als Slawe und als Reactio-nar. Noch umgab ihn der Nimbus allgewaltiger Popularität bei allen Slawen:von ihm hatten nicht nur die Demokraten die Wiedererrichtung der Monarchie, son-dern auch die Deutschen die Vernichtung ihrer Nationalität zu fürchten. Dazukam das bedenkliche Spiel, welches der Hof mit den konstitutionellen Formen trieb,indem er aus den Reihen der kaiserlichen Garden einen obscuren Mann, NamensRecsey, wählte, der als ungarischer Ministerpräsident das Manifest mitfertigevmußte. Wer in jenen Tagen in Wien lebte, konnte sich mit leichter Mühe von
dem Herannahen eines neuen politischen Sturms überzeugen. Man merkte es an
den verzagten Mienen der Conscrvativen, an der dumpfen Stimmung im Reichs-tage, an der übermüthigen Sprache der Presse, an der gesteigerten Leidenschaft unterden Mitgliedern der Legion. Wer mit dem Vereinswesen näher vertraut war, konntesogar die Vorbereitungen für einen künftigen Aufstand gewahren. Der demokra-tische Verein entwickelte seit der Mitte des September eine fieberhafte Thätigkeit.Namentlich war es Tausenau, welcher in Volksversammlungen, in Arbeiterclubsunverdrossen gegen das Ministerium und den Reichstag predigte und für die Ma-gyaren agitirte. Die letzten Nächte vor dem Ausbruche der Revolution wagte ernicht mehr seine Wohnung zu betreten, sondern übernachtete bei Bekannten. Mit
den magyarischen Führern, wie Pulszky, war Tausenau schon früher in Verbindung
getreten. Er hatte auch einzelne Offiziere, wie den Professor an der Jngenicuraka-demie Kuchenbäcker, für seine Plane gewonnen, und in blinder Nachahmung der vonihm hoch bewunderten französische» Republikaner Ende September einen geheimenClub gegründet, welcher die oberste Leitung der Revolution übernehmen und diehervorragendsten Männer der Demokratie in sich vereinigen sollte. Dieses „Central-comitö der radicalen Vereine" versammelte sich im Gasthausc zur Ente und zählteim Ganzen 10—12 Mitglieder, unter ihnen: Becher, Chaizes, Fenncberg, Kuchen-bäcker. Aber wenn auch der Plan einer Erhebung gegen die Regierung und denReichstag im Allgemeinen vorhanden war, so fehlte doch noch die bestimmte, nähereEntscheidung, und der Ausbruch am Morgen des 6. Oct. traf die demokratischePartei ebenso unvorbereitet und plötzlich als die Regierung, welche wol an einenAufstand der Studenten und Arbeiter, aber nicht an eine Meuterei der Truppendachte. Durch welche Ursachen dieselbe herbeigeführt wurde, welche Motive, ob Be-stechung, ob Überredung, ob die Verwilderung der Disciplin allein das deutscheGrenadicrbataillon in der Nacht vom 5. auf den 6. Oct. zur Widersetzlichkeit brach-ten, als es den Marsch nach Ungarn antreten sollte, bleibt unaufgchellt. An Ver-führungskünsten von Seiten der Clubs fehlte es nicht., Es war aber auch der Krieggegen die Ungarn in der Armee nicht populär, und die Grenadiere waren zum großenTheile wilde, durch die lange Garnisonirung in der Hauptstadt corrumpirke Gesellen.
Schon in der Kaserne hatte die zum Abmärsche nach Ungarn bestimmte Ere-nadiertruppe Unordnungen verübt, sich berauscht und widerspänstig bewiesen. Siewurde zur Eisenbahn am frühen Morgen von einer Cavalerieabthcilung cscortirt, die