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Plah anwies, und die Zurücknahme des Manifestes vorn 3. Oct. Alles in das alte Ge-leise bringen werde. Aber schon die Morgensitzung am 7. Oct. zerstörte grausam alleHoffnungen. Der Kaiser und der Hof, von Kanonen umgeben, von 6000 Mannauserlesener Truppen begleitet, hatten um 7 Uhr früh Schönbrunn verlassen undwaren in unbekannter Richtung geflohen. Wie man spater erfuhr, ging der Hofmit seiner militärischen Begleitung zuerst nach Sicghardskirchen, wohin (8. Oct.)Minister Hornbostel zur Contrasignirung der kaiserlichen Erlasse berufen wurde,setzte am 9. Oct. bei Krems über die Donau und wendete sich nach Mähren. DieAnkunft in Olmütz, wo das neue Hoflager aufgeschlagen wurde, erfolgte am 14. Oct.Kurz nach der Flucht des Kaisers erschien ein Mann der Hofburgwache bei demMinister Kraus und überbrachte, ihm ein kaiserliches Manifest, welches wesentlichanders lautete als die am vorigen Tage der Neichsdeputation gegebenen Versiche-rungen. Es zählte die Gewährungen auf, welcher seit den Märztagen Östreich theil-haftig geworden, und die Unbilden) welche der Kaiser als Dank erhalten. „Wienist niit Brand und Mord erfüllt! mein Kriegsminister hat unter den Händen einermeuchlerischen Rotte geendet", lautete der Schluß. „In diesem entscheidungsvollenAugenblicke vertraue ich auf Gott und auf mein Recht und verlasse die Nähe mei-ner Hauptstadt, um Mittel zu finden, der unterjochten Bevölkerung von Wien Hülfezu bnngen und die durch die empörendsten Frevel bedrohte Freiheit zu retten.
Wer Östreich, wer die Freiheit liebt, schare sich um seinen Kaiser." Kraus erklärteim Reichstage, er könne kraft seines Eides als constitmioncller Minister dieses Ma-nifest nicht unterzeichnen, und legte es auf den Tisch des Hauses nieder. Der Dank
für diesen Schritt, welcher die freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Regierungund dem Reichstage noch aufrechterhielt, blieb nicht aus. Noch Harne der Gesetz-entwurf über die Steuerausschreibung für 1849 der dritten Lesung. Nicht allein, daßdas Gesetz mit Acclamation angenommen wurde, es ward sogar von dieser im Schatteneiner anarchischen Bewegung tagenden Versammlung mehr bewilligt, als die früherecouservakive Majorität beantragt hatte. Die indirecten Steuern sollten nicht fürei» halbes, sondern für ein ganzes Jahr im alten Ausmaße forterhoben werden.
Noch in derselben Sitzung wurde eine Proclamation an die östreichischen Völkererlassen, welche den Entschluß des Reichstags, auf seinem Posten zu verharren, undgegen die Reaction wie gegen die Anarchie gleichmäßig anzukämpfen aussprach. Eswurde ferner beschlossen, die drei Minister Doblhof (welcher nirgends zu finden warund sich später brieflich durch Kränklichkeit entschuldigte), Hornbostel und KrauSniit der Führung aller Ncgierungsgeschäfte zu betrauen und eine Denkschrift an denKaiser zu entwerfen.
Dies war freilich so ziemlich der letzte Act allgemeiner Thätigkeit, welchender Reichstag in Wien unternahm. Die Gesammtberathungen, welche noch folgten,hatten in der Regel keinen andern Zweck, als Schuselka's Berichte über die Wirk-samkeit des Sicherheitsausschusses anzuhören. Diese Wirksamkeit beschränkte sich aufdie Regelung der wiener Angelegenheiten, auf schüchterne Versuche, die Angriffe desMilitärs zu hintertreiben, und angestrengte Bemühungen, die Revolution in das engeBett eines LocalaufstandS, einer bloßen Abwehr ohne politiscben Charakter zu ban-nen. Die legislatorische Thätigkeit des Reichstags hinderten zwei Umstände: esfehlte zunächst, da der Verfassungsentwurf noch lange nicht fertig war, an Bera-thungsstoff Und an der nöthigen Ruhe zur Berathung allgemeiner Interessen. Danngebrach es auch an der Gewißheit, ob die Ncichstagsbeschlüsse von der Regierunganerkannt würden. Und nicht allein von der Regierung! Das Beispiel der ange-scheusten Mitglieder der Rechten hatte ansteckend gewirkt. Jeder Tag zeigte neueLücken im Reichstage und brachte die Kunde von neuen Flüchtigen. Die zuerst ge-flohenen czechischen Deputirten hatten, um den Vorwurf persönlicher Feigheit vonsich abzuwälzen, das Verlassen des Reichstags zum Gesetze für ihre Partei gcstem-pelt und auf solche Weise auch die Zurückgebliebenen allmälig zur Flucht gezwungen.Die Einen gingen heimlich fort und sammelten sich in Prag, die minder Entschlaf-