Band 
Zehnter Band.
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Östreich. 265

scncn hielten sich in der Nahe von Wien verborgen, angeblich in diplomatischer Mis-sion. So z. B. Jonäk und Klaudi, obgleich der Eine noch am 7. Oct. im Namendes souveränen Volks den zögernden Hornbostel in seinem Ministerpostcn bestätigteund der Andere stets, nächst Rotteck's „ Staatslexikon", die Rechte und Pflichtender Demokratie im Munde führte. Erwähnenswerth bleibt es, daß das conser-vative Centrum einen Massenaustritt nicht versuchte, im Gegentheile viele seiner Mit-glieder, namentlich die an Disciplin und Gehorsam gewöhnten Beamten getreu biszum Schlüsse des wiener Reichstags aushielten. Es unterliegt keinem Zweifel, daßdie Rechte, welche die in Wien tagende Körperschaft nicht als Reichstag, sondernnur als einen Club anerkannte und in diesem Sinne in Böhmen agitirte, gegenjedes aus den Berathungen dieses Reichstags hervorgegangene Gesetz einen Protesteingelegt hätte. Um nicht auch diese Kollision zu den unzähligen andern hinzuzu-fügen, unterblieb seit der Steucrbcwilligung jede wichtigere gesetzgebende Thätigkeit.

Am 9. Oct. kam in den Reichstag die Nachricht, Jellachich sei „mit beiläufig20000 Mann gemischter Truppen, welche ganz ermattet und nicht im besten Zustandewaren", auf östreichischem Boden angekommen. Der Deputirte Prato, der Reichs-tagsdiplomat, wie Fürst Schwarzenberg der Armeediploinat, wurde an ihn gesendet,um ihn vom Vorrücken abzuhalten. Die Antwort des Banus war: „Als Staats-bürger bin ich verpflichtet, der Anarchie zu steuern, als Soldat gibt der Donner derKanonen meinem Marsche die Richtung." Von gleicher Erfolglosigkeit waren diefernern Schritte bei dem Banus wie bei dem General Auersperg, welcher am11. Oct. seine befestigte Stellung am Belvedcre verlassen und sich mit Jellachichvereinigt hatte. Das gleiche Resultat hatte die an das Hoflager abgesendete Depu-tation. Sie wurde nach langem Drängen und Bitten endlich am 12. Oct. Abendsvorgelassen, erhielt jedoch eine ausweichende Antwort und blos vom Obersthofmeister,dem Fürsten Lobkowiß, die private Versicherung: er meine, die Truppen würdennicht angriffsweise verfahren. Große Sorgen machte dem Reichstage die czechischeAgitation, die immer lautem Wünsche nach dem Aufgebote des Landsturms und dieNähe der ungarischen Armee.

Die Rechte hatte ihre Meinungsgenossen zur gemeinsamen Berathung nachBrünn auf den 20. Oct. berufen und auf diese Weise die am 8. vom Reichstagedecrctirte Rückkehr aller flüchtigen Deputirten binnen 14 Tagen beantwortet. Solcheoffene Auflehnung gegen ihre Autorität konnte die wiener Versammlung nicht mitSchweigen vorübergehen lassen. Sie erklärte auf den Antrag Pillersdorf's, unter-stützt von conservativcn Mitgliedern: „Der Reichstag ist die einzige legale, constitui-rende Autorität. Jeder Versuch von Abgeordneten, an einem andern Orte zu ta-gen, ist ungesetzlich und ungültig, die auf der Aufsvderung unterzeichneten böhmi-schen Abgeordneten und Alle, welche sich ihnen anschließen, werden für die auseinem solchen Schritte entspringenden Folgen aufmerksam gemacht; durch das Mini-sterium ist dieser Beschluß baldmöglichst zu veröffentlichen." Der brünner Tag un-terblieb, vielleicht um den Zwiespalt zwischen den Ncichstagsparteien nicht klaffenderzu machen, vielleicht weil die Regierung den slawischen Charakter der Versammlungmit Recht fürchtete.

Der Aufruf des Landsturms war die Lieblingsidee der wiener Demokraten.Sie wähnten daS Landvolk, gleich der Aula, für abstracto radicale Ideen begeistert,und brennend vor Begierde, durch Theilnahme an der Revolution den Dank für dieAufhebung der Unterthänigkeit auszusprechen; sie vergaßen, daß gerade die bereits er-füllten Federungen des Landvolks das Interesse desselben an der Bewegung abge-kühlt hatten. Der Reichstag war aber weit davon entfernt, dem Verlangen nachAufruf des Landsturms nachzugeben. Er erklärte sich am 10. Oct. inkompetent undden Gemcindcrath von Wien allein berechtigt, die Verthcidigungsanstaltcn zu leiten.Er ordnete die Bewaffnung aller waffenfähigen Einwohner von Wien an, bestelltein Messenhauser einen neuen Obercommandanten, und votirte zur Unterstützung derKämpfenden 20000 Gulden; denn für alle diese Maßregeln hatte er die Zustimmung