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Ostreich.
Noch am Abende des 28. hatte Meffenhauser im Neichstagsausschussc und Ge-meinderathe seine Überzeugung von der Ünhaltbarkeit der Stadt ausgesprochen unddie Übergabe derselben empfohlen. Schon am frühen Morgen des nächsten Tagesmachte sich eine Deputation nach Hetzendorf in das Hauptquartier des Fürsten Win-disch-Grätz aus den Weg, und Meffenhauser ließ eine Proclamation anschlagen, welchedie Unterwerfung in Aussicht stellte. Als die Deputation mit der abschlägigen Ant-wort des Fürsten, sich in Bedingungen einzulassen, zurückkehrte, wurden durch einendringenden Aufruf alle bewaffneten Körperschaften aufgefodert, Vertrauensmänner zuwählen und diese mit unbedingter Vollmacht zu versehen, um über die unbedingteUnterwerfung oder die Fortsetzung des Kampfes abzustimmen. In dieser Berathungward beinahe einstimmig die Übergabe der Stadt auf Gnade und Ungnade ange-nommen und am Abende folgende Kundmachung von Meffenhauser verbreitet: „Ichhabe die Vertrauensmänner aller Compagnien versammelt gehabt, ich habe mit ihnengesprochen, ob ein Verzweiflungskampf^stattfinden soll, oder die Unterwerfung unterdie nun einmal nicht zu leugnende Übermacht des Feindes. Der Verzweiflungs-kampf hieße so viel als die Blüte der Bevölkerung auf die Schlachtbank führen.Jetzt, da es kein diplomatisches Geheimniß mehr ist, das ich mit bekümmertem Her-zen in meiner Brust zu verschließen hatte, kann ich unsere Schwäche offen darlegen,nämlich: mit der angestrengtesten Thätigkeit, mit der Opferung von großen Geld-mitteln haben wir nur soviel Munition erzeugen können, daß für vier Stunden all-gemeiner Vertheidigung Vorrath mehr da ist. Unter solchen Verhältnissen kannman es auf keinen Sturm ankommen lasse». Die Verantwortung kann ich nichtauf mein Gewissen nehme»." Auf Grundlage des von den Vertrauensmännern ab-gegebenen Votums eilte noch in der Nacht vom 29. Oct. eine Deputation nach Hetzcn-dorf und gab dem Fürsten Windisch-Gräh die schriftliche Erklärung von der unbe-dingten Unterwerfung WienS ab, welche sofort nach Olmütz telegraphirt wurde undam Hofe die größte Freude erregte. In den Provinzen fühlte man bei dieser Nach-richt allerdings, daß mehr gethan als eine empörte Stadt unterworfen worden.
Der Kampf schien jetzt beendigt. Am 30. Oct. sollte die Armee in die innereStadt einrücken und eine Commission zusammentreten, um die Modalitäten der all-gemeinen Entwaffnung zu entwerfen. Freilich erregte die abgeschlossene Conventionin einzelnen Kreisen das größte Misfalleu, und es äußerte sich der Verdacht desVcrraths. Als die bewaffneten Proletarier am Morgen des 30. Oct. jene er-wähnte Proclamation lasen, und von der Unterwerfung der Stadt als einer vollen-deten Thatsache hörten, drohten sie Meffenhauser und den Gemeinderath aufzuhän-gen, und erklärten alle ihre Führer als Verräther, Messcnhauser's neue Proklama-tion, worin er nochmals die Nothwendigkeit der Übergabe und die Nutzlosigkeit einesfernern Widerstandes,, erläuterte, fand ebenso leidenschaftlichen Tadel. Trotz dieserOpposition wäre die Übergabe ohne weiteres Blutvergießen erfolgt: bereits wurdenganze Wagen voll Waffen abgeladen; die Aula war leer, die Clubs verlasse», dieDemokraten suchten sich durch Verkleidung unkenntlich zu machen. Allein unglück-licherweise verbreitete sich auch zu gleicher Zeit das Gerücht von dem Einsätze derStadt durch die ungarische Armee, sodaß sich schon um 9 Uhr Morgens eine unbe-schreibliche Aufregung kundgab. Es sammelten sich bewaffnete Scharen, die Ver-kleidungen wurden weggeworfen, die Angstmicnen mit freudigen Physiognomien ver-tauscht; Meffenhauser ward gezwungen, das Observatorium auf dem Stephansthurmezu besteigen und den Stand der Dinge zu untersuchen. Der schwache Mann fügtesich, wol nur um dem Vorwürfe des Vcrraths zu begegnen. Er wollte zeigen,daß er bis zum letzten Augenblicke zum Kampf bereit sei und auch nicht den leise-sten Hoffnungsschimmer unberücksichtigt lasse. In jenen Tagen des Mistrauens undder Verzweiflung konnte überhaupt Jedermann leicht in den Verdacht des Vcrrathskommen. Auch Bem, Kuchenbäcker, sowie Tausenau und Häfner, die Beide baldnach dem 6. Oct. flüchtig geworden, wurden als Verräther bezeichnet. Wenn Frö-bel's Angaben richtig, die er in seiner Rede am 18. Nov. im Parlamente zu Frank-