278 Lebensmagnetismus — Magie.
hat, und warum dieser Drang auch nie ganz aufhören kann, obwol gerade deshalbwir über denselben uns zu möglichster Scharfe der Anschauung zu bringe» haben,damit wir ihm nie einen weiter» Spielraum gestatten, als ihm angemessencrweisewirklich gestattet werden darf. Von diesem Standpunkte aus sind sonach die folgen- j
den Blatter bestimmt, wieder einmal einen Blick auf das ganze Gebiet zu werfen,welches wir mit dem Namen des magnetischen, magischen (maznss, auch von Maja,dem Namen der alten Wundergöttin aller dunkeln Gefühle und Thaten, abgeleitet)oder geradezu der Magie, am besten belegen; ihre Richtung wird jedenfalls eine auf- j
klärende sein, denn indem sie das Wahrhafte der Erscheinungen klar darzustellen be- i
müht sein sollen, werden sie nicht unterlassen, überall auf die naheliegenden Abgründe ^
des Irrthums und manche unwillkürliche und willkürliche Täuschungen mit hinzu-weisen, die von den ältesten Zeiten*) bis in die Tage der Gegenwart hierbei eine !so große Rolle gespielt haben. Ihr Bereich wird sein: 1) der eigentlich sogenannteLebensmagnetismus nach seinen Zuständen, Manipulationen und Wirkungen; 2) die !magischen Pendelschwingungen und die Nhabdomankie; 3) das Tischrücken und söge-,nannte Geistcrklopfen oder Psychographenwesen.
l) Der Lebensmagnetismus.
Bekanntlich werden es jetzt bald hundert Jahre sein, daß der im Jahre 1 733 zuWeiler bei Konstanz geborene Anton Friedrich Mesmer, nachdem er in Wien seine 'Promotionsschrift über den Einfluß der Planeten auf den menschlichen Körper heraus-gegeben hatte (1766), anfing, Versuche zu machen über die Heilkräfte des Bcstrci-chens krankhaft afsicirter Theile mittels verschiedenartig gestalteter Magnete, welcheihm der Astronom Max. Hell gefertigt hatte: ein Verfahren, welches er indessen baldverließ und durch bloßes Magnetisiren mittels der Hände ersetzte. Ebenso bekanntund oft erzählt sind ferner die Verfolgungen, welche er erlitt, nachdem diese neue, ^doch auch von ihm durchaus noch nicht rein wissenschaftlich und offen betriebene Cur-methode vielfaches Aufsehen gemacht hatte, und in welchem großartigen Maßstabedann diese seine Praxis sich fortsetzte, seit er im Jahre 1777 in Paris auftrat, allwoihm sogar von der Regierung eine bedeutende Leibrente angeboten wurde, wenn ersein Verfahren veröffentlichen würde, welche er jedoch ablehnte. Eine Commissionaus Männern wie Franklin, Jussieu und Lavoisier bestehend und zur Untersuchungseiner Curmethode bestimmt, lehnte er dort gleichfalls ab, und die Stürme der Re-volution endlich, welche so Vieles vernichteten und so vieles Neue schufen, leitetenauch da wieder die Aufmerksamkeit von ihm und vom Lebensmagnetismus ab, undder Entdecker einer der merkwürdigsten Erscheinungen beschloß zuletzt am Bodcnsce inder Schweiz sein Leben in völliger Zurückgezvgenheit aber im hohen Alter (im Jahre1815). Mesmer hat über seine Cure» nicht viel geschrieben**), allein noch in spä-ten Jahren fanden sich einzelne Ärzte zu ihm, die aus seinen Erfahrungen Nutzbaressich aneigneten und verbreiteten. Für Deutschland ist es nächst Wienholt und Gme-lin namentlich K. Ch. Wolfart, der noch aus seinen Mittheilungen Vieles lernte,darüber schrieb ***) und längere Zeit in Berlin eine größere magnetische Anstalt leitete, ^deren Einrichtung noch dem Verfasser dieses Artikels aus Autopsie bekannt wurde, ^und worin allerdings der einfache krcu wissenschaftliche Sinn, wodurch Dinge dieser ,Art allein gedeihen können, noch ebenso wenig wie bei Mesmer im rechten Maße zu ^Hause war. Ihm folgten dann Brandis, Richter, Passavant, F. Hufeland, Kluge,
„ *) Bgl. Kleuker's „Magikon", Creuzcr's „Symbolik", Windischmann's „Untersuchungenüber Astrologie, Alchemie und Magie", und die Schubert'schen Schriften. Über die ältesteGeschichte des Magnetismus vor Mesmer vgl. Zicrmann, „Geschichtliche Darstellung des thie-rischen Magnetismus" (Berlin 1824).
**) Die „ Ukemoii-e» 8ur la cleoonvsrts <Iu maunstismo snimol" sind darunter das Be-deutendste.
***) „Mesmerismus oder System der Wechselwirkungen u. s. w., herausgegeben von seinemeinzigen unmittelbaren deutschen Schüler" (Berlin 18l4).