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Zehnter Band.
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Lebensmagnetismus — Magie.

lich durch ihren Bau sehr geeignet sind *) als Condensatoren der Jnnervation zudienen; denn es begreift sich wol, daß gerade je reicher an Jnnervation ein Kör-pertheil ist, er auch um so kräftiger auf ein anderes Nervensystem wirken werde.Eines der Hauptmomente jedoch, welches nun zu all dem Genannten noch hinzu-treten muß, wenn dieser Magnetismus eine Wahrheit werden soll, ist eine gewisseHomogcneität in den Naturen, welche aufeinander wirken sollen. Man hat mitunterden MesmerismuS auch als Neuroganüc (Nervenvermählung) bezeichnet, und der Aus-druck ist gar nicht so unrecht, indem er namentlich geeignet ist, die gewisse Über-einstimmung anzudeuten, in welcher zwei Nervensysteme sich befinden müssen, wenndie Mesmer'sche Wirkung des einen anf das andere sich entwickeln soll. Bedenktman nämlich die unendlichen möglichen und wirklichen Verschiedenheiten, welche unterMillionen Menschen bestehen, so muß es, auch ohne der Platonischen Mythe vonden nur zwei, als Hälften eines ehemaligen Ganzen, füreinander bestimmten Seelenzu erwähne», deutlich werden, daß ein indifferentes und oftmals abstoßendes Ver-hältniß unter den verschiedenen Individuen ohne Zweifel bei weitem häufiger vorkom-men müsse, als ein einigermaßen homogenes oder wol gar ein wechselseitig sich an-ziehendes. Gerade indeß bei so feinen Einwirkungen wie die magnetischen kaun esnun nicht anders sein, als daß sie in Wahrheit nur da sich entwickeln, wo eine wirk-liche Homogeneität vorhanden ist, und im Gegensatz beobachtet man weit eher hoch-sensitive Personen (z. B. solche Naturen wie die der abgedachten Kranken, welche diehäufigen somnambulen Zustände am Tage hatte), denen schon das bloße Neben-einandersein mit fremde» Personen höchst unangenehm und krankmachend ist, undwelche schon deshalb den Besuch von Concerten und Theatern ganz aufgeben müssen.Was ich übrigens oben von der zum Mesmerismus nöthigen Homogeneität sagte,ist keineswegs so zu verstehen, als ob ein vollkommenes Gleichst!» der Naturen hierstattfinden sollte; im Gegentheil ist ein gewisses Contrastircn, ein gewisser Gegensatzdafür unbedingt nothwendig, wenn eine kräftige Einwirkung erfolgen soll. Seltenwird daher ein Mann auf den andern eine sehr bedeutende Mesmer'sche Wirkungausüben, es müßte denn die eine Persönlichkeit sehr kräftig und die andere sehr zartsei»; ebenso sind Frauen auf Frauen zu wirken weniger geeignet. Was die Ein-wirkung van Erwachsenen auf Kinder betrifft, so ist sie schon mächtiger, wenn nichtwieder die Verschiedenheit etwa zu groß wird, allwo sie dann auch sich vermindert.Am entschiedensten daher im Allgemeinen wird immer die Einwirkung von Männernauf Frauen bleiben, doch treten auch hier sehr viel besondere Möglichkeiten hervor,die bald erschwerend, bald erleichternd einwirken, auch die Einwirkung von Frauenauf Männer gar nicht ausschließen.

Was die Modalität der Behandlung selbst betrifft, so ist sie namentlich vonEnnemostr **) sehr zweckmäßig ausgeführt, und da hier nicht der Ort sein kann, indieser Beziehung sehr ins Einzelne zu gehen, so mnß ich Leser, welche sich darübernäher unterrichten wollen, dorthin verweisen; hier will ich also blos erwähnen, daßdieselbe sich allerdings nach den Umständen mannichfaltig abändert, im Allgemei-nen aber am besten in folgendem Maße vollführt wird: Entweder in den mittlernVormittagsstunden, oder gegen Abend in einem ruhigen, nur mäßig warmen undmäßig erleuchteten, mit reiner Luft erfüllten Zimmer legt sich die zu magnetisircndePerson leicht bekleidet und bedeckt auf ein einfaches Lager, vor welchem der Magne-tiseur sich stellt und die Operation beginnt, indem er beide ausgebreitete mit denDaumenspitzcn sich berührende Hände zuerst gegen den Obertheil des Kopfes der zumagnetisirenden führt, sodaß nur die Fingerspitzen das Hanpt leicht berühren. Ebensoführt er dann jcderseits des Halses die nun sich trennende Hände herab und überden Armen hernieder, bis über die Hände des Kranken hinweg, dessen Finger wol

*) Es sind die sogenannten Pacini'schen Körperchen, deren jedes das Ende einer Primitiv-nervenfastr in vielfache zarte nur mikroskopisch erkennbare Hüllen eingeschlossen enthält.

**) «Anleitung zur Msmer'schen Praxis" (Stuttg, 1852).