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Zehnter Band.
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294 Lebensmagnetismns — Magie.

welche ohne magnetische Hülfe gewiß nicht beendet worden wäre; jedoch auch nurunter schwer zu erfüllenden Bedingungen hatte durch Magnetismus allein zu so glück-lichem Erfolg geführt werden können. *) . .

Man erkennt hieraus, daß es ein großes und durchaus abzulegendes Vorurkhcilgenannt werden muß, wenn man glaubt, daß Arzneimittel nicht mit der Anwen-dung des Magnetismus sich vertrügen; im Gegentheil, sobald wirklich ein umsichti-ger, die Krankheit richtig erkennender, und in mesmerischer wie medicamentoser Be-Handlung recht erfahrener Arzt die Cur leitet, so wird vielmehr aus zweckmäßigerVerbindung beider unfehlbar dem Kranken großes Heil erwachsen. Man wird hierinmich besser verstehe», wenn ich bei dieser Gelegenheit noch etwas näher auf dieWirkungsweise der Arzneimittel überhaupt eingehe und darüber einige Andeutungengebe, deren weitere Ausführung ich mir freilich gleichfalls für einen andern Ort vor-behalten muß. Erwägt man nämlich im Allgemeinen, wie Natnrkörper aufeinander,und also auch Arzneistoffe auf Thier- oder Menschenkörper wirken, so ist immer amzweckmäßigsten die mechanische, chemische und dynamische Wirkungsweise zu unter-scheiden. Mechanisch wirkt ein Körper durch Stoß oder Druck (so braucht manzum Heilzweck flüssiges Quecksilber in,, manchen Krankheitsfällen, um durch dessenSchwere und Druck im Darmkanale Öffnung zu erhalten); chemisch wirken Dingeaufeinander, indem sie ihre Mischung umändern (so gibt man kohlensaure Magnesia,um überschüssige Magensäure zu tilgen); dynamisch aber wirken theils Stoffe auf-einander, theils Stoffe auf lebende Körper, indem sie ihren Kräftezustand irgendwieumstimmen (auf solche Weise wirkt also der Magnetstein auf das Eisen, indem erdasselbe magnetisch macht, auf ähnliche Weise wirkt mineralischer Magnetismus undebenso Opium oder Kirschlorber auf den Menschen, und endlich auf gleiche Weiseder Mensch auf den Menschen im Mesmerismus). — Schon dieser ganz kleine Über-blick macht es anschaulich, daß der Lebensmagnekismus als eine vollkommen dyna-mische Einwirkung durchaus nahe steht den ebenfalls dynamischen Einwirkungengewisser Medikamente; allein noch mehr wird man von dieser Verwandtschaft sichüberzeugen, wenn man (wovon noch im Folgenden besonders die Rede sein muß)erfährt, daß man von Wasser, Kohlen, Glas und Eisen, ja von Thieren und Bäu-men mesmerische Einwirkungen beobachtet hat, welche demnach noch ein bestimmteresMittelglied zwischen Medicamentenwirkung und magnetischer Manipulation darstellen.Man muß hierbei sogar noch an eine besondere Classe speciell - dynamischer Wir-kungen gewisser Substanzen erinnern, welche seit Berzelius mit dem Namen derkatalytischen bezeichnet worden sind. Dergleichen beobachten wir z. B. an gewissenzur Beförderung des Verdauungsproceffes wichtige» Substanzen (llopsiu, Salzsäure),welche blos dadurch, daß sie bei diesem Processe vorhanden sind und ohne dabeiirgend etwas von ihrer Substanz zu verlieren, diese eigenthümliche Art von Gäh-rungsvorgang befördern. Wer hindert uns also, daß wir in solchem Falle sagen:„diese Substanz, deren Wirkung wir eine katalytische nennen, magnekisire gleichsamhierbei diesen Proceß", und ferner: „es werde durch die Naturkraft eines Medicaments— das heißt eben durch die eigenthümliche göttliche Wesenheit eines gerade mitdieser Eigenschaft geschaffenen Arzneikörpers — der menschliche Organismus gewisser-maßen magnetisch afficirt und in der einen oder andern Weise umgestimmt?" Manmuß dabei nicht vergessen, daß die meisten, und namentlich die vorzugsweise dyna-misch einwirkenden Arzneistoffe Produkte organischen Lebens sind, daß sie entwederaus den Blüten oder Früchten, oder Blättern und Wurzeln einzelner Pflanzen, oderdaß sie aus dem Thierreiche hervorgehen, und daß sie gerade dieser Beziehung ihreoft völlig magische Einwirkung auf anderes thierisches oder selbst mcnsch-lisches Leben verdanken! Bringt ja doch das Thierleben Substanzen hervor (ich darfnur an das Schlangengift oder Wuthgift erinnern), welche mit wahrhaft dämvni-

*) Eine Reihe recht einfach „erzählter Thatsachen von der heilenden Kraft dieser Behand-lung sehe man m Bohrens' „Über die Heilkraft des Lebensmagnetismus" (Essen 1819).