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Zehnter Band.
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296 Lebensmagnetismus — Magie.

durch auf den Gegensatz gerade zweier im richtigen Verhältnisse zueinander sich be-findenden Individuen gegründet, er wird in rechter Maße keineswegs überall sich an-wenden lassen, und selbst so kann er mitunter seine Bedenken haben, welche indeßdann gänzlich schweigen müssen, wenn dieses Mittel, als das entweder Palliativ oderradical curativ einwirkende und allein angemessene, oder wol gar als das allein mög-liche anerkannt worden ist.

Eine besondere Besprechung verlangt übrigens bei dieser Gelegenheit noch dieFrage, was es mit den Selbstverordnungen und den Verordnungen für andere Krankebei denjenigen Personen für ein Bcwandtniß habe, welche durch Magnetisiren inSchlafwachen oder förmlichen Somnambulismus versetzt worden sind, und wie weitdenselben Vertrauen zu schenken sei? Bekanntlich liegt hier die Sphäre, wo durchden Magnetismus besonders viel Aufsehen, Confusion und Conflicte mit bestehendenstaatlichen Einrichtungen herbeigeführt worden sind, und wer irgendwie bei Verwal-tungen von Ämtern, welche mit der öffentlichen Gesundheitspflege sich befassen, län-gere Zeit betheiligt war, wird sich sicher mancherlei Noth und Streitigkeiten undÜbertretungen erinnern, zu denen das Verordnen von Heilmitteln durch Somnam-bulen geführt hatte, ja man weiß, daß noch jetzt nicht leicht eine große Stadt ge-sunden wird, in welcher nicht eine oder einige Somnambulen bereit wären, dergläubigen Menge gegen bestimmte Honorare ihre Weissagungen mitzutheilen. Mirselbst sind denn in einer langen Reihe von Jahren eine ziemliche Anzahl solcher Aus-sprüche bekannt geworden, ja ich habe über so manche derselben mein Gutachten ab-zugeben gehabt, muß jedoch entschieden erklären, theils, daß Alles was dergleichen Aussagenin diagnostischer Hinsicht über die Natur vorgelegter Krankheitsfälle enthielten, stets insehr allgemeinen, oft ganz »»physiologischen und meist stark nach den Theorien einerveralteten Humoralpathologie schmeckenden Ausdrücken gehalten, und nie im Standewar, ein im neuern Sinne der Krankheitslehre entworfenes Bild irgend eines innernLeidens darzustellen, theils, daß die gegebenen Verordnungen entweder auch ganzallgemein und mehr diätetisch erschienen, oder, wenn sie bestimmte Medicamentcn-vorschriften betrafen, fast lauter unbedeutende, mitunter selbst widersinnige oder ge-radezu schädliche Angaben enthielten. Ein einziger Fall genüge statt aller ähnlichen!Es wurde mir einst bekannt, daß einer fremden in Dresden weilenden Krankenvon einer pariser Somnambule, nach Einsendung einer Haarlocke erst eine confuseBeschreibung ihrer Krankheit, und dann die Verordnung gegeben wurde, zu bestimm-ten Zeiten eine Dosis gestoßenes Glas einzunehmen!! Die Folgen einer solchenMeditation hätte man sich denken können! Glücklich für die Kranke, daß die Aus-führung der Verordnung zu hindern war.

Indem ich somit allerdings das größte Mistrauen aussprechen muß gegen jeneClasse sogenannter Somnambulen, welche aus der ärztlichen Praxis eine Art Hand-werk machen, stelle ich dagegen durchaus nicht in Abrede, daß theils von selbst inein Schlafwachen (Jdiosomnambulismus) verfallene, theils durch Mesmerismus in densogenannten Hochschlaf gebrachte Kranke ein bestimmtes Gefühl von Dem habenkönnten, was ihnen gut sei und was zur Heilung ihrer Krankheit benutzt werdenmochte; im Gegentheil ist dieser Jnstinct, der ganz vom Unbewußten regiert wird,unter solchen Umständen eine ganz natürliche Sache *) und verdient es jedenfalls,daß der Arzt, wenn auch nicht allemal unbedingt diesen Verordnungen nachgehe,doch ihnen gewiß eine besondere Beachtung gönne. Ebenso kann es in einzelnenFällen sehr wohl vorkommen, daß, wie durch eine Art von zweitem Gesicht, derglei-chen Schlafenden der Zustand eines andern Kranken dergestalt anschaulich und fühl-bar wird, daß sie sich sympathetisch gleichsam in ihn hineindenken und so auch em-pfinden, was im Allgemeinen wol ihm hülfreich sein könne, allein sicher ist es , daß

*) Es E mw ein Fall bekannt, wo eine Kranke dieser Art das Gefäß in einer Apothekeund den Stand desselben in der Officin beschrieb, welches das Mittel enthalte, wodurch siegene>cn werde; und wirklich hatte diese vom Arzte befolgte Angabe einen vollkommen gün-stigen Erfolg für die Kranke. ° "