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Zehnter Band.
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293 LeLensmagnetismus — Magie.

Nächst dem Wasser können Wolle, Baumwolle, Leinwand und Glas magneti-strt werden und bringen manchen magnetisch behandelten Kranken dann, wenn siedieselben auflegen, Erleichterung von ihren Beschwerden. Weniger eignen sich, weilsie selbst schon entschieden magnetisch, diamagnekisch oder elektrisch sind, die Metalledazu, als Stellvertreter bei mesmerischer Behandlung zu dienen; Gold und Zinkvielleicht noch am meisten. Was nun die sogenannten Bagueks betrifft, welchenamentlich aus Eisen, Kohlen und Glas construirt werden, so ist ihre Wirkung imGanzen jedenfalls mehr der eigenthümlich elektromagnetischen Eigenschaft dieses Me-talls selbst ztizuschreiben und daher es sehr zu billigen, wenn dieser Wirkungsweiseein eigener Name, wie der von I. W. Ritter *) eingeführte des „Siderismus"(von acösspo; Eisen) beigelegt wird. Die ersten Angaben von Mesmer zur Construi-rung eines sogenannten Baguet waren die, daß man im Innern eines hölzernenbedeckten Bottichs, eine Anzahl mit magnetisirtem Wasser gefüllte Glasflaschen con-centrisch, die Mündungen nach innen legte und dann mit Wasser und Eisenfeileüberschüttete. Ein in der Mitte sämmtlicher Flaschen eingesteckter Eisenstab wirddann theils durch abgehende eiserne Seitenäste oder durch daran befestigte wolleneBänder mit den Kranken in Verbindung gesetzt, welche dann durch ein gelindesStreichen gegen sich hin die Heilwirkung sich zuführten. In Deutschland wurdendiese Apparate von Wvlfart am vollkommensten ausgeführt und bei Kranken ange-wendet. **). Kiefer verfolgte diese Angelegenheit unter dem Namen des Siderismusund Tellurismus noch mit mehr wissenschaftlichem Geiste, und manche merkwürdigeThatsachen darüber liegen in den Zeitschriften jener Jahre vor, auf welche ausführ-licher einzugehen mir indeß der Raum verbietet.

Endlich will ich denn auch noch des mesmerischen Einflusses gedenken, welcherBäumen und Thieren zugeschrieben worden ist und in so mancher Beziehung nichtgeleugnet werden darf. Wie namentlich aber gewissen auf der Höhe des Pflan-zenlebcns erscheinenden Producken es merkwürdig eignet, das bewußte Seelenlebenherabzustimmen und das unbewußte zu heben, so liegt allerdings auch eine besondereunmittelbare Einwirkung dieser Art in der Atmosphäre der Bäume. Alte Bäumemit ihren mächtigen Stämmen und weithin schüttenden Gipfeln spielen eine Haupt-rolle in den Mythen und Legenden aller Völker, und die eigene Ruhe und Stille,die uns in unsern Wäldern empfängt, ist sicher nicht blos die Wirkung vermehrtenKühlung und verminderten Lichts (wie ganz anders wirken Kühle und Schatteneines alten Gemäuers auf uns), sondern es liegt hier etwas Unmittelbares, worüberman abermals nur von sehr sensitiven Personen bestimmtere Auskunft einsammelnkann. Man sehe eine solche Person eine zeitlang in eine Lage, daß sie z. B. mitbeiden Fußsohlen den glatten Stamm einer etwa 60- oder 80 jährigen Lindeberührt, und sie wird einen bestimmten, ihrem Nervenlcben vernehmbaren Einfluß,namentlich in Beruhigung und Kräftigung bestehend, nicht verkennen lassen. Sotrat z. B. bei der obenerwähnten Kranken, welche so stark gegen magnetisirtes Wasserreagirte, dasselbe Luftaufstoßen ein, wenn sie die Füße gegen einen lebenden Baum-stamm stellte. Verband man daher schon früher Baumstämme durch Leitungsstabemit Bagucts, aus Flaschen magnetisirten Wassers auferbaut, so war dies in derTheorie ohne Zweifel gerechtfertigt, obwol bestimmte Thatsachen über Einwirkungsolcher Verbindungen zum Heil in Krankheiten schwerlich mit Sicherheit nachzuweisensein möchten. Anders verhält es sich in dieser Beziehung mit den Einwirkungenthierischen Lebens, allwo unzweifelhafte Facta wol jedem erfahrenen Arzte vorliegen.Ich will hier nämlich nicht sowol auf die Einwirkung einzelner lebender Thiere ein-gehen, obwol dieselbe jedenfalls in vielen Fällen entschieden mesmerisch ist, dergestalt,

*) „Der Siderismus", herausgegeben von Z. W. Ritter, Bd. I, Stück 1 (Tüb. 1808)-Kiefer gründete hierauf späterhin sein „System deß Lellurismus".

**) Man sehe die Beschreibung seines Baguets bei Wolfart, „Jahrbücher des LebenSmagne-

tismus", Bd. l, S. 1»4 (Leipzig 1818 ).