Band 
Zehnter Band.
Seite
303
JPEG-Download
 

Lebensmagnetismus — Magie. 303

ganz in der Weise zu erklären sein mochten, wie es Amoretti thut, doch immer vielMerkwürdiges enthalten.

Gewiß, die Wissenschaft befindet sich Erscheinungen dieser Art gegenüber, woauf das Subjective ein so großes Gewicht gelegt wird, immer in einem eigenen Falle.Einerseits ist es schwer, Männer» wie Thouvenel, Amoretti und Ritter, die einengroßen Theil ihres Lebens solchen Experimenten gewidmet haben, sowie dem seit Jahr-hunderten bestehenden Glauben des Volks, daß es Menschen gegeben habe, welchedurch mystische Operationen Quellen, Kohlen und Metalle tief unter der Erde inihren Ursprüngen und Lagerstätten angezeigt haben und noch jetzt anzeigen könnten,mit einem Federstriche alle Möglichkeit der Wahrheit hinwegzunehmen, und anderer-seits ist es den Männern der exacten Wissenschaft nicht zu verdenken, daß sie sichdie Hypothesen neuer unerhörter Naturkräfte nicht obtrudiren lasse» wollen, welchenun einmal nicht durch entschiedene Reagentien und allgemein gültige Beweisfüh-rungen gänzlich außer Zweifel gesetzt werden können! Dergleichen Betrachtungenhatten mir schon vor vierzig Jahren viel zu denken gegeben, und fasse ich nun jetztAlles zusammen, was eigene vielfältige Experimente und wiederholte Überlegung mirseitdem darüber erschlossen haben, so finde ich, daß ich zwar in einiger Beziehungmit Dem zusammentreffe, was Herr Chcvrcul in dem genannten Aufsätze und nament-lich in einem im Jahre 1833 geschriebenen und jetzt zum Theil wieder abgedrucktenBriefe *) hierüber ebenfalls auseinandergesetzt hat, daß ich aber doch mich genöthigtsehe, in anderer Beziehung mich wesentlich davon zu entfernen. Vor allen Dingenist es hier von höchster Wichtigkeit, Subjectives und Objectives immer streng zu un-terscheiden, und wie leicht darin gefehlt wird, haben wir noch neuerlich in einer ver-wandten Angelegenheit gesehen, welcher beiläufig hier um so mehr einige Worte gewid-met werden sollen, als ich hoffen darf, daß dadurch zugleich Manches in den unSeben vorliegenden Gegenständen rascher aufgeklärt werden könnte. Ich meine dieErscheinungen, von welchen Herr von Neichenbach in seinen „Odisch-magnetischen Brie-fen" vor einigen Jahren das Publicum der „Allgemeinen Zeitung" unterhielt undworüber späterhin ein paar eigene Schriften **) von ihm herausgegeben worden sind.Das Wesentlichste dieser Darstellungen beruhte darin, daß Beobachtungen mitgetheiltwurden über gewisse Wahrnehmungen besonders sensitiver Personen, welche auf eineArt von Ausströmungen aus verschiedenartigsten Substanzen schließen ließen, diebald elektrischer, bald magnetischer, bald rein vitaler Natur zu sein schienen und

welche nun Herr von Neichenbach unter den Namen „Od" — eine willkürliche

und auch wol an Odin erinnern sollende Abbreviatur von „Elektroden" (dengalvanischen oder elektrischen Stromleitungen) — zusammenfaßte. So wurde behauptet,daß sensitive Personen die Pole des Magnets im Dunkeln als lichtausströmend er-blickten, daß ihnen die verschiedenen Polaritäten an Krystallen, Metallen, Bäumen,

Thieren und Menschen in ähnlicher Weise fast wie bei den aufgeführten Pcndelver-

suchen Amoretti's vernehmbar würden, und allemal sollte dies eben das gehcimniß-volle „Od" sein, welches sein Dasein in dieser Weise offenbarte. Nun sagt aberschon Laplace bei derselben Gelegenheit, wo wir seine Worte früher angeführt ha-ben: „lls tou» lss Instruments gue nous pouvons emploz'or pnur eonnuitro lessgens iwpercsptililes cis la naturo, Iss plus sensibles sont Iss nerls", und erhinzufügen können, daß hier geradezu ein Jncommensurables vorliege, dain Wahrheit nicht füglich zu sagen ist, bis zu welcher Feinheit und Unterschcidungs-macht namentlich die Nerven mancher Sinnesorgane sich ausdehnen können. Beialledem würde es nothwendig ein Fehlschluß sein, wenn man sagen wollte: „Das-jenige, was von einem mit besonders feinfühlenden Nerven mehr wahrgenommenwird, als von Menschen mit gewöhnlich fühlenden Nerven begabt, muß deshalb ein

*) „ koui'nsl des savsnts", April 1851, S- 229.

über die Dynamik des Magnetismus, der Elektricität u. s. iv."^ E., Braunschweig 1819), und „Der sensitive Mensch" (Bd. I, Stuttg. 1851).