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Zehnter Band.
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Das Eisenbahnwesen.

fang an gefunden, sondern auch bis zur Stunde behalten haben. Doch muß manunter ihnen Solche unterscheiden, welche die Einrichtung der Eisenbahnen wegen derökonomischen Folgen für die Gemeinwohlfahrt bekämpfen — diese haben allmälig einge-sehen, daß ihre Annahmen und Berechnungen irrthümlich waren oder daß die wirk-lich nachweisbaren kleinen Übelstände, den massenhaften wohlthätigen Wirkungen ge-genüber ^ kein entscheidendes Gewicht haben können; und dann solche Gegner, welchedie Eisenbahnen als ei» schlimmes Ergebniß und eine schlimmere Ursache von Erschei-nungen jenes „materiellen" Geistes der Neuzeit ansehen, den sie in seiner Wurzelwie in allen seinen Blüten und Früchten aus moralischen und politischen Motiven zubekämpfen für Pflicht halten. Die Argumente dieser Gegner beruhen zum Theil ausreinen Einbildungen und jener vulgären Unkenntniß und Urtheilsunfähigkcit, welcheökonomische Erscheinungen erfaßt zu haben glaubt, wenn sie ein kleines Stück Außen-seite mit vorgefaßter Meinung der Betrachtung unterwirft; zum Theil aber sind jeneArgumente vollständig begründet und durchaus wahr, und der Grund, weshalb siekeine neuen Massen von Kampfgenossen werben, liegt nur darin, daß man auf derandern Seite gerade in der Wahrheit jener Argumente einen Grund mehr zur Befür-wortung der Eisenbahnen erkannt hat.

Äle geographische Verbreitung.

Wenn auch heutzutage kaum ein civilisirtes Volk genannt werden kann, welchesauf seinem Territorium noch immer gar keine Eisenbahnverbindungen besäße, so istdoch das Verhältniß, in welchem diese in den einzelnen Ländern zur Stunde verbrei-tet oder auch im Wachsthum begriffen sind, ein sehr verschiedenes, wie man dennauch der Zeit nach hier rasch vorangeschritten, dort mit einem größern oder geringernMaß von Energie nachgefolgt und an einer dritten Stelle langsam und mühsamnachgehinkt ist. Der Grund dieser Erscheinung in einer Zeit, in welcher sich so raschalle Fortschritte des Erstndungswesens und der ökonomischen Verbesserungen zu ver-breiten Pflegen, liegt in mancherlei Umständen. Es war doch auch die Schnelligkeit,niit welcher man sich die Einsicht in die Nutzeffecte des neuen Transportmittels ver-schaffte, um so mehr eine verschiedene, als diese Einsicht eben erst an praktischen Er-fahrungen gewonnen werden mußte. Um so mehr konnten sich die Unterschiede dernationalen Charaktere aus der Gesammtlage der politischen und ökonomischen Ver-hältnisse in den einzelnen Ländern geltend machen. Unternehmungsgeist der Pri-vaten oder der Regierungen, ein großes Maß des bereits vorhandenen binnenländi-schen und internationalen Handelsverkehrs, entschiedene Neigung für ökonomische Ver-besserungen, Capitalbesih in den Händen der Einzelnen, guter Stand der Kasse, derEinnahmequellen oder des Credits des Staats, politischer Friede, Mangel eines un-gewöhnlichen Maßes von Terrainschwierigkeiten — diese Dinge sind es vornehmlichgewesen, denen man eine raschere Einführung und Verbreitung der neuen Transport-mittel verdankte, gleichwie sie noch immer von entscheidender Bedeutung für dieEntstehung neuer Eisenbahnverbindungen sind, nur daß sich längst auch die Capi-talkräfte des Auslandes bei einigermaßen guten Aussichten für den Betrieb zur Her-stellung von Schienenwegen bereitwillig eingestellt haben. Schon jetzt läßt sich mitvollster Bestimmtheit sagen, daß alle wichtigern Landstraße» mit der Zeit durch Ei-senbahnen werden ersetzt werden, wie denn auch kein Land genannt werden kann, inwelchem nach bereits bewerkstelligter Herrichkung ausgedehnter Schienenwege derNeubau stillstände. Ebendeshalb muß man offen bekennen, daß jede Zusammenstel-lung der gegenwärtig im Betrieb befindlichen Eisenbahnen in kürzester Frist veraltet.Dennoch haben wir auch hier Motive genug, um dem Leser eine solche Uebersichtdes gegenwärtigen Bestandes der Schienenwege in den bedeutendsten Ländern vor-zuführen, wonebeu wir bei einzelnen Staaten auch die durch die einzelnen Jahre hin-durch sich vollziehende Ausdehnung des Eisenbahnbaus erwähnen wollen. *)

*) Es sei in Bezug auf die statistischen Angaben bemerkt, daß der Verfasser im Sommer1854 die vorliegende Abhandlung niedergeschrieben hat. D. Red.