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Das Eisenbahnwesen.
stellt. England mit seinen Privatbahnen hat enorme hohe Sätze; in Frankreichhalten sich beide Arten von Bahnen rücksichtlich dieses Punktes in gleichem Niveau;Belgiens Staatsbahnen haben niedrigere Tarifsätze, namentlich für den Personenver-kehr, der freilich ganz besonders erleichtert werden soll. In Deutschland gibt esPrivat- und Staatsbahnen mit hohem und mit niedrigem Tarif; und wenn es auchwahr ist, daß die bairischen und würtembergischen Staatsbahnen die wohlfeilstenDienstleistungen dem Publicum bieten (für die III. Classe: 0,024 und 0,029 Francspro Kilometer), so steht ihnen doch auch die Main-Weser Staatsbahn mit über 0,04gegenüber. Nur aus den Staatsbahnen indessen wird man sich unter gewissen Um-ständen einmal dazu entschließen können, durch die Einnahme einzig die Verzinsungdes Anlagecapitals und gar nichts darüber hinaus decken zu wollen; ja sie könnten,und wiederum nur sie allein, möglicherweise in der Senkung des Tarifs sogar nochweiter gehen, wenn man die Dienstleistungen der Eisenbahnen für das verkehrendePublicum an sich als „einen Lohn, der reichlich lohnet" anzusehen sich entschließen sollte.
Ze vorurthcilsfreier und aufrichtiger wir diese Reihen von Elementen zur öko-mischen Berechnung über die uns vorliegende Frage dem Leser vorgeführt haben, umso sicherer fühlen wir uns bei der Wiederholung des Urtheils: daß sich, wie dieDinge bis heutzutage stehen, aus diesen finanziellen Elementen durchaus kein berech-tigter allgemeiner Schluß ziehen läßt, ja daß die Verhältnisse jeder einzelnen Bahnviel zu individuell find, um die finanzielle Seite der einen auch nur neben die einerzweiten so ohne weiteres zum maßgebenden Vergleich hinstellen zu dürfen. Wir sindüberzeugt, daß in Ländern mit gemischtem Bau nicht nur jede der beide Arten — diePrivatbahnen wie die Staatsbahnen — sich ihre besondern Dienste um den Verkehrund das Publicum erworben haben, sondern daß beide auch ihre Dienste gegenseitigsteigern durch ihre offenkundige Concurrenz vor dem Urtheil der öffentlichen Meinung.
Nächste Folgen für das Leben; alsbaldige Veränderung in einigen Erwerbszweigen;
Bestimmung der Verkehrsrichtungen.
Wir habe» oben die ökonomischen Nuheffecte der Eisenbahnen besprochen unddaraus den Eindruck erhalten, wie sie nicht nur ihrer Art nach durchaus bedeutsamfür die Bedürfnisse des Verkehrs sind, sondern wie sich auch die Leistungen derEisenbahnen, wo eine Verglcichung mit den Leistungen der frühern Transportmittelzulässig ist, dem Grade nach so stark hervorheben, daß man auf sehr deutlich wahr-nehmbare Wirkungen für das Leben gefaßt sein kann. Und dies ist überall bereits auchhervorgetreten I An vielen Stellen kommt es mehr auf ein offenes Auge an als aufein scharfes, mehr auf genügende Kenntniß, um einen Vergleich anstellen zu können,als auf ein außergewöhnliches Maß von Einsicht, um ihn richtig zu beurtheilen.Gleich hier verweisen wir abermals auf die notorische und sofortige Wirkung der Ein-führung einer glücklich combinirten Maschine auf dem Felde der industriellen Gewerbs-arbeit: Hunderte von Händen, welche vordem durch ihre Arbeit Verdienst gewannen,stellt diese augenblicklich zur Ruhe, um bald Tausenden wieder Arbeit zu verschaffen,nur daß diese Tausende von neu beschäftigten Arbeitern auf einige Umbildungen inihrer Werkarbeit eingehen müssen. Ganz dieselbe Erscheinung zeigt sich sofort bei denEisenbahnen, und wenn man sie in dieser Gestalt sich vorführen muß, so soll manauch ihr thatsächliches Einwirken weder verdecken, noch als durchaus unerheblich hin-stellen. Die Eisenbahnen ziehen durch die unwiderstehliche Machtwirkung ihrer Nutz-effecte alsbald den gesummten Verkehr der Landstraßen, welche in ihrer Längenrich-tung laufen, auf sich. Die gewöhnliche Straße verödet, und jeder fernere Versuch zurAusrechthaltung einer Concurrenz schlägt zum Verderben des Hartnäckigen aus. DerFrachlfuhrmann feiert, der Schmied, der Wagner, der Krämer, die ganze Massejener an den alten Landstraßen angesiedelten kleinen Leute verlieren mit einem malden althergebrachten Verdienst; auch der Gasthof, die Schankwirthschaft mit ihremlauten Leben ist plötzlich verödet. Aber es erwächst auch für einen etwas verändertenGeschäftsbetrieb oder für denselben an einem andern Orte eine um so besser sprudelnde