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Zehnter Band.
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344 Das Eisenbahnwesen.

Nahrungsquelle. Der neue Transportdienst mit seinem unvergleichlich gesteigerten Der-kehr verlangt weit größere Mengen von Handarbeit, welche »ach wie vor den Ver-richtungen für das „Geschäft" der Transportmittel angeheftet bleibt. Da gibt es Ar- '

beit und Lohn genug und weit mehr wie früher für Packer, Aufläder und alle jenedienstthuenden Anhängsel des Fahrdienstes. Bald entsteht eine Menge von mehr oderweniger rechtwinklig einmündenden neuen Nebenstraßen, und auf ihnen und in dengrößer» Städten braucht man zwar keine Hauderer und Fuhrknechte alten Stils, aberdesto mehr Droschkenführer. Die Aählungen in Belgien und England beweisen eslängst, in welchem Umfange der Fahrdienst des Pferdes im Allgemeinen durch dieTransportvermehrungen der Eisenbahnen gegen früher zugenommen hat. Es giltalso hier entweder nur eine Dislocirung oder auch eine kleine Änderung im Betrieb.

Auch der Gastwirth muß seine Halle an einer andern Stelle öffnen, um zahlreichernZuspruch zu finden. Jene Wagner, Schlosser, Schmiede aber brauchen auch nichtsAnderes zu thun, als eben dies: an sie tritt jeht erst dieselbe Nöthigung, zu der sichso viele städtische Gewerbtreibende längst durch Einführung der Maschinenindustrie ge-zwungen gesehen haben. Sie müssen in der Stadt, im Bahnhöfe oder in der Waggons-fabrik sich an die große Unternehmung anschließen. Sie müssen zwar ihre frühereArbeitsweise und volle Selbständigkeit aufgeben und einrangirte untergeordnete Gliedereines großen Ganzen werden, dafür erlangen sie aber auch bessern Verdienst undFreiheit von jenen täglichen Sorgen, jenem gefahrvollen Risico, welches für das Ge-fühl und die Berechnungen des Kleinmeisters in unsern Tagen längst nicht mehrdurch die äußere „Freiheit und Selbständigkeit" seiner Geschäftsführung ausgewogenwurde. So muß es zwar offen eingestanden werden, daß die Einführung der Eisen-bahnen für viele Geschäftsleute zu einer Störung in ihrem seitherigen Geschäfts-betriebe oder zu einer vollständigen Beseitigung der altgewohnten Quellen des Ver-dienstes wird, aber sie trägt, wie immer die Einführung großer, für das Ganze un-bestritten wohlthätiger Neuerungen, die Mittel zur Heilung und die Wege zum Bes-sern für den Bedrängten in sich selbst.

Jene unwiderstehliche Kraft der Eisenbahn, wonach sie vermöge der gewaltigenNuheffecte ihrer Transportleistungen den Verkehr aus der frühern Landstraße in paral-leler Richtung an sich zieht, und zwar mit einer Stärke an sich zieht, daß auch na-mentlich für den Transport auf weitere Strecken hin bedeutende Umwege nicht ge-scheut werden, um eine Eisenbahn zu erreichen: diese Kraft äußert nun unnüttel- >-

bar eine andere bedeutungsvolle und bleibende Wirkung, die zunächst erwähntwerden muß. Diese besteht darin, daß die Eisenbahnen die Richtung bestimmen,in welchen sich fortab der Verkehr bewegt; daß sie die Linien bezeichnen, über welchehin der Zug der Personen und Waarengüter geht, die überhaupt von Ort zu Ortwollen. Nun sucht zwar allerdings die Eisenbahn gleichfalls ebenso wie die früherfrequentirte Landstraße große volkreiche Städte, die Mittelpunkte der Produktion vonallerlei Art, die menschenreichen Landstriche auf; doch ergeben sich schon hierbei durchdas Bedürfniß der Eisenbahnen nach möglichst geraden und ebenen Wegen viele Ab- ;

weichungen von der frühern Route im Einzelnen: Flüsse und Thalübcrgänge, Berge i

und Abgründe, welche früher umgangen werden mußten, sind jetzt mit einem mäch- !

tigen Aufgebot von Capital und technischer Kunst passirbar geworden u. s. w. Die '

Sache erhält aber mit einem mal eine unvergleichlich größere Dimension, sowie mandie Transportverbindung zwischen weit voneinander entlegenen Hauptpunkten des Ver-kehrs ins Auge faßt. Da können plötzlich ganz neue Routen, die weit von denfrüher üblichen oder nothwendigen abliegen, die belebten Träger des mächtigsten Der-kchrs werden. Außerdem tritt auch noch eine weitere, sehr bedeutende Thatsachehinzu. Bei der frühern Gestalt der Landtransportmittel hatte die Schiffahrt ent-scheidende Vorzüge vor der Frachtfuhre. Man konnte auf der Wasserstraße nicht nurin der Regel weit rascher die Verbindung zwischen weit voneinander entlegenen Punk-ten bewerkstelligen, sondern auch viel wohlfeiler. Das galt schon für Punkte, welchedurch gewöhnliche Straßen erreicht werden konnten, noch mehr aber natürlich dann,