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Zehnter Band.
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Das Eisenbahnwesen.

wenn die Landstraßen selbst die billigsten Ansprüche nicht befriedigten. Die Ver-besserung der Schiffahrt, durch welche dieses Ergebniß erzielt wurde, fällt etwagleichzeitig mit der Auffindung des Seewegs nach Süd- und Ostasien von Europaaus. Immer entschiedener verödeten seitdem die früher so lebhaften Verkehrsstraßen,an denen sich die Blüte der großen Handelsstädte im Mittelalter emporgerankt hatte.Während es auf den Landstraßen von Konstantinopel aus nach Westen und Nord-westen, von Venedig, Mailand, Florenz und Genua aus nach Norden hin immerstiller wurde, belebte sich umsomehr die ostwestliche Wasserstraße aus dem Mittel-ländischen Meere und die über den Atlantischen Ocean um Afrika herum. Es er-folgte eine totale Verlegung der frühern Verkehrsrichtungen. Aber auch gegen dieStrom- und Kanalschiffahrt standen die Landtransport«»!»«! so entschieden im Nach-theil, daß man, wo sich Strome darboten und die Anlage von Kanälen leicht war,nicht im Zweifel verblieb, auf welchem Wege das Transportwesen am besten geför-dert werden könne. Diese Sachlage hat selbst durch die vielen und großen Ver-besserungen der Landstraßen in der neuesten Zeit keine erhebliche Änderung erfahren:diese haben wol den Verkehr im Binnenlande lebhafter gemacht, nicht aber mit derSchiffahrt concurriren können. Erst durch die Eisenbahnen ist dieses Verhältniß wie-der zu Gunsten der Transportwege aufgehoben worden, und selbst die gleichzeitigeEinführung der Arbeitsleistung der Dampfmaschine auf dem Schiffe vermag wol nurden Umschlag zu mindern, nicht ihm vorzubeugen: die entscheidende Herrschaft derWasserstraße ist gebrochen. Man verwechsele diese Thatsache nicht mit der Beseiti-gung der Wasserstraße. Im Gegentheil vervielfältigt sich durch die enorme Zunahmedes Verkehrs überhaupt auch der Transport auf ihr, aber sie entzieht ihn nichtmehr den, Landwege. Die Schiffahrt wird selbst lebendiger und umfassender, weilsie den Eisenbahnen die Waarenmassen zuführt, von ihnen dieselben empfängt, nichtaber weil sie dieselben von ihnen zurückhält. Die freilich auch erst durch die neueConcurrenz der Eisenbahnlinien gesteigerte große Wohlfcilheit der Kanal- und Fluß-schiffahrt, der Umstand, daß für einzelne Waarengattungen ihrer Beschaffenheit wegender Schifftransport besser geeignet ist, wird auch diesen Wasserwegen ihren Werthund ihr Leben erhalten; aber die vielen mit einemmal verwirklichten großen Nutz-effecte Her Eisenbahntransportleistungen sichern den Landwegen ein entschiedenes Über-gewicht, auch wenn man die Richtungen der Flüsse mehr in seiner Gewalt hätteund die Anlage der Kanäle leichter wäre. Mitten in dieser gewaltigen Umbildungder Verkehrsrichtungen steht unsere Zeit: sie ist in lebhaftem Gange, und selbst sokolossale Schwierigkeiten wie die Hochgebirgsregionen der Alpen können die Erneue-rung der Landverbindung zwischen Mittel- und Südeuropa, mit Venedig, Genua,Triest nicht aufhalten. Der kühne Muth, die unzerstörbare Energie, die Fülle derCapitalkräfte und der erstaunenswerthe Fortschritt der technischen Kunst, diese Asso-ciation der schaffenden Kräfte, welche die Associationen der Zeitgenossen in Bewegungsetzen, ist auch nicht vor der Aufgabe zurückgetreten, die mühsamen Fußpfade durchdie Gletscher, den Firn und die Schneefelder der Alpen zu breiten Eiscnwcgcn fürden raschen Lauf der Locomotivc herzurichten.

Stärke und Art des neuen Verkehrs.

Die von uns dargestellten Nutzeffecte der Eiscnbahntransportleistungen sind derArt, daß sie sowol auf den Verkehr, welcher bereits im Gange ist, umgestaltendeinwirken, als auch einen Verkehr, der gleichsam an der Entstehung gehindert war,neu hervortreten lassen. Merkwürdig ist dabei die vollständige Analogie, welche sichzwischen dem Personen - und dem Güterverkehr in diesen beiden Punkten beobachtenläßt. Man kann sich die Sache nach Ursache und Wirkung am besten dadurch klarmachen, daß man sich die Bedingungen der frühern Verkehrsmittel, welche nach derEmführung der Eisenbahnen als Hemmnisse des Verkehrs erschienen, vergegenwärtigt.Nachdem nämlich aus ganz allgemeinen und vielerlei Gründen, von deren Erör-terung wir hier absehen können, ein Gütertransport und ein Personenverkehr zwi-