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schmack ausgestattet und geordnet, daß er sich mit den meisten städtischen Blumen-garten messen konnte.
Dem luftigen Waldbewohner gegenüber erscheinen die Ackerbauern aus dem Mei-ningenschen, Gothaischen und Altenburgischen ehrbar und gravitätisch; sie gelten fürstreng rechtlich und cvnservativ: das Alles thut die Kleiderlast auf dem Leibe undder volle Säckel und Magen! Besonders die altenburger „Sammetbauern" sindwahre Bauernaristokraten. Ohne gegen das alte Gesetz ihrer Hauptstadt, welchesvon dem das Bürgerrecht erwerbenden Landbewohner verlangt, daß er die Bauern-tracht draußen lasse, Repressalien zu gebrauchen, hängen sie mit Zähigkeit an derSitte ihrer Vater, welche ihnen die stolzen Ackerhöfe hinterließen. Von dem großenGrundbesitz wird an einer andern Stelle die Rede sein und des conservativen Sinnshaben wir anderswo zu gedenken. In der Sitte des Hauses und Verkehrs hängendie Landbewohner allerdings sehr am Hergebrachten und Alten.
Ein jeder Hof ist im Grundcharakter wie der andere gebaut. Die Gebäudestehen im Viereck so, daß ihre Rückseiten eine Umfassungsmauer um das Ganzebilden. Nur die der Straße zugewendete Seite des Gehöfts ist von Gebäuden freiund eine Mauer erhebt sich mit einem hohen Thorwege und daneben mit einer Fuß-gängerpforte versehen, welche in der Regel geschlossen sind und erst auf Veranlassunggeöffnet werden. Jede Hauseinrichtung, der Sitz des Gesindes zwischen Thür undFenster, die Ausbewahrung der Löffel an der Wand hinter dem Tische hat her-kömmliche Norm. Von altersher hat der altenburgische Bauernsohn alle Stufendes Dienstes, vom Stalljungen bis zum Schirrmeister, durchzumachen, und mit derTochter wird es ähnlich gehalten. Indem die Kinder also mit den Brüdern undSchwestern des Gutsherrn eine Mittelstufe zwischen ihm und dem fremden Gesindeund den Tagelöhnern bilden, wird dadurch nicht nur das Dienen erleichtert, sonderndem „Gutsbesitzer und seiner Frau auch die volle Unabhängigkeit und Machtfülle fürdie Übersicht der Wirthschaft gegeben. Erst mit der Heiralh des Sohns oder derTochter hört das Dienstverhältniß auf und das junge Paar tritt, sofern die Alternnoch fortwirthschasten wollen, diesen zur Seite; wo nicht, so wird der „Auszug"durch Herkommen geregelt, ohne daß ein Gesetz mehr darüber bestimmte, als ihnnach gerichtlicher Bestätigung zum dinglichen, auf dem Gute haftenden Rechte zu»rächen. Das Sprüchwort: „Zieh' dich nicht aus, eh' du schlafen gehst", findetim stark parcellirten Thüringen oft Anwendung, nicht hier. Im Todesfall des Guts-besitzers ist das Gut bekanntlich Minorat, jedoch wieder nur nach Herkommen. UnterZustimmung aller männlichen Verwandten kann der Hof sogar an den Tochtermannübergehen, sofern dieser den Schwägern reichliche Auszahlung leisten mag. Nichtselten kommt es vor, daß der Minoratserbe bis zu seiner Mündigkeit Knecht bei sei-nem ältern Bruder ist; tritt er sodann in Besitz, so dient dieser fortan ihm. Bisdahin aber verwalten die ältern Brüder mit anerkennenswerther Treue sein Erbguteingetheilt. Erreicht er die Volljährigkeit, so zahlt er an die Geschwister aus, indemdie Verwandten mit dem Friedensrichter des Orts zusammentreten und die Erbschafts-masse unter der Rücksicht „würdern", daß der Familienhof nicht zu schwer mitSchulden belastet werde. „Dafür kannst du es nehmen, dafür könnt ihr's lassen",lautet ihr Spruch, und es ist herkömmlicher Ehrenpunkt, in dieser Richtung keineProcesse zu führen. Hat das Minorat außerdem einige wirthschaftliche Vortheile, in-dem sich die Vererbung dadurch von Generation zu Generation etwas verspätet, soist das jedoch nicht Grund genug, um ihm, wie kürzlich Herr Meyer-Altenburg ineiner Schrift über dasselbe gethan hat, moralische Vorzüge vor dem Majorat beizu-messen. Bei der übrigen sittlichen Haltung des Landes würde ein bäuerlicher Majo-ratsherr unstreitig nicht minder rechtlich denken als der Minoratserbe. Kommen wirauf den, aus der Wohlhabenheit hervorgehenden Bauernstolz im Altenburgischen, somöchten wir diesen keineswegs in Schutz nehmen. Es wird erzählt, daß drei „An-spänncr" am Wirthstische saßen, während der Bauer eines benachbarten Dorfes amandern Tische Platz nahm. Das Gespräch wurde von Seiten der Drei mit den Fra-