Thüringen. 447
zierte, im Schlosse zu Altenburg aufgestellte „Landschaftsuhr" beweist, welche HerzogFriedrich II. vou Gokha und Altenburg im Jahre 1712 nach Beendigung eines Aus-schußtags von der Landschaft verehrt erhielt. Vorwiegend waren die Landtage natür-lich von der Ritterschaft beseht, und der von Gotha B. bestand 1715 auS dreiAbgeordneten des Grafenstandcs, aus sämmtlichen (55) Rittern des Landes unddrei Abgeordneten der schriftsässigen Städte Gotha, Waltershazssn und Tkemar.Für minder wichtige Geschäfte wurden „Deputalionstage" mit einem Ausschuß ausden drei Ständen berufen.
Nachdem die Prüfungsjahre der französischen Oberherrschaft überwunden waren,beeilten sich die durchweg wohlwollenden Regierungen, die dem Volke geschlagenenWunden nach Kräften zu heilen. Man erwartete viel von den durch Artikel 15 derDeutschen Bundesacte verheißenen landsta'ndischen Verfassungen, und der Eifer KarlAugnst'ö von Weimar für Humanität und Civilisation regte sich, indem der nun-mehrige Großherzog, der als Fürst, Soldat und Regent der politischen Praxis näherstand als seine poetischen Freunde, und der die Feldzüge von 1792 und 18l5 mit-gemacht hakte, auf Grund der Verfassungsnrkunde vom 5. Mai 1816 aus den Ab-geordneten des großen Grundbesitzes (nicht mehr der Ritterschaft), der Städte undder Bauern einen regelmäßigen, mit hinreichender Nechtsbefugniß ausgestatteten Land-tag bildete. Schon 1809 hatte Karl August die abgesonderten Verfassungen der dreiLandesthcile Weimar, Jena und Eiscnach zu einer ständischen Deputation vereinigt;die Ausbildung war durch die Ereignisse unterbrochen worden, allein jene Grund-lage ermöglichte jetzt die organische Entwickelung. Den Ansprüchen der jüngsten Ver-gangenheit gegenüber ist es charakteristisch genug, daß die damals von der Regierungempfohlene Öffentlichkeit der Landtagsverhandlungen von den Ständen abgelehntwurde! Vor allem bekam der SaatshauShalt seine feste Ordnung. Die vou KarlAugust gewährte Preßfreiheit wurde besonders von den jenacr Professoren in der„Nemesis", der „Minerva" und „Isis" fleißig, zum Theil unklug, benutzt, bist dieselbe auf Bundesbegehren eingeschränkt und 1819 ganz zurückgenommen werdenmußte. Weimars innere Entwickelung litt darunter nicht. Auf dem zweiten Landtagewurde die Steuerexcmtion gegen Entschädigung aufgehoben, ein billiges Stcnergesetzvereinbart, das Jnnungswesen geordnet. Später wurde das Strafgesetzbuch des Kö-nigreichs Sachsen adoptirt, eine Landgemcindeordnung eingeführt und mancher national-ökonomische Plan ins Werk gesetzt. Koburg und Schwarzburg.Nndvlstadt erhielten imJahre >821 eine landständische Verfassung. Bernhard Erich Freund's meiningenscheVerfassung von 1824 erfuhr nach der Gebietserweiterung von 1826 und bei der dadurchnothwendig gewordenen Umgestaltung noch manche Verbesserung. Dort wurden Justizund Verwaltung getrennt, eine Gemcindeordnung (wodurch das alte merkwürdige Stabs-gericht aufgehoben wurde) errichtet, die Steuerfreiheit abgelöst, die Pakrimonialgerichts-i barkcit au den Staat abgegeben, Fricdcnsgerichte (in neun Jahren wurden über 40000^ Nechtsfälle bei ihnen angebracht und 86 Procent auf diesem Wege erledigt) und freieGerichtstage eingeführt. Viel geschah zur Verbesserung der Gewerbe, des Ackerbaus,
^ der Schulen. In politischer Hinsicht erfreute sich das Land Mciningen mit Weimar
i alles Dessen, wonach andere Landtage erst noch zu ringen hatten. Jedoch befand sich
Gotha unter seiner Geheimrathsregierung nicht minder wohl, denn selbst wenn Herzog
> August in China mehr heimisch war als auf dem Fricdensteine, so wachten Man-
! ner wie Bernhard von Lindenan ani Staatsruder. Vom Jahre 1850 blieben die
meisten thüringischen Staaten unberührt. Nur Altenburg und Schwarzburg-Son-dershausen wurden etwas unsanft daran erinnert, daß sie im Verfassungsleben
> zurück seien. I» Gcra wurde unter einigen Unruhen eine neue Stadtverfassung, inGotha dieselbe unter der friedlichsten Ncformbewegung erzielt. Altenburg erhielt 1831
i eine Landesverfassung, an der zu rütteln 18 Jahre lang Niemand einfiel, weil sie
> allen Bedingungen entsprach, des Landes Bedürfnisse mit einer wohlwollenden Re-gierung zweckmäßig zu berathen. Da in Sondershausen die Federungen und Zu»