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Zehnter Band.
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466 Thüringen.

Schwarzwald, Oberhof, Ilmenau, Tambach und Finstcrbergcn. In den Forstenvon Georgenthal, Finsterbcrgen und Dietharz kannten ältere Forstleute 140— 180jäh-rige Nadelholzbestände mit Bäumen von 150 —160 Fuß Länge. Noch gibt es,solche, welche 110 Fuß erreichen. Sehr günstig ist für die Fichte das Obersilur-und devonische Gestein im Sonnebergiscken, wo man Jahresringe von '/- Zoll Stärkefindet und Bäume, die in 65—70 Jabren 6—7 Spannen Durchmesser erlangten,wenig Quirle ansetzten und deshalb das beste Schnitzholz liefern. Den Hüttenleutenjener Gegend ist dagegen die auf der grünen Grauwacke erwachsene Fichte die willkomm-nere. Im Schwarzburgiscbcn (den beiden Oberherrschaften) und in den reußischenFürstenthümern ist ebenfalls der Fichtenwald vorherrschend. Ahorn, Hainbuche,Birke und Esche fiedeln auf den Verbergen. In der Gegend von Eisenach undNuhla findet sich der üppigste Buchenwald, der nur von jenem der Wesergegendbei Münden übertreffen wird. Der Eichwald fehlt; unter den einzeln verstreutenEichen finden sich aber Exemplare, welche wegen ihres vielhundertjährigen Alters inbesondern Ehren gehalten werden. Das Revier von Walsberg im Nudolstädtischenist eine forstmännische Sehenswürdigkeit, indem der verstorbene Forstmeister Winterdort die kostbarsten Eichen- und Duchenwände zog, mit Strecken von Lärchen undWeymouthkiesern unterbrochen und mit dem virginischcn Tulpenbaum, der nord-amerikanischen Eiche, der kastanienblätterigen Eiche und der Blutbuche untermischt,welche überhaupt aus dem Walde von Sondershausen stammen soll. Nach Namenwie Eichberg und Hohcneiche zu schließen, behauptete sich die Eiche zu einer Zeit,wo das Erdreich noch nicht abgeschwemmt und der Waldbestand noch dichter war,colonienweise auch in Hähern Gegenden.

Ob die altslawische Bezeichnung Orla, Adlcrflnß, auf zahlreiche Horste diesesRaubvogels hindeutet, müssen wir dahingestellt sein lassen. In jener Zeit desDickichts, dessen Undurchdringlichkcit die Chroniken erwähnen, als Thüringen nochdas Jagdrevier der sächsischen und salischen Kaiser war, hausten Bär und Wolf ingroßer Anzahl auf dem Thüringerwalde. Selbst später waren die Dörfer ihrerHeerden und Kinder wegen vor diesen Thieren in Furcht, und die Gemeinde Traßbergentschloß sich 1674 einen eigenen Schullehrer anzustellen, weil es der Wolfe hal-ber gefährlich sei, die Jugend zür Winterszeit über das Feld nach Neurode zuschicken. Erst mit dem Ende des 17. Jahrhunderts verlor sich der Bär in diesenGegenden und desto fleißiger durchstreiften von nun an Hirsch und Reh das Re-vier, wie die Jagdtrophäcn der Hirschgalerien von Neinhardsbrunn und Etters-burg ausweisen. Dort prangt das Geweihe eines Zweiundzwanzigenders, das4 Fuß 1 Zoll lang und im Abstände seiner äußersten Spitzen ebenso breit ist, undder Hirsch, welcher diese Krone trug, soll 7 Centner gewogen haben. Noch machtdas wilde Schwein die Jagden von Hummelshain und Ebersdorf berühmt. Nochbalzt der Auerhahn zum Entzücken des Jägers nicht selten, und die Trappewird in den Ebenen Thüringens häufig 5'/- Fuß groß, mit einem Gewicht von30 Pfund. l

Der Wald selbst aber ist der Reichthum und der Stolz Thüringens und seinerFürsten. In Weimar sind 24°/» der Gesammtfläche deS ganzen Landes Wald; inKoburg 25"/»; in Meiningen 28/I>; in Gotha fast 30"/°. Von den 318000 AckerWald Weimars gehören 44°/, zum Kammergut; in Meiningen von 320000 Acker43°/°; in Gotha von 186000 Acker sogar 75°/°, während in Koburg von 41000 ^

Acker Wald nur 33/-°/° Domanium find und 66'/-°/° Gemeinden, Kirchen und >

Privaten gehören. Im Fürstenthum Gera sowie in Greiz macht der Wald ebenfallsniehr als 25'/° des ganzen Areals aus.

Die Forstcultur Thüringens wird mehrfach als mustergültig bezeichnet, undbeweisen die Erträge etwas, so steht namentlich Gotha hierin vielen Staaten voran.Folgende Zusammenstellung von Bruttoeinnahmen und Bewirthschaftungskosten wirdEiniges deutlicher machen.