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Zehnter Band.
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486 Die neuere Physiologie rc.

aber von diesem Gesichtspunkte aus die Verschiedenheit der Ansichten, so sieht manleicht, daß es der alte Streit ist, den man einst erhob über die Beseelung des In-dividuums und über den Unterschied zwischen der unbeseclten Frucht und dem beseel-ten Kinde, der auf dem angeführten Gebiete längst ausgefochten ist und nur inanderer Form auf einen andern Punkt übertragen wird.

Kehren wir zu der Knospenbildung zurück. Schon die einfache Beobachtunglehrt, daß ein Unterschied in dem Verhältniß der Knospe zu dem erzeugenden Or-ganismus stattfindet. Bei den Thierstöcken, deren wir bisjeht erwähnten, bleibendie Knospen, wenn auch zu Individuen ausgebildet, dennoch in organischem Zusam-menhange mit dem Mutterthiere. In andern Fällen aber lost sich die Verbindung,die Knospe schnürt sich mehr und mehr ab, der Kanal, durch welchen sie mit demMuttcrthiere zusammenhangt, wird unwegsam, und endlich reißt sich die Knospe ganzlos, um ein selbständiges Leben zu führen. Vorgänge dieser Art kann man beiden Süßwasserpolypen (klz-cirs) täglich sehen, und sie sind nichr minder häufig verbreitetbei ähnlichen Polypen des Meeres. Während aber bei den Hydren des süßen Was-sers die Knospe sich zu einem Thiere herausbildet, vollkommen ähnlich dem Mutter-thiere, erscheint bei den Meerespolypen die Knospe oft in ganz verschiedener Gestalt,in derjenigen einer Meduse oder Schirmqualle, deren Organisationstypus kaum inengerer Beziehung zu demjenigen des Polypen zu stehen scheint. Die Qualle istmit allen Organen ausgerüstet, die ihr ein selbständiges, freies Leben sichernkönnen: Sinnesorgane, nesselnde Vertheidigungswerkzcuge, Schwimmmaschinen,Verdauungsorgane, nichts geht ihr ab, um ein solches individuelles Leben fortzu-setzen, und auch die Geschlechtsorgane fehlen ihr nicht zur Erzeugung der Jungenaus Eiern. Aber diese Jungen sind der Qualle nicht ähnlich. Nachdem sie ausdem Ei ausgeschlüpft sind, schwärmen sie eine Zeitlang in Gestalt unscheinbarer In-fusorien umher, setzen sich dann irgendwo fest und werden aufs neue Polypen, dieihrerseits wieder Knospen erzeugen, welche Schirmquallen werden.

So hat uns die Knospung auf jene Reihe von Vorgängen geleitet, die man >nder neuern Zeit unter dem Namen des Generationswechsels zusammengefaßt hat. Allediese Vorgänge, die man früher nur höchst bruchstückweise kannte und aus Mangeleiner übersichtlichen Betrachtung nicht zu deuten wußte, treffen darin übcrcin, daßeine ungeschlechtliche Vermehrung, welche abweichende Individuen producirt, in denKreis der geschlechtlichen Vermehrung eingeschoben ist und demnach der Typus einesIndividuums erst in einer spätern Generation wieder sich reproducirt. Da wir obender Eingeweidewürmer erwähnte», so mögen uns die bei denselben stattfindendenVorgänge zur Erläuterung dieses Generationswechsels dienen.

Der Leberegel (vistomg Impstioum) ist einer der bekannter» Eingeweidewürmer,der sich besonders häufig in der Leber des Schafes, zuweilen sogar bei dem Men-schen gefunden hat: er gehört einer Classe von Eingeweidewürmern an, welche mandie Saugewürmer (Tromadoten) genannt hat. Fast alle diese Würmer sind Her-maphroditen, d. h. sie besitzen männliche und weibliche Geschlechtsorgane zugleich underzeugen eine große Menge von Eiern, aus denen lebendige Junge hervorgehen.Diese Jungen sind meistens fähig, in Wasser und schleimigen Flüssigkeiten um-hcrzuschwimmen; sie gleichen einigermaßen den Jungen der Polypen oder deneinfachsten Infusorien. Während dieses Umherschweifens erzeugt sich in dem Innerndes Jungen durch innere Knospung ein neues Thier, meist in Gestalt eines Schlau-ches, der oft gar keine weitem Organe besitzt und von seinem Leben nur durch trägeZusammenziehung Kunde gibt. In andern Fällen aber haben diese Wurmschläucheeinen Mund, Schlund- und Darmkanal, kurz eine zusammengesetzte Organisation,die sie schon den gewöhnlichen Würmern näher führt. Man findet diese Wurm-schlaüche hauptsächlich in Schnecken und Muscheln, in die sie wahrscheinlich durch diefreibewcglichen Jungen hineingebracht wurden, in deren Innern sie sich bildeten,sobald diese Jungen, die den Wurmschlauch in sich tragen, an dem Orte ihrerfernern Ausbildung angekommen sind, sprengt der innere Wurmschlauch die Hülle,