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Zehnter Band.
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510 Die neuere Physiologie rc.

führung dieses Bauplans, welche von der Systematik zwar noch nicht so allgemeingewürdigt worden sind, als sie es verdienen, die aber nicht verfehlen werden, auchhier sich allgemeine Geltung zu verschaffen. Bei den niedern Wirbelthiercn, zuwelchen die Fische, die Amphibien (Frösche, Kröten, Salamander) gehören, fungirendie Kicmenbogen, deren Anlage am Halse wir oben erwähnten, während einiger Zeitoder während des ganzen Lebens als Athemorgane, in deren äußern Anhängen sichGefäßschlingen erzeugen, die den Austausch der Gase zwischen dem Blute und denumgebenden Medien vermitteln. Bei den Fischen bleiben diese Apparate zeitlebensals Kiemen und als alleiniges Alhemorgan; bei den Amphibien verschwinden siegroßentheils während der reifern Lebensperiodc oder combiniren sich doch mit wah-ren Lungen; bei allen höhern Wirbelthieren, zu welchen die Reptilien (Schildkröten,Schlangen, Eidechsen) gehören, sind diese Kiemenbogc» zu keiner Zeit des Embryo-nallebens und noch weniger im ausgebildeten Zustande mit einer Athemsunckion be-traut. Dagegen erhält hier der Embryo eigenthümliche Hüllen, die von ihm selbstausgehen und von denen die eine, die sogenannte Schafhaut (Amnivn), während desganzen Embryonallebens als Hüllcnorgan bestehen bleibt, während die andere, derHarnsack (Allantois) wesentlich die Bestimmung hat, die Athmung der Frucht wäh-rend ihres Fruchtlebens zu unterhalten oder doch wenigstens einzuleiten. Man kannhiernach die Wirbelthiere einfach in höhere mit Schaf- und Harnhaut und in nie-dere ohne diese Hüllengebildc eintheilen. Ein dritter Charakter trifft noch mit dieserEinkhcilung zusammen: bei den höhern Wirbelkhieren knickt sich die Schädelgrund-lage des Embryo nach dem Bauche zu etwa in ähnlicher Weise ein, wie man einenKiemen zusammcnbeugt, und diese Einknickung steht in tiefem Zusammenhange mitgewissen Ausbildungen, namentlich des Gehirns. Bei den niedern Wirbelkhierendagegen findet eine solche Einknickung nicht statt, die Schädelgrundlage bleibt ge-streckt während der ganzen Zeit der Entwickelung.

Da alle diese Charaktere mit vielen andern weniger auffallenden Grundzügcnder Organisation im Einklänge stehen, so spricht die Entwickelungsgeschichte katego-risch für die Trennung der niedern Wirbekthicre von den höhern, d. h. für die Auf-stellung von fünf Wirbelthierclasscn statt vieren, wie es seit Cuvicr herkömmlich war.Mag man sich noch so viel sträuben, mag man noch so sehr die Schwierigkeit her-vorheben, die man hat, bei einigen, besonders bei versteinert vorkommenden Typenzu entscheiden, welcher von beiden Classen, den Amphibien oder den Reptilien, die Über-reste dieses oder jenes Thieres angehören, das Machtgebot der Entwickelungsgeschichtewird dennoch auch in diesem Punkte durchdringen. Nicht minder wichtige Cha-raktere bringt uns die Entwickelungsgeschichte in Beziehung auf die Unterscheidungverschiedener größerer Gruppen bei den Säugethieren, wie z. B. der Bcukelihiereund der Cloakenthiere, die gemeinsam als ein höchst eigenthümlicher Typus frühgebärender Säugethiere sich darstellen. Es würde indessen unmöglich sein, auf diesespecieller» Unterschiede einzugehen.

Der große Kreis der Glicderthierc, welcher aus den Krustenthieren (Crusta-ceen), den Spinnenthieren (Arachniden) und den Insekten zusammengesetzt ist undwol an Individuen der zahlreichste der ganzen Thierwclt sein mag, besitzt ebensowie derjenige der Wirbelthiere einen gemeinschaftlichen Bauplan, der sogar weit ge-ringere Modifikationen zeigt als jener. Der allgemeinste Grundzug in diesem Bau-plane ist die Entwickelung einer Embryonalanlage, welche mit dem Rücken demDotter gegenübersteht. Wenn das Wirbelthier sich auf der Bauchseite so schließt,daß es entweder das ganze Dottermaterial in sich aufnimmt oder einen Theil dessel-ben ausschließt, der dann als Nabel- oder Dotterblase durch den Nabel hindurch mitdem Darm in Zusammenhang steht, wenn bei dem Wirbelthiere der Nückentheil desEmbryo, das Centralnervcnsystem und das Wirbelsystem mit seinen ausstrahlendenGliedmaßcn zuerst entsteht, so sind diese Verhältnisse bei dem Gliederthiere geradeumgekehrt; indem die Bauchfläche zuerst sich bildet, von dieser die Gliedmaßen aus-strahlen und zuletzt erst der Rücken über dem Dotter sich zusammenfügt und diesen