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Die neuere Physiologie rc.
bet einen weiten Sack, dessen Inhalt allmälig durch Vermittelung des Kreislaufszur Bildung der Körperorgane verwendet wird. Nach und nach wird dieser Dotter-sack gänzlich aufgesaugt, vielleicht auch zum Theil abgeworfen. Wiewol die Kopf-füßler nur eine wenig zahlreiche Fraction des ganzen Thierreichs in der heuti-gen Schöpfung ausmachen, sieht man doch schon aus diesem selbständigen Entwicke-lungstypus, der durchaus von demjenigen aller andern Thiere abweicht, daß sie einenvollkommen ebenso in sich geschlossenen Kreis, einen ebenso abgegrenzten Typus dar-stellen, wie die Wirbelthiere und Glicderthiere, mit welchen sie, wenn auch nicht anZahl, so doch an Formbedeukung vollkommen gleichberechtigt sind. Faßt man nundie außerordentliche Bedeutung dieses Bildungstypus in frühern Perioden der Erd-geschichte auf, berücksichtigt man, daß die jetzige» Kopffüßler nur gewissermaßen dieNachzügler eines ungeheuren, in seine» Formgestaltungen äußerst mannichfaltigenHeeres waren,, das in den Schichten der Erde begraben liegt, so wird man auch ^hier zu der Überzeugung kommen, daß die Entwickelungsgeschichte durch scharfe >Sonderling des ihnen zukommenden Bauplans in jeder Beziehung das Rechte ge-troffen hat.
So stellen sich denn drei allgemeine Baupläne unter denjenigen Thieren dar,bei welchen ein Gegensatz zwischen Embryonallage und Dotter stattfindet: die Wir-belthiere mit bauchständigem Dotter, die Gliederthiere mit rückcnständigem Dotter,die Kopffüßler mit kopfständigem Dotter. Bei allen übrigen Thiere» ohne Aus-nahme gestaltet sich der ganze Dotter zum Jungen, sodaß es nicht möglich ist,eine Sonderling in ähnlicher Weise wie die angegebene nachzuweisen.
Die große Masse der wirbellosen Thiere, bei welchen kein Gegensatz zwischenEmbryo und Dotter stattfindet, war früher ihrer Entwickelungsgeschichte »ach voll-kommen unbekannt, und es darf daher nicht wundern, wen» auch jetzt »och trotz des >bedeutenden Eifers, welcher sich auf dieses Feld geworfen hat, so vielfache Lückenvorhanden sind, daß die allgemeinen Baupläne, welche bei den größern Gruppendieser Thiere obwalte», nur selten erfaßt werden können. Die Mannichfaltigkeit dergrößern oder geringern Abweichungen, welche man findet, ist außerordentlich groß,die Ähnlichkeit der ersten Embryonal- und Larvenzustände bei scheinbar äußerst vcr- Ischiedenen Thieren oft überraschend. Der Unterschied zwischen solchen Typen, die dasLand oder das süße Wasser bewohnen, von Verwandten, die in dem Meere sichaufhalten, ist manchmal so bedeutend, daß man glaube» sollte, einen fremden Bau-plan vor sich zu haben. Aber nichtsdestoweniger zeigen die Resultate, welche inwenigen Jahren gewonnen wurden, schon so überraschend schöne Früchte, daß man
nicht zweifeln kann, auch hier bald Licht in das Chaos gebracht zu sehen. Es geht
auf diesem Felde wie auf allen übrigen der Naturwissenschaft angehörigen. Oftweiß ein ausgezeichneter Geist aus wenigen scheinbar isolirten Thatsachen allgemeineGesetze abzuleiten, die durch die nachfolgenden Beobachtungen rn überraschenderWeise bestätigt werden; oft bedarf es aber auch einer außerordentlichen Vervielfälti-gung der Beobachtungen, um die isolirten Glieder einer Reihe durch eine große !
Anzahl von Mittelgliedern, die man nicht interpoliren konnte, miteinander zu verbin-
den. So ist z. B. das letzte Decennium mit einer Reihe der glänzendste» Beobach-tungen beschenkt worden, welche die Entwickelung der Stachelhäuter (Echinodcrmen:Seeigel, Scesterne, Seewalzen) zum Gegenstände haben. Während man im Anfang, lwo der Thatsache» nur sehr wenige waren, die noch ebenem Thiere betrafen, diean den äußersten Polen der Reihe stehe», die von den Entwickelungssormen gebil-det wird — während man damals kaum wußte, wie diese verschiedenen Beobach-tungen zusammenreihen, die nach äußerst verschiedenen Richtungen hinzuleiten schie-nen, ergab sich dann nach und nach aus der Häufung der Beobachtungen und derUntersuchung der Mittelstufen der allgemeine Enwickelungsplan, welcher alle abwei-chenden Gestalten aus einer gemeinschaftlichen Grundform abzuleiten gestattete. Aberauch dies konnte nur einem so scharfsinnigen Geiste gelingen, als der war, welchemdiese Untersuchungen von Anfang an heimfielen.