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Zehnter Band.
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Die neuere Physiologie rc.

Die ungemeiu zahlreichen Resultate in Beziehung auf Wcichthierc, Stachel-häuter, Strahlthiere, welche mau in den letzten Jahren sammelte, beruhen zum gro-ßen Theil auf der Veränderung der Art und Weise, wie man die Untersuchungenführte. Die unerschöpfliche Fundgrube für neue Typen und unerwartete Metamor-phosen ist das Meer. Im Allgemeinen unterscheiden sich diejenigen Thiere, deren! Entwickelung im Meere abläuft, durch die bedeutendere Ausbildung ihrer Bewegungs-organe vor den gleichstehenden Typen des süßen Wassers. Wie aber die süßen Ge-wässer nur eine außerordentlich geringe Fraction des an der Oberfläche der Erdeangehäuften Wassers bilden, so erscheinen auch die Süßwasserbewohner nur als einewenig zahlreiche Fraction gegenüber der unendlichen Mannichfaltigkeit von Gestalten,die sich in den Meeresbecken tummeln. Das Meer ist demnach die unerschöpflicheFundgrube für die Entwickelungsgeschichte der niedern Thiere. Die Ausbildung derWissenschaft brachte es aber mit sich, daß die Stätten, wo die Entwickelungsgeschichte! und überhaupt die Studien, die in den Kreis der physiologischen Wissenschaften ge-hören, betrieben werde», fast alle auf dem Festlande, weit von dem Meere entferntgelegen sind, und daß die Meeresküste den gewöhnlich an die Scholle gebundenenForschern nur während der geringen Ferienzeiten zugänglich sind. Früher wardas Meer deshalb hauptsächlich nur der Tummelplatz der reisenden und sam-^ melnden Naturforscher, die sich darauf beschränkten, so viel getrocknete und in Spi-ritus aufbewahrte Thierformcn als möglich nach Hause zu bringen, sie zu beschrei-! ben und in Sammlungen aufzubewahren. Jetzt hat man eingesehen, daß zu er-spießlichen Forschungen längerer Aufenthalt und Ausrüstung mit all denjenigen Mit-teln der Untersuchung gehören, die auf dem Festlande zugebote stehen. Von Jahrzu Jahr sehen wir überraschende Resultate zutage gefördert, sei es durch einzelneIndividuen, sei es durch kleine Gesellschaften, welche irgend einen Punkt der Küste^ zu langer dauerndem Aufenthalte wählen und dort dieselben Beobachtungsmethodenin Anwendung bringen können, welche ihnen zu Hause zugebote standen. Freilichhaben sich die Wanderungen dieser Art bisjetzt noch alle auf die europäischen Küstenbeschränken müssen, aber die Zeit ist nahe, wo man einsehen wird, daß auch dieserZweig der Wissenschaft derselben Unterstützungen benöthigt ist, welche man andern^ Zweigen angedeihen ließ, und daß eine Menge von Fragen erst zur Entscheidunggebracht werden können, wenn auch die Küsten der tropischen Meere auf ähnlicheWeise in den Kreis der Beobachtungen gezogen sein werden.

Wir habe» in dem Vorhergehenden die verschiedenen Typen der Entwickelungbeachtet, welche während der Entwickelung selbst sich darstellen, mögen nun diese in-! nerhalb oder außerhalb des Eies sich darstellen; wir dürfen aber nicht vergessen, daßin der Thierwelt große Verschiedenheiten hinsichtlich der Ausbildung obwalten, welchedie Jungen im Ei erhalten. Bei der Vergleichung des Kindes, wie eS geborenwird, mit einer Froschlarve z. B., die eben aus dem umhüllenden Eiweiß hervor-geschlüpst ist, läßt sich der Unterschied leicht darthun, den wir jetzt ins Auge fassenwollen. Bei dem Kinde ist die Menschengestalt vollkommen angelegt, alle Organel sind soweit entwickelt, um es zu einem selbständigen Leben zu befähigen, und zwarin derselben Weise entwickelt, wie sie in dem Erwachsenen sich zeigen. Das Kindzeigt kein provisorisches Organ, welches zu einer andern Lebensweise befähigte; die! Organe, die es besitzt, bedürfen nur der normalen Weitcrentwickelung, um sämmtli-chen ihnen zustehenden Funktionen gewachsen zu sein. Nicht so ist es mit derFroschlarve. Statt der Beine, die ihr durchaus fehlen, hat sie einen fischähnlichenRuderschwanz, den sie später abwerfen wird; statt der Lungen besitzt sie Kiemen,die in der Weitcrentwickelung verschwinden werden; kurz sie besitzt eine Reihe pro-visorischer Organe, welche sie zu einem intermediären Leben befähigen, das von dem-jenigen des erwachsenen Frosches verschieden ist, nichtsdestoweniger aber außerhalbdes Eies im Freie» sich abwickelt. Erscheinungen dieser Art kannte schon die ältereNatursorschung bei den Fröschen ebensowol wie bei den Insekten, wo Raupe, PuppeDie Gegenwart. X. 33 ^