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Zehnter Band.
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565
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Iudenthum. 565

Andere diese Anschuldigungen von, jüdischen Standpunkt aus zu widerlegen suchten.Aber erwähnen wolle» wir, daß auch christliche Gelehrte, wie Ewald, Schmidt undselbst Paulus, von, theologischen, staatswissegschaftlichen und geschichtlichen Stand-punkt aus jenen Angriffen entgegenzutreten für Pflicht der Humanität und der Gc-rcchtigkcit hielten. *) Am wenigsten können wir zur Charakterisirung jener Zeit undder öffentlichen Meinung Werth legen auf die fainöse Wirkung der fratzenhaftenaber sonst ganz unschuldigen Posse „Unser Verkehr", die nur durch die noch allzuleicht crregie Empfindlichkeit der Juden Bedeutung erhielt, oder gar auf die un-glückliche „Hep, Hep"-Manie, die sich plötzlich gleich einer Epidemie über Deutsch-land verbreitete und offenbar ein erfolgreicher Versuch war, die allgemeine und leichterregbare Verstimmung des Volks über die öffentlichen Zustände von dem unerreichba-ren Gegenstände seines Unwillens auf einen leicht zu treffenden und schwer zuschützenden Gegenstand zu lenken. Wir betrachten vielmehr alle diese judenfeindlichenErscheinungen, die sich in den verschiedensten Sphären des öffentlichen Lebens kund-gaben, als einen ohnmächtigen aber natürlichen Versuch der immer thätigen Wider-standspartci, eine geschichtlich vollendete und auch im öffentlichen Bewußtsein sichvollendende Thatsache als das haltlose und lebensunfähige Product einer vorüber-gehenden und überwundenen Nevolutionsepoche zu bezeichnen, und mit allen Waffengegen deren Fortbestand zu kämpfen. Auf Seiten dieser Partei war in jenen Jah-ren die Macht und sie durfte nach allen Richtungen den von ihr betretenen Wegverfolgen. Im Besitz dieser Macht ist sie mit einzelnen kurzen Unterbrechungenhis heute geblieben. Aber die Ereignisse von 1830, 1840 und 1848 haben in ihreVerschanzungen gegen den anstürmenden Geist der Zeit so gewaltige Breschen ge-schossen, daß sie sich auf einen immer engern Kreis der Vertheidigung zurück-ziehen mußte.

Innere Entwickelung während des äußern Stillstandes.

Die Juden erkannten trotz des moralischen Sieges in Frankfurt die Unzuläng-lichkeit ihrer Waffen, um gegen diese Alles beherrschende Macht mit Erfolg zukämpfen. Gleich den gesammten Vertretern des Fortschritts im Geiste der Zeit, zo-gen sie sich daher schweigend und duldend, aber ohne ihr Nechtsbewußtsein aufzu-geben, vom Kampfplatz zurück, um zunächst in sich das Werk der Selbstcmancipa-tion fortzuführen und später desto würdiger vorbereitet wieder für ihren Anspruchaufzutreten. Die Sclbstthätigkeit der Juden in dieser Zeit für den Zweck ihresfreien Eintritts in den socialen und nationalpolitischcn Verband des öffentlichen Le-bens war eine allgemeine aber stille, nur in einzelnen Punkten sichtbarer hervortretend.Sie bestand hauptsächlich in der gänzlichen und allgemeinen Umgestaltung des jüdischenErzichungs- und Bilduugswesens. Das folgende Geschlecht, vollständig aus denBildungszustand der Zeit und der Nation gehoben, sollte in allen Sphären desLebens mit dem Anspruch aus gleiche Geltung und Berechtigung neben seine nicht-jüdischcn Mitbürger treten können, ohne in diesem Zusammenwirken das specifischjüdische Neligionsbewußtsein zu verlieren, und ohne sich durch dieses Neligionsbe-wußlsein an jenem Zusammenwirken behindert zu fühlen. Es bestand ferner in derFortführung dieses Erzichungs- und Bildungswerks nach zwei Richtungen, indemeinmal für den Eintritt der so herangebildeten Jugend in alle gemeinnützigen undehrenhaften Gewerbe aufs lebhafteste und erfolgreichste gewirkt, und andererseitsfür die Höherbcgabten die Bahn eröffnet wurde, um sich durch regelmäßige Studiengleich ihren christlichen Geistesverwandten für eine strengwissenschafiliche Thätigkeitim Dienste des Judenthums zu befähigen. Neben dieser stiller» Thätigkeit endlich

*) Die scharfen Waffen, mit denen Borne die Feinde der Humanität in ihrem Kampfegegen das Iudenthum angriff, mußten die engherzigen Vertreter einer crclusivcn Intoleranzschwer verwunden. Der Geist, mit dem sie geführt wurden, war genährt von dem Ingrimmeiner tausendjährigen Unterdrückung des Judenthums. Aber kür dieses zu wirken, war derMann nicht im Stande, der es im Zorn gegen seine Unterdrücker misachtend von sich warf.