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Eilfter Band.
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DaS Königreich beider Sicilien.

Gleichwie auf dem Festlande die südliche, einst von den Hellenen vorzugsweisecolonisirte Küste verödet liegt, so ist dies auch in Sicilien der Fall. Es hat sich hierebenfalls die Culturströmung von dem Orient nach Europa gewendet. Palermo, dieHauptstadt des Landes, hat auf der nördliche» oder innern Seite ihren Sitz genom-men, gleich Neapel, in der glücklichsten Ebene der Insel, in jener von den Dichterngepriesenen Conca tz'Oro gelegen, und an dem schönsten Golf sich ausbreitend. DerArchipel der Liparischen Inseln liegt der Hauptstadt nahe genug, um mit ihr inleichter Wechselverbindung, stehen zu können. Nimmt man jedoch Termini und Cefaluan dieser Küste aus, so steht Palermo auf der ganzen Nordseite vereinzelt da, weildieses Meeresgcstade, das bei weitem schönste Siciliens, bis Messina herauf unculti-virt und unwcgbar ist. An der östlichen, ionischen Seite liegen jedoch gerade die-jenigen Häfen, welche den Handel mit dem Orient betreiben, Messina und Catania.Vergleicht man die Proportionen ihrer Einwohnerzahlen, so stellt sich das Verhältnißauf Sicilien günstiger als auf dem Festlande, denn dort folgt auf Palermo mit180000 Einwohnern Messina mit 00000 (bis zum Jahre 1851, wo die Cholera,wenn die Angaben richtig sind, der Stadt 25—50000 Einwohner weggerafft hat),Catania mit 62000, Modica mit 26000, Girgcnti und Syrakus (Siragosa) mit17000 Einwohnern.

Das Innere Siciliens bietet nicht minder viele Ähnlichkeit mit dem Fcstlande deSKönigreichs. Auch hier gibt es eine durch die wcchselvolle Geschichte und. Völker-niederlassung erzeugte Fülle von stammlichen Absonderungen, dieselbe hartnäckige In-dividualisirung der Gemeinden, dieselbe Verschiedenheit der Dialekte, dieselbe Wildheitund Uncultur, ein noch größeres Elend, und bei mehr Bildung der höher» Schichtenden grellsten Abstand der Cultürstufcn. Aber die insularische Lage und eine mehrconcentrirte Geschichte der Insel hat wenigstens ein patriotisches Gemcingefühl erzeugt,welches den Sicilianer von dem Neapolitaner ewig scheiden wird.

Seit dem Jahre 1815 ist die Insel in sieben Provinzen getheilt, welche Valgenannt werden, nämlich Palermo, Messina, Catania, Girgenti, Noto, Trapani undCaltanisetta.

Betrachtet man nun das Königreich beider Sicilien in- Bezug auf Lage,Klima und Fülle der Naturerzeugnisse, so scheint es wie kein anderes Land Europaszu dem glücklichsten Zustande berufen. Denn Alles was die poetische Sehnsuchtdes Menschen von einen, irdischen Paradiese träumt, vereinigt sich unter jener Zone,um einem ohne Anstrengung thätigen und genufifrohen Menschengeschlechte den herr-lichsten Wohnsitz zu bereiten. Aber, wie die Geschichte lehrt, ist Süditalicn niemalsder Aufenthalt glücklicher Völker gewesen, und wenn wir. die an den Küsten vor-mals blühenden, doch ewig durch Kriege zerrütteten Städte des Alterthums aus-nehmen, wie Tarent, Sybaris, Croton u. s. w., oder die Republiken des Mittel-alters, wie Neapolis, Amalfi, Sorrentum und Gaeta, so zeigt uns die Geschichtevielmehr eine dauernde Uncultur dieser Länder, welche, unfähig zu einer organiscbgleichmäßigen Civilisation, diese nur oasenartig aufgenommen hatten. Die Geschichtezeigt uns die wüstesten Zustände im Innern, unausrottbare Wildkcit, daS Festhal-ten primitiver Bildungsstufen, bei steter Richtung auf den Patriotismus immerwäh-rende Uneinigkeit, ewige Unzufriedenheit, immer neue Ausbrüchc vulkanischer Leiden-schaftlichkeit, immer erneute Empörungen bei einer bunten Aufeinanderfolge der Dy-nastien, welche niemals einheimische, immer Fremdherrschaften waren.

Die maritime Lage gibt dreifache Beziehungen nach außen. Ostwärts wendetsich Unteritalien nach dem orientalischen Europa, nach Griechenland und der heutigenTürkei, westwärts nach dem romanischen Europa, nach Frankreich und Spanien,südwärts nach Afrika. Im Norden erhebt sich heute der Kirchenstaat über Nea-pel, in seiner staatlichen und gesellschaftlichen Leblosigkeit gleichsam eine chinesiscbeMauer zwischen den neapolitanischen Ländern und dem durch germanische Einflüssegekräftigtcn Oberitalien, sodaß von Toscana nach dem Süden herab Italien gleich-sam zu verdorren und zu erstarren scheine. Indem nun Süditalien im Mittel-