258 Norwegen.
wehen und zwischen den genannte» Inseln Landwinden von Osten her begegnen, ent-stehen hier allerdings bei Flutzcit sehr gefährliche Strudel; doch bedarf es so vielerzusammentreffender Umstände, um wirkliche Gefahr zu erzeugen, daß der Stromim gewöhnlichen Stande nicht unter die gefährlichen zu zählen ist. Seine Verrufen-heit muß, wie die der Charybdis, entweder aus Misvcrständniß älterer Schriftsteller,oder aus den Zeiten herrühren, wo da die Schiffahrt noch in ihrer Kindheit war.
Die Strömungen an der Küste und zwischen den Inseln Norwegens haben so-mit als Hindernisse der Communication gar wenig zu bedeuten. Hingegen sind sie,wie schon oben bemerkt, im Bezug aus Schiffahrt als einer der größten Segen Nor-wegens anzusehen, weil sie in Verbindung mit klimatischen Ursachen dazu beitragen,die Küsten eisfrei zu halten. Das stete Hin- und Herströmen der Gewässer ver-hindert alle Ansammlung von soliderm Eise. Die ganze westliche und nördliche Küste,sogar beim Nordcap, ist somit auch in den strengsten Winter» von Eis ganz frei,und die Schiffahrt geht da ungestört fort. An der südlichen und südöstlichen Küstehingegen, wo Ebbe und Flut nicht eintritt, und wo man auch die unmittelbarenWirkungen des Golfstroms und der lauen Westwinde nicht verspürt, belegen sich diemeisten tiefer hineingehenden Meerbusen, insbesondere der Christianiafjord, alljährlichmit Eis, gewöhnlich im December, das bisweilen erst im April aufthaut. Dies isthier, wie an andern Binnenmeeren, besonders der Ostsee, für die Schiffahrt sehrstörend, die dann an solchen Orten für diese Zeit beinahe gänzlich aufhören muß.
-1) Naturprodukte: ->) Mineralien.
Norwegen ist an Metallen sehr reich. „Eisenerz findet sich vorzugsweise in de»Landstrichen oberhalb der Städte Arendal, Öster-Niisörs und Skien. Kupfererz st»'det sich in großer Menge und reiche» Lagern insbesondere in den südöstlichen Theilenvon Trondhjemsstift, wo das Kupferbergwerk zu Nöraas gelegen; doch kommt esauch au vielen andern Orten, selbst gediegen vor, wie auf den Gebirgen unweitAltenfjord in Finnmarken. Die reichen Kobalklagcr bei Modum in der Nähe vo"Drammcn sind bekannt, doch noch mehr die Silbergrubcn bei Kongsberg, wo dasMetall besonders seit 1852 in großer Fülle gediegen gefunden wird, sodaß es eine"beträchtlichen Theil der Staatseinkünfte bildet. Nickel kommt in den südwestliche"Gebirgen von Gudbrandsdalcn vor, wo neuerdings ein Bergwerk dafür angelegt wol'den ist. Gold ist an mehren Orten gefunden worden, doch nur spärlich, sodaß d^Nettoertrag die Kosten der Bereitung nicht deckt. Bon andern Mineralien find^man an mehren Orten guten Marmor, der jedoch noch nicht, wie er es sein sollü'benutzt worden ist. Kalkstein wird in den Stiften von Christiania und Trondhst"'häufig angetroffen und benutzt, so auch Ziegelthon. Alaunschiefer kommt in groß^Menge bei Christiania und anderwärts vor, doch wird Alaun selbst nicht mehrreitet. Eine Art von grünlichem, weichem Talkstcin, der zu allerlei feinernschneidearbeiten wie auch zu Bauwerken sehr tauglich und dauerhaft ist, findetan mehren Orten, insbesondere in Gudbrandsdalcn und in der Nähe von Trowhjem, dessen berühmter Dom aus diesem Material verfertigt ist.
t.) Pflanzen.
Man berechnet, daß es in Norwegen etwa 1140 Arten von phaneroga"^Pflanze,^gibt; die meisten davon finden sich, wie leicht begreiflich, in den zwei /",,stifte,,. Sonst hat man den bereits geschilderten klimatischen Verhältnis^,
lichste»
zu danken, daß Norwegen bei der gegebenen Polhöhe Bäume und Pflanzen hes"/^
bringt, die m der Regel schon weit südlicher aufhören sollte». Unter 60° nördlich
Breite wachsen folgende Bäume wild: Linde, Ahorn, Ebresche, Esche, Ulme, Buch -Eiche, Taxus, Lachholdcr, Föhre, Fichte. Buche und TaxuS hören unterhalb "auf, die Linde unter 62 , der Ahorn unter 62° 7', die Eiche unter 65°, die f-l -
unter 63° 7', die Ulme unter 66° 5 ', die Fichte unter 67°, die Föhre unter
die Birken und Weiden unter 72°. Hieraus ersieht man, daß die Bäume, die