290 Norwegen.
Zeit in Norwegen dahin gekommen, daß die früher halbwegs reale Last, Soldatenzu stellen, zu einer personalen geworden, die nur auf dem eigentlichen Bauernstandeder Landortschaftcn ruhte, während die meisten der sogenannten Conditionisten ganzfrei ausgingen. Diesem Misstande nun hilft und soll das neue Gesetz abhelfen. Dochkann man eigentlich immer nicht sagen, daß Gleichheit dadurch eingeführt sei, wennman in Anschlag bringt, daß für den besser Erzogenen und an feinere Lebensart undBeschäftigung Gewöhnten der gemeine Soldakendienst eine viel härtere Leistung seinmuß, als für den Ungebildeten und in Entbehrungen Aufgewachsenen. Die ungleicheLast erscheine sonach nur auf die andere Schulter gewälzt.
Das norwegische Heer zerfällt in zwei Hauptabtheilungen, die Linienarmee unddie Landwehr. Die Linienarmee besteht wiederum aus geworbenen und dann ausrein nationalen (d. h. conscribirtcn) Truppen. Die verschiedenen Waffenarten derLinienarmee, Offiziere und Unteroffiziere nebst civilmilitäre Personen und Spiellcureabgerechnet, enthalten 200t) geworbene und 10000 nationale Krieger. Sie sind infünf Jnfanteriebrigaden, eine Cavaleriebrigade (70 Geworbene und 1000 Nationale)und eine Artillericbrigade (288 Geworbene, 1012 Nationale) vertheilt. Bei den Jn-fanteriebrigadcn ist daS Verhältniß zwischen Geworbenen und Nationalen folgendes:Die erste akershuufische Brigade enthält .780 Geworbene, 2050 Nationale, die zivsstcakershuufische 612 Geworbene, 1758 Nationale; die christiansandische Brigade 200 Ge-worbene, 1100 Nationale; die bergcnsche 200 Geworbene, 1800 Nationale; dietrondhjemische Brigade 220 Geworbene, 1580 Nationale. Es gibt auch eine In-gcnieurbrigade, die aber nur aus Offizieren besteht. Die Gesammtzahl der Linien-offiziere mag etwa 150, die der Unteroffiziere 750, die der Spielleute und civilmili-tärcn Personen 150 betrage», welches eine Gesammtzahl von etwa 11100 Mannausmacht. Die Dienstzeit der Conscribirtcn ist sieben Jahre für die Cavalerie undreitende Artillerie, fünf Jahre für die übrige Artillerie und Infanterie. Die Land-wehr wird aus den Conscribirtcn gebildet, nachdem sie fünf Jahre gedient haben-Diese Landwehrma'nner werden noch wiederholt in den Waffen geübt, und sind folg-lich, was Dressur anbelangt, den nationalen Linieinruppen zur Seite zu stellen. IhreZahl beträgt 8822 (wovon 861 Artillerie) mit 218 Unteroffizieren, 10 Offizieren und80 andern Angehörigen, also im Ganzen 0160 Mann. Die Landwehr darf jedochnicht außer Norwegen gebraucht werden. Linientruppcn und Landwehr zusammen er-geben einen Totalbcstand der norwegischen Armee von etwas mehr als 25000 Mann-
Die Festungen Norwegens sind Friedrichsstcin bei Friedrichshall nahe der schwe-dischen Grenze im Südosten, Friedrichsstadt (befestigte Stadt bei Glommen uwweit Friedrichshall), Akershuus (bei Christiania), Kaholmcn (sechs Meilen südlichvon Christiania, auf einer, den Einkauf beherrschenden Insel beim Städtchen Drö'bak), Horten (die Marincstation, deren Befestigungen noch nicht fertig sind), Ber-genhuus (bei Bergen), Munkholmen (bei Trondhjem), Wardöhuus (östlich in Fin"'marken, nahe der russischen Grenze) nebst einigen kleinern Forts.
Zur Bildung der Offiziere besteht seit mehr als 100 Jahren in Christianseine Militärschule mit 60 Cadetten, nebst einer sogenannten Militärhochschule ^Offiziere oder examinirte Cadetten, die in die Ingenieur» oder Artillericbrigadctreten wollen. Zur Bildung von Unteroffizieren gibt es auch mehre Schulen, ^ganz vorzüglich bestellt sind.
Die jährlichen Bewilligungen für den Landmilitaretat betrugen in den letzten 2^.ren etwa 750000 Species, von denen 270000 zu Löhnungen der Offiziere ""Soldaten verwendet wurden. Den Umständen nach sind die Offiziere ziemlich sbesoldet. Für den laufenden Budgcttermin ( 1851 — 57) belauft sich der Anfallfür den Landmilitäretat auf 700000 Species. . „
Seit der Emancipation von Dänemark hat Norwegen, freilich nur in klei>"^Maße, eine Kriegsmarine zu gründen gesucht. Die localen Verhältnisse, d.h-unzähligen Meerbusen und Jnselreihen läng- der Küste, weisen Norwegen wie «w