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Eilfter Band.
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Östreich. 309

es aber wahr ist, daß die Industrie das bewegliche, die Landwirthschaft das stabileElement im Staate vertritt, und der moderne Liberalismus wesentlich aus dem Jn-dustriegeiste sich nährt, so hätte, die längere Dauer des Verfassungslcbens voraus-gcseht, die Regierung schwerlich Ursache gefunden, die getroffene Anordnung z» loben.

Noch auffallender und auf momentane Vortheile berechnet erschien die gallischeLandesverfassung. Die Provinz wurde in drei selbständige Verwaltungsgebiete ge-theilt, die gesetzgebende Gewalt in denselben durch Curien geübt, welche aber nie-mals in Einen Körper zusammentraten, sondern die allgemeinen Landesangclegenhei-ten durch einen Centralausschuß leiten ließen. Diese Fesselung sowol des polnischenwie des ruthenischen Elements war aber noch nicht hinreichend erachtet. Zur Zer-splitterung der Parteien und Ansichten in den drei durch ihre Vereinzelung wenigansehnlichen Curien gesellte man außerdem ein unbedingtes Übergewicht der Landge-meinden über die Höchstbesteuerten und die Städte. Selbst wenn diese beiden Wahl-körper zusammentraten, bliebe» sie gegen die Abgeordneten der Landgemeinden ingroßer Minderheit. Wohin diese Maßregel zielte, konnte nach den Vorgängen desJahres 1846 keinem Kundigen zweifelhaft bleiben. Das Ziel trat nur zu deutlichhervor, und außerdem erklärten selbst die Negierungsorgane, daß die Furcht vor derVerfassung sowol die böhmische wie die galizische Verfassung dictirt. Welche Wirk-samkeit und Kraft ließ sich aber dann von denselben hoffen? Welche Färbung konnteman vollends von dem italienischen und dem ungarischen Landesstatute erwarten. InBöhmen, in Galizien gab es wenigstens ein Element, auf welches die Regierungbauen, durch dessen Bevorzugung sie die conscrvativcn Interessen wahren zu könnenglaubte. Dort hatte man den Gegensatz der Nationalitäten, hier jenen der Ständein kluger Weise benutzt. Sollte auch in Italien das städtische Element gegen dasländliche zurückgedrängt werden? Dann mußte man dieses erst schaffen. Sollte inUngarn der Landtag auf den nationalen Gegensätzen, oder aus dem Hasse und derEifersucht der Ständeclassen sich aufbauen? Hier waren seit dem Ende des JahreS1849 alle Ständeclassen, alle Nationalitäten der Regierung feindselig gestimmt, undin beiden Provinzen hatte die Regierung nicht mit einer Oppositionspartei, sondernMit einem allgemein feindlichen Geiste zu kämpfen. Groß war die Spannung, mitWelcher man der Veröffentlichung des ungarischen und lombardischen Statuts ent-gegensah, nicht geringer aber die Furcht, man werde jetzt das Experiment, die kon-stitutionellen Formen in Östreich heimisch zu machen, abbrechen, weil man etwa vor-zeitig an dem Erfolge in Ungarn verzage. Als ein bloßes Experiment aber die Landes-statnte anzusehen, dazu führte dies auffallende Aufgeben der centralistischen Grund-sätze, welche sonst das Ministerium leiteten. Waren die Verschiedenheiten in deneinzelnen Provinzen so groß, wie die Zusammensetzung der Landtage auswies, welcheBerechtigung hatte dann die administrative Centralisation, und fußte die letztere inWahrheit in den Bedürfnissen, des Volks, was konnte dann das Ministerium veran-lassen, dem eigenen so eifrig gepflegten Werke der Centralisation so viele Hindernisse,i" schaffen? Man fühlte, die Regierung war der eigenen Sache noch nicht recht^cher und über den einzuschlagenden Weg im Unklaren. Weitere Beweise des un-"cheru Schwankens lieferte die übrige legislatorische Thätigkeit derselben.

Die administrativen Reformen.

Die Verleihung der Landcsstatute war eine Ehrenpflicht, wodurch die Regie-ihr feierlich gegebenes Wort loste,, blieb aber ohne unmittelbare praktische Re-H'state; die Durchführung der administrativen Reformen war eine Pflicht der Selbst-haftung, welcher nicht frühe genug Folge geleistet werden konnte. Noch während^tadion's Leitung der Geschäfte wurden die Grundzüge der neuen administrativenErfassung entworfen. Stadion hinterließ die unvollendeten Entwürfe seinem Näch-tiger Bach, welcher nur in der ersten Zeit an denselben festhielt, später eigene Ideenihre Stelle setzte und »och mitten im Laufe der Durchführung den administrativen^llaniSmus änderte. Dieser Umstand erklärt die auffallende Verzögerung in der Fest-