458
Das heutige Credit- und Bankwesen.
dert aus, um Vortheile hieraus für die Besitzer zu realisiren. Gerade wenn danndie Papiergeldausgabe mit einer wirklichen mid merklichen Steigerung des Bedarfsan Circulationsmitteln zusammenfallt, tritt in dem Stadium, wo das Metallgeld sichleicht übermäßig nach dem Auslande drängt, der verführerische Impuls zu weiternAusgaben hervor, und der geschäftliche Aufschwung, die Rührigkeit der Unternehmer,welche das „wohlfeile Geld" herbeilockt, legt über den ganzen Vorgang obendrein einenrosigen Schleier. Derselbe verdunkelt sich aber bald zu einem Trauerflor, indem sichallmälig die Rückschläge fühlbar machen, welche bei keiner Ausgabe von Papiergeldüber das bestimmte Maß des Bedarfs hinaus ausbleiben können. Würde das Me-tallgeld und das Übermaß von Papiergeld zusammen im Lande bleiben können, sowürde die unverhältnißmäßige Menge der Circulationsmittel ihre unvermeidliche Er-gänzung durch eine große Theuerung aller andern Waaren finden, und die nachthci-lige Stellung des Landes im Weltverkehr wäre entschieden. Das Metallgeld läßt sichaber freilich durch keinerlei Zwangsmaßregeln im Verkehr des Inlandes halten: eswandert ins Ausland, verkriecht sich in Kisten und Keller, und die Papiergcldfabrs-kation wird immer produetivcr, bis die Masse selbst des Papiergeldes für sich alleinden Bedarf nach Circulationsmitteln übersteigt. Das Metallgeld fehlt dann zu denSendungen ins AuSland, es fehlt selbst an den Stellen des Kleinverkehrs, wo esüberhaupt nicht ohne Nachtheil von, Papiergeld ersetzt werde» kann. Das Silbcragiomacht sich immer breiter, das Gefühl der Sicherheit im Eigenthumsbesitz schwindetangesichts der Cursschwankungen, der jeweilige Inhaber von Papiergeld leidet Ver-luste, ohne das Geringste unternommen zu haben. Welcher verständige, fleißige Mannmöchte da eine Geschäftsunternehmung wage», die ja in solchem Falle selbst nicktauf Tage sickergestcllt werden kann?
Freilich, man kann nun denken, allen dergleichen Misständen sei vorgebeugt, undnur der wirkliche Nutzen, welchen Papiergeld überkaupt darbietet, sei sicher gewon-nen, wenn nur Papiergeld ausgegeben wird, welches von den jeweiligen Inhabernjederzeit bei Demjenigen, der es ausgegeben hat, gegen den vollen Nennwerth desMetallgeldes umgetauscht werden kann. Diese Federung klingt recht annehmlich, undin der That, ihre Berechtigung, ihr Werth wird schon lange auch von Denjenigenanerkannt, welche im Besitze der großen Gewalt sind, Papier statt Metallgeldes aus-geben zu dürfen. Umsomehr muß man also nachsehen, wie man solcher Fodcrungin der praktischen Wirklichkeit nachkommt und nachkommen kann. Da finden wir zu-nächst, daß man überhaupt neben dem gegen Metallgeld cinlöslichen Papiergeld eintbesondere Gattung von nicht einlöslickcm zuläßt. Zu dem letztem gehört eben da»Staatspapiergeld, mit dem namentlich Rußland (für gegen 7,50 Millionen Thal^/und die deutschen Länder mit Östreich (gegen I55> Millionen Thaler) reichlichsehen sind. Es cursirt mit Zwangsumlauf und findet eine Deckung seines Crcd>in ruhigen Zeitläufe» vornehmlich nur in dem Umstände, daß es bei den Steucr-adlungen statt Geldmünze von den Staatskassen angenommen wird, mit andernten: eine wirkliche Deckung hat es in der Regel für die landcSangehörigcnnur bis zur Höhe der Stcuerbeträge. Daß die Staatsrcgierungen namcutlick ^Zeiten der Finanznoth der lockenden Versuchung zur Vermehrung dieses fürwohlfeilen Geldes nicht auS dem Wege gingen, ist leicht begreiflich, und ganznehmlich durch die letzten acht Jahre bestätigt worden. Zu nicht einlöslichem ^gelbe werden dann auch die von Banken ausgegebenen Noten gerechnet,
Insolvenz der Bank eingetreten ist, sei es nun, daß der erklärte Bankrott hereinbr ^sei es, daß die Staatsregicrung ein Moratorium erließ, das die Verpflicht»"?«^Bank zur Einlösung ihrer Noten suSpendirte. Während im erstem Falle für d'Haber der Noten die von diesen repräsentirten Werthe geradezu verlorendoch auch im letztem Falle von einer eigentlichen Deckung des Credits derkeine Rede sein. Der einzelne Geschäftsmann mag die Berechnung über eine,lichkeit der Wiederaufnahme der Einlösbarkeit der Noten und über die Wahr perlichkeit d«S Zeitpunkts, in welchem die- eintreten werde, zu einem Gegen»»