Band 
Eilfter Band.
Seite
479
JPEG-Download
 

Deutschland.

479

zelnen Regierungen beeilten sich nicht, einem Vertrage ihre Zustimmung zu geben,zu dem nicht mitgewirkt zu haben doch die meisten unangenehm empfanden. Am20. Dcc. 1849 endlich legte der Erzherzog-Neichsverweser seine Gewalt in die Händeder vier Commissarien nieder. Östreich hatte den Finanzmann Kübeck und denGeneral Schönhals geschickt; Preußen war durch Nadowih und den vormärzlichenOberpräsidentcn in Königsberg, Bötlicher, vertreten, also charakteristischerweise durcheinen Freund und einen Gegner der bundeSstaatlichcn Politik. Bei der feierlichenNiederlegung seines Annes hielt der Erzherzog eine kurze Ansprache, worin er zu-nächst als Grund seines langer» Verharrens hervorhob, daß mit seinem Rücktrittder Fortbestand des Bandes, welches die deutschen Staaten zusammenhält, zerstörtUnd Deutschland abermals den größten Gefahre» preisgegeben worden wäre. „Diebeiden Factoren der mir übertragenen Gewalt waren die Gesammtheit der deutschenRegierungen und die deutsche Nationalversammlung. Beiden für die der Provisori-schen Ccntralgcwalt gewährte Mitwirkung und Unterstützung zu danken, fühle ich'nich auf das innigste gedrungen. Letztere besteht indessen nicht mehr. Sie selbsthat ihr Ende herbeigeführt, indem sie diejenige Stellung, welche das Gesetz ihr an-gewiesen, überschritt und sich von derselben gerade da am bedeutendsten entfernte,ül« die Ereignisse sich so gestaltet hatte», daß jede Abweichung von ihrer Nechts-whäre ihr selbst zum Verderben gereichen mußte. Die Geschichte der Nationalver-^'Nmlung, ihr Untergang gibt dem deutschen Volke die große Lehre, daß seine Ver-eisung auf keinem andern Wege heilsam entwickelt werde» kann, als auf dem deSfähigen und steten Fortschritts, unter gewissenhaftem Festhalten an Dem, was durchRecht und Gesetz einnial geheiligt ist." Mit einem frommen Wunsche für das Ge-deihen Deutschlands und seiner Fürsten schloß der Neichsverweser seinen letzten öf-fentlichen Act. Am Neujahrstage 1850 verließ er Frankfurt. Es wurden ihm auch" den letzten Stunden manche Huldigungen in Frankfurt zuthcil, doch waren diesereilich theils nur officieller und militärischer Art, theils waren sie von den eisri-^>> Anhängern der östreichischen Politik angeregt, die es dem Erzherzog nicht ver-gaßen, daß er in bedenklicher Zeit zäh ausgehalten und das Interesse Östreichs" Abrang hex preußischen Politik vertheidigt hatte. Mit der frischen, volkS-thumlichen Begeisterung, die einst seinen Einzug umgeben, ließen sich diese letztenArtigkeiten nicht vergleiche». Damals nahm das Volk, zumal in Süd- und Mittel-rutschland, warmen Antheil an dem verheißungsvollen Ereigniß, das Deutschland^erst wieder ein Oberhaupt gab. Voll Vertrauen sah man damals dem biedernebirgssohn, d«n Helden des Freiheitskrieges von 1809 entgegen und hoffte, er^'we die neue bessere Zeit herausführen - oder vorbereiten. Jetzt waren die Stim-ungcn bedenklich abgekühlt, die Illusionen verflogen, die große Mehrzahl sah stummgleichgültig dem scheidenden Prinzen zu, der als östreichischer Erzherzog gekom-und gegangen war. Die Huldigungen, die ihm von einer Seite kamen, gal-zw auf der andern als ebenso viele Anklagen, und es ward darüber manch bitteress) gehört, wie auch über die östreichischen Orden, womit das letzte Reichsmini-^ f>un> vor seinem Scheiden decorirt wurde. „In der That hatten der Erzherzog wiellv E, die Anerkennung von Seilen Östreichs verdient. Sie hatten jedem

z^.ü'fpf und aller Geringschätzung kaltblütig getrotzt und die undankbare Rolle ge-durchgeführt, Östreich bis zu seiner Rückkehr in das Bundespalaiß den PlatzHochzuhalten. Hätten der Erzherzog und seine Nathgcbcr damals im April undAnsinnen Preußens auf Überlassung der Centralgewalt nachgegeben, so wür-^'r ^"'8« doch wesentlich eine andere Gestalt angenommen haben, es würde

Ly ^'e»er Politik in keinem Falle so leicht geworden sein, durch den Vertrag vom' ^cpt. sich den Weg zur Rückkehr an die Spitze der Bundesangelegenheiten zu bahnen.

Der Conflict über den „engern Bund"; Berufung eines Parlament«.

Lktz^^"^ssen hatte der werdende Bundesstaat sein erstes Lebenszeichen von sich ge-> aber schon dies erste drohte freilich das ganze Werk zu gefährden. Die