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Eilfter Band.
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Die Literatur Frankreichs.

am Ende lächerlich wurde», als sie zum Schuhe des classischen Heiligthums undseiner Reliquien die Staatsgewalt anriefen, welche ihre Compelenz in Sachen derPoesie vernünftigerweise ablehnte. Die Menge der Journale wuchs mit der Theil-nahme des Publikums an den literarischen Bestrebungen, und da die junge Schulenicht blos in ihren kritischen Arbeiten sich an Witz, Gelehrsamkeit und Strcitfertig-keit der Gegenpartei überlegen zeigte, sondern in ihren poetischen Leistungen Schwung,Leben, Feuer und sonst noch Manches entwickelte, was man in den Werken deraltern Dichter durchgängig vermißte, so war die öffentliche Meinung bald ganz aufSeiten des Romanticismus und somit der Weg für eine neue Entwickelung der fran-zösischen Literatur vollständig gebahnt.

ä) Die Lyrik.

Die große literarische Bewegung der Ncstaurationkperiode theilte sich in dreiDichtungen, wovon jede ihren eigenen Weg ging, und die zusammen den vollstän-digen Inhalt und Ausdruck des französischen Nationalbewußtseins bildeten. Dieerste, christlich katholisch und royalistisch, mit einer starken Dosis ästhetischen Beha-gens an mittelalterlichen Kunstsachen verseht und hauptsächlich von Chateaubriandangeregt, hatte Victor Hugo zum Führer; die zweite, christlich sentimental undmonarchisch mit liberaler, humaner Färbung, fand an Lamartine ihren Vertreter;die dritte, rein national und liberal, wurde von Bc'ranger geleitet. Hinter diesendrei hervorragenden Dichtern tummelte sich eine zahlreiche Schar von talentvollenjungen Leuten, die ihnen als Rhapsoden dienten und die Gold- und Silberbarrenihres Jdeenschatzes zu gangbarer Scheidemünze ausprägten. Jene drei Richtungenund Strömungen des französischen Nationalgedankens wurden nicht von den drei Män-nern, die sie lenkten, veranlaßt, so unermeßlich auch ihre poetische Geistcsmacht war,sondern entsprangen aus der Lage und Wendung, welche die Dinge in Frankreich^nvmmen hatten. Victor Hugo lieh der wiedcrerwachten Liebe zur mittelalterlichen"unst und zum alten Königthum seine prächtige, klangreiche Stimme, betonte jedochvornherein zu stark das Ästhetische der Sache, und vergaß als Vorsänger dergeistlichen Wiedergeburt in Kunst und Poesie nur Eines: nämlich etwas wahresChristenthum hineinzubringen. Er besuchte die alten Dome, nicht um zu beten,sondern um zu träumen, und von den „Orientalss" an war in der That leichtiu sehen, daß er nur die leibliche, plastische Seite der christlichen Kunst und Cul-^r. j„ Betracht zog, ohne den Geist, der hinter all den Formen und Einrichtun-gen steckt, zu berücksichtigen, und daß er, was sein romantisch katholischer Ncuerungs-anfänglich Wirksames und Fruchtbares gehabt hatte, am Ende in pantheisti-!,ger und ästhetischer Schweiger« aufgehen lasse» würde. In formeller Hinsicht warEigens Victor Hugo von den Dreien der Einzige, der entschieden und völlig mitge>N Klassicismus brach, während Lamartine sich nie ganz davon lossagte, und Be-,?nger sich um dergleichen Gegensätze nicht bekümmerte. Auch hatten die ausschließ-'Hen Romantiker an Lamartine viel auszusetzen und wollten sogar Bc'ranger nicht^ voll gellen lassen: bei Beiden sehen wir in der That mehr oder weniger einei EUtralisarion des classischen und romantischen Systems, einen neuen Gedanken-

yalt i,, alte Formen gegossen. Lamartine machte sich zum zärtlichen Tröster für^ weiche und gemüthliche Seelen, die, vom revolutionären Sturm und Unglau-geknickt und zerrissen, bei der Religion Stärkung und Heilung suchten, und^z entzückt in Lamartine's Gedichten wiederfanden, was im Katechismus und in, ^ steht, die sie in» wüsten Toben und Tosen der Zeit aus dem Sinne ver-Jak? S«ne ersten „ dleciitalicuis poötiquss" erregten ein Aufsehen, wie 20

^/se vorher Chätcaubriand's „Eerne clu Llirislianwms". Der Dichter wurde der

arkb'eü? großen Publikums, und ist sogar später, als seine religiös und mon-

bitä'f gefärbte Sentimentalität und Melancholie unter dem Panier der Huma-^""d Philanthropie sich allmälig zu einer naturalistisch und demokratisch schillern-^enkungsweise umstimmte, dennoch der Repräsentant einer nicht geringen Anzahl