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Die Literatur Frankreichs.
Rhythmus das Bestreben wol ansteht, den weinenden Unmuth zn beschwichtigenund den trällernde» Übcrmnth an den Tag zu lassen. Die Form ist voll, ge-messen, wahr und recht, weil die reine Natur nicht irrt und allem, was sie ge-staltet, das rechte Gepräge gibt und die eigentliche Signatur. Wie das Feuer vonNatur die Pyramidenform liebt und ohne vorhergegangene geometrische Constructionin seine eigenthümliche Gestalt sich fügt, so nehmen auch in diesen Gedichten dieAffccte von selbst die specifische Formirung an. Tonfall, Wort und Klanggewcbc,alles äußerlich Formelle ist der Poesie hier innerlich eingeboren, oder die Poesie istvielmehr ununterscheidbar mit ihnen verwachsen wie Leib und Seele im organischenLeben. Die Verse sprudeln massenweise aus den warmen Quellen und werden inGedanken wie von selbst. Nicht der Dichter, sondern der Mensch spricht in diesenGesängen, die den lebendigsten und eindringlichsten Theil von Alfred de Mussct'spoetischen Werken ausmachen. Der Roman „l.a vonkossion ci'un vnlant llu «isclo"rührt auS derselben Zeit her und schildert dieselben Schmerzen. Anfang und Endelassen viel zu wünschen übrig, aber die. Mitte des Buchs ist ein Meisterstück. Inder Zwischenzeit halte Alfred de Müsset pikante Komödien herausgegeben, die er nichtzur Aufführung bestimmte und darum ,, comöclios il>s»ual)lo8" betitelte. Daßsie wunderbar anziehend sind, dafür spricht der Umstand, daß die zwei schwächsten,„lle oaprioo" und „llno porls ouverts ou sormäo", in bühnenrechte Form gc-bracht, unlängst hingereicht habe» dem II»6ätre lrimg.-iis wieder starken Znlankzu verschaffen. Zugleich vcrhalfen sie dem Verfasser zu einem Sitz in der Akademie,überzeugte» auch die starrsinnigsten Klassiker, daß Alfred de Müsset, ungeachtet seinerBallade an den Mond, doch nicht der größte Narr in Europa, wozu sie ihn an-fangs stempelten, sondern einer der bedeutendsten Dichter von Frankreich sei, dereine Stelle unter den „vierzig Unsterblichen" verdiene. In der That gibt eS nichtsKöstlicheres für einen Leser von seinem Geschmack als jener dahinschwcbende, »N-betastbare Geist, immer im Zuge seine Flügel auszubreiten und sich in ideale Spha'ren aufzuschwingen, ohne daß er nachläßt die wirklichen Dinge zu erhellen und zufärben, wie der Sonnenstrahl, der am blauen Himmel oder in Wolken spielt umdabei doch den Gegenständen Umriß, Licht und Farbe gibt. Indessen ist Alfredde Mussct's Theater doch vielleicht nur als ein glücklicher Zufall, als eine glänzendeAusnahme anzusehen: es hat nur eine poetische Seite, und beinahe nichts recht DrN'matisches. In den Stücken: „llo oaprivv ,1s lllariiiiinö", „lla (zuoiiouills lloberins", „ llo oiiaiulolier", „ ll no saut ssirer cls rien ", ,,I> no kaut pas bacli»^gvvo I'amnur", zumal in „ llaiitaisio", seinem Meisterstück, finden wir einenwissen Abglanz von Shakspcare'S „Sommernachtstraum" und „Wie cS euch §fällt", eine wahre Fcenphankasie, die Alles, was sie mit ihrem Zauberstabe bcrühs'in Perlen und Diamanten verwandelt, eine zierliche und rüstige, abwechselnd .und fröhlich gestimmte Laune, aber nichts Brauchbares für das Leben, keineschicdene Gesinnung, keinen bewegenden Gedanken, und keinen Funken von Smgesetz. Beobachtung ist bei Alfred de Müsset nicht vorhanden, oder wenn sieHanden, so wird sie von einem Luftzüge oder poetischen Ansinge ins Weite vcr>"^In einem herrlichen Anfall von Humor sagt Alfred de Müsset selbst, er halte ^Studium des menschlichen Herzens im Allgemeinen und in Masse sehr uner<iaA„eund unergiebig, sodaß cS nichts Auffallendes hat, wenn er keinen Charakter/ ^„dVerschrobenheit, keine Lächerlichkeit seiner Zeit und Umgebung scharf aufzufall.^ diedarzustellen weiß. Sein Theater ist eine allerliebste, wunderliche Persönlich^sich mit viel jugendlicher Anmuth in einer kleinen Welt bewegt, welcheBilde geschaffen ist, und die sie beständig in dem bunten Farbenlichte ihrer p"Anschauungsweise spiegeln läßt. .
Alle bisher genannten Dichter sind unter der Restauration, vor 1^./ ,jffes,
treten,wie diewirkte
Man hätte glauben sollen, daß der Nachhall eine- so dröhnende» r- ^ b*'ie Julirevolutio» war, durch die Erschütterung, die eS i» der Geda" M«-
, Dichter und Schriftsteller geweckt hätte. Das war nicht der Fall,